Mittwoch, 11. April 2012

Der Sternenhimmel im April

+++Die von mir für die jeweilige Jahreszeit vorgestellten sichtbaren Sternbilder, ihre Position am Himmel sowie Angaben zu Planeten, Sonne und Mond beziehen sich - sofern nicht anders angegeben - auf einen Beobachterstandort von 51° Nord und 12° Ost.

Als Unterstützung beim schnelleren Auffinden der Sternbilder empfehle ich den Kauf eines kleinen Himmelsführers mit beigefügter drehbarer Sternkarte. Dieses praktische Hilfsmittel misst meist nicht mehr als 10 cm im Durchmesser und findet Platz in jeder Jacken- oder Handtasche+++
Der mitteleuropäische Sternenhimmel in der 2. Aprilhälfte um 22 Uhr


[Link zur Generierung von Sternkarten für das ganze Jahr]
[Der Sternenhimmel im ... 2012]
Der April ist der günstigste Monat zur Beobachtung der Frühlingssternbilder. Im Bereich zwischen SO und SW findet man das schon bekannte Frühlingsdreieck mit seinen Sternen Regulus, Spika und Arktur. Es ist ein fast rechtwinkliges Dreieck mit dem rechten Winkel bei Spika. Den Löwen stellt man sich liegend vor, den Kopf auf der rechten Seite. Arktur steht am Fuß eines V's, das den Bootes bildet. Zwischen Löwe und Bootes kann man bei guten Sichtbedingungen übrigens das Haar der Berenike sowie die Jagdhunde erspähen.

[Den Namen "Haar der Berenike" verdankt dieses Sternbild einer Sage, wonach die ägyptische Prinzessin Berenike ihr Haar geopfert haben soll, um von den Göttern den Sieg ihres Heeres zu erflehen. Die Haare seien danach zum Himmel in Form eines Sternennests aufgestiegen.]

Spika befindet sich bildlich ebenfalls an einem Fuß - allerdings an dem eines nach rechts geneigten Y. Der offene Teil des Y weist dabei in Richtung Sternbild Großer Löwe. Der Name lässt auf einen Bruder schließen; und diese Vermutung erweist sich als richtig, denn knapp oberhalb des Großen findet man den Kleinen Löwen.

Unterhalb von Löwe und Jungfrau sieht man die kleinen Sternbilder Sextant, Becher und Rabe.

Die Wasserschlange steht tief am Horizont zwischen SO und SW, ihr Hauptstern Alphard ist am südwestlichen "Ende" zu finden.

Im W und NW ist mit den Zwillingen, dem Fuhrmann, Kleinem Hund und Krebs noch ein Teil des Wintersternhimmels präsent - Orion ist teilweise untergegangen.

Wandert der Blick von Orion weiter in Richtung N, entdeckt man zuerst den Perseus und im N schließlich die Kassiopeia.

Unser Rundumblick geht weiter von N nach NO - wo Herkules, Schwan und Leier bereits den Sommer ankündigen - und endet schließlich im O mit Schlange und Schlangenträger (ebenfalls Sommersternbilder).

Die Milchstraße kann im April nicht günstig beobachtet werden: Von WSW zieht sie sich über den tieferen W-, NW,- N- und NO-Himmel durch die Sternbilder Kleiner Hund, Zwillinge, Stier, Fuhrmann, Perseus, Kassiopeia und Schwan.

PS: Wo befindet sich der Große Wagen gegenwärtig?

[Übersicht zu den Sternbildern]

Mond im April

Vollmond: 6. April
Halbmond: 13. April
Neumond: 21. April

Frühaufsteher können am Morgen des 20. April die schmale Mondsichel ab 5.15 Uhr letztmalig vor Neumond in der Morgendämmerung suchen. Zwei Tage später ist sie dann bereits wieder - ebenfalls etwas Beobachtungsglück vorausgesetzt - in der Abenddämmerung bis 22 Uhr in scheinbarer Jupiternähe zu finden.

Planeten im April

Der Planetenreigen aus Venus, Jupiter, Mars und Saturn bleibt uns erhalten.

Merkur --> unsichtbar.

Venus --> erreicht aktuell die größte Horizonthöhe und ist neben dem Vollmond das (kursiv) dominierende Himmelsobjekt.

Mars --> nach seiner Oppositionsstellung im März kann er im April ideal am Abendhimmel beobachtet werden. Gegen 22 Uhr steht er hoch im S.

Jupiter --> ist noch während der Abenddämmerung sichtbar, verfrüht seinen Untergang bis zum Monatsende aber. Am 22. April befindet sich die schmale Mondsichel abends in Jupiternähe.

Saturn --> erreicht am 15. April seine Oppositionsstellung und ist dann die gesamte Nacht im Sternbild Jungfrau sichtbar. Versuchen Sie doch einmal, die Ringe des Saturn zu entdecken.

Uranus --> unsichtbar.

Neptun --> unsichtbar.

Sonne im April

Die Tage werden in diesem Monat um 1:48 h länger.

Sonnenaufgang 1. April: 6.47 Uhr
Sonnenuntergang 1. April: 19.41 Uhr

Sonnenaufgang 30. April: 5.46 Uhr
Sonnenuntergang 30. April: 20.28 Uhr

Dass Sonnenuhren als tägliches Zeitmaß zu ungenau sind, habe ich schon einmal erwähnt.

Am 15. April, 12. Juni, 1. September und 24. Dezember trifft diese Aussage im Jahr 2012 jedoch nicht zu - denn dann stimmen Wahre Ortszeit und Mittlere Ortszeit überein; die Zeitgleichung beträgt Null. Eine Sonnenuhr unterliegt den Schwankungen der Himmelsmechanik (variabler Abstand Erde - Sonne, Neigung der Erdachse) und deshalb differiert die von ihr abgelesene Zeit um +/- 15 Minuten von der Mittleren Ortszeit.
Steht also am 15. April (und an den anderen genannten Daten) die Sonne um 12 Uhr genau im Süden?
Erstens: Nach der Wahren Ortszeit (Lokalzeit) an einem beliebigen Ort, ist es dort 12 Uhr Mittags, wenn die Sonne den höchsten Punkt ihrer scheinbaren Tagesbahn erreicht hat. Völlig unabhängig, ob das ein 15. April ist oder ein anderes Datum.

Zweitens: Nach der Mittleren Ortszeit an einem beliebigen Ort, ist es dort 12 Uhr Mittags, wenn die auf einer über das Jahr gemittelten Tageslänge basierende Uhr dies anzeigt. Diese Uhr weicht - wie oben erwähnt - um bis zu 15 Minuten (+/-) von der Wahren Ortszeit ab (die Sonne erreicht also bis zu 15 Minuten vor bzw. nach 12 Uhr den höchsten Punkt ihrer scheinbaren Tagesbahn). Außer an den erwähnten vier Kalendertagen im Jahr.

Drittens: Mit der Einführung von Zonenzeiten wurde die Mittlere Ortszeit eines bestimmten Bezugsmeridians maßgeblich für die Zeitmessung im Bereich von 7,5° beiderseits des Bezugsmeridians.

Das hat den Vorteil, dass sich die Mittlere Ortszeit in Orten an den Zeitzonengrenzen nur um maximal 30 Minuten von der (für die ganze Zeitzone gültigen) Mittleren Ortszeit des jeweiligen Bezugsmeridians unterscheidet. In der Realität gibt es für diese Regel jedoch zahlreiche Ausnahmen, da sich zum einen Ländergrenzen nicht an Längengrade halten und sich zum anderen sehr große Staaten zur Vereinfachung ihrer souveränen und wirtschaftlichen Aufgaben für den Verzicht auf einige Zeitzonen entschieden haben.

Die für Mitteleuropa maßgebliche Mitteleuropäische Zeit (MEZ) definiert die Mittlere Ortszeit für Orte auf dem 15° Ost-Meridian (der unter anderem genau durch Görlitz verläuft). Gegenwärtig haben wir Sommerzeit (MESZ = MEZ + 1) und daher steht die Sonne genaugenommen am
15. April um 13 Uhr MESZ  nur auf 15° Ost genau im Süden.

12 Uhr UTC bedeutet: Die Mittlere Sonne (= Mittlere Ortszeit) steht auf dem 0°-Meridian von Greenwich. Die Differenz MESZ-UTC beträgt 2 Stunden - also steht die Sonne um 14 Uhr MESZ (= 12 Uhr UTC) wieder über dem 0°-Meridian.
[Die Zone der MEZ reicht von 31° O bis zum westlichsten Punkt des spanischen Festlandes bei 9° W. Das sind 25° mehr als die üblichen 15° (360° / 24 h = 15° / 1 h) zwischen den Zeitzonen. Folglich weicht bspw. an der spanischen Atlantikküste die Wahre Ortszeit um 1:30 h von der Mittleren Ortszeit auf 15° O ab (bei Sommerzeit um 2:30 h).]
Beispielzeiten für den Tageshöchststand der Sonne am 15. April in der Zone der MESZ:

Breslau (17° O) = 12.52 Uhr
Wien (16° 22' O) = 12.55 Uhr
Görlitz (15° O) = 13 Uhr
Dresden (13° 44' O) = 13.05 Uhr
Berlin (13° 23' O) = 13.06 Uhr
München (11° 34' O) = 13.13 Uhr
Hamburg (10°O) = 13.20 Uhr
Köln (6° 57' O) = 13.32 Uhr
[Eine Abweichung von einem Längengrad +/- bedeutet jeweils 4 Minuten Zeitunterschied zwischen Lokal- und Zonenzeit.]

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