Montag, 1. Oktober 2012

Der Sternenhimmel im Oktober

+++Die von mir für die jeweilige Jahreszeit vorgestellten sichtbaren Sternbilder, ihre Position am Himmel sowie Angaben zu Mond, Planeten und Sonne beziehen sich - sofern nicht anders angegeben - auf einen Beobachterstandort von 51° Nord und 12° Ost.

Als Unterstützung beim schnelleren Auffinden der Sternbilder empfehle ich den Kauf eines kleinen Himmelsführers mit beigefügter drehbarer Sternkarte. Dieses praktische Hilfsmittel misst meist nicht mehr als 10 cm im Durchmesser und findet Platz in jeder Jacken- oder Handtasche.+++
"Wir sind die Zeugen, durch die sich das Universum seiner eigenen Pracht und Herrlichkeit bewusst wird."
(Katja Kullmann)
Der mitteleuropäische Sternenhimmel in der ersten Oktoberhälfte um 22 Uhr
[Link zur Generierung von Sternkarten für das ganze Jahr]

[Der Sternenhimmel im ... 2012]

SO
Der Bereich zwischen SW und SO wird von den Herbststernbildern eingenommen. Vor allem die in mittlerer und geringerer Höhe befindlichen sind aber so sternarm, dass bei mäßigen Beobachtungsverhältnissen keines derselben aus dem dann dunkelgrauen Nichts heraus identifiziert werden kann. Auch Wassermann und Fische gehören dazu; beide können jeweils links und rechts unterhalb des Pegasusquadrats erspäht werden.

Sommerdreieck und Südlicher Fisch
Zu Beginn des Monats stört der noch volle Mond bei der Beobachtung des südlichen Himmels, spätestens zur Monatsmitte hin erhält man aber - Wolkenfreiheit und wenig Lichtverschmutzung vorausgesetzt - einen schönen Einblick in den Oktoberhimmel.

Weiter in Richtung W stößt man zuerst auf den bereits aus dem Vormonat bekannten Stern Fomalhaut im Südlichen Fisch (jetzt am besten sichtbar) und dann zwischen 30° und 60° auf das Sommerdreieck.

Auch der Steinbock kann, tief im SW, noch aufgefunden werden. Kleinere Sommersternbilder mit nur leuchtschwachen Sternen sind ferner: Delphin, Füllen, Füchschen und Pfeil. Im NW ist der Herkules noch knapp vollständig sichtbar, während vom Schlangenträger und der Schlange nur noch Teile über den W-Horizont ragen.

NW
Den N ziert der Große Wagen in seiner tiefsten Stellung des Jahres - zwischen 10° und 20° über Horizont. Ab November steigt er wieder zum Zenit empor, den er im April erreicht haben wird.

Zusammen mit einigen Sternen, die sich auf der rechten Seite des Großen Wagens befinden, entsteht der Große Bär.

Eine gedankliche Verlängerung des hinteren Teils des Großen Wagens um den Faktor 5 "nach oben" führt automatisch zum Polarstern. Dieser ist gleichzeitig die Deichselspitze des Kleinen Wagens/Kleinen Bären, der sich nach links unten anschließt.

Die Kassiopeia, das Himmels-W, ähnelt gegenwärtig eher einem M und steht fast im Zenit. Etwa in halber Höhe zwischen Horizont und Zenit kann der Perseus im O ausgemacht werden, gemeinsam mit einigen Vorboten des Winterhimmels: Fuhrmann, Stier, Zwillinge. Letztere erfordern jetzt im Oktober noch etwas Geduld, denn erst ab etwa 1 Uhr nachts sind sie gut sichtbar. Auch Orion, der Himmelsjäger, schickt sich an, bald den Winterhimmel zu dominieren.

O
Die Milchstraße zieht im W über den Horizont herauf, verläuft über Sommerdreieck und Kassiopeia zum Zenit, von dort aus schließlich durch Perseus, Fuhrmann, Stier und Zwillinge weiter gen NO-Horizont

Milchstraße
[Die gezeigten Bilder sind allesamt Screenshots aus Stellarium.
Man findet in jedem Bild unten eine Statusleiste mit Beobachterstandort, Blickrichtung, Datum und Uhrzeit.]

[Übersicht zu den Sternbildern]

Mond im Oktober

Halbmond: 08. Oktober
Neumond: 15. Oktober
Halbmond: 22. Oktober
Vollmond: 29. Oktober

Den Goldenen Henkel kann man am 25. Oktober zwischen 16 und 21 Uhr erspähen.

Mondbegegnungen:

Venus und Regulus eng beieinander
Venus --> am 12. Oktober von 5 bis 7 Uhr im O
Mars --> am 18. Oktober gegen 19 Uhr im W
Jupiter --> am 05. Oktober von 22 bis etwa 0 Uhr im O

Planeten im Oktober

Merkur --> unsichtbar
Venus --> der "Morgenstern" zieht bis zum 07. Oktober jeden Morgen dicht an Regulus im Löwen vorbei
Mars --> nach Einbruch der Dunkelheit tief im WSW
Uranus im Sternbild Fische
Jupiter --> sichtbar ab etwa 20 Uhr und bis zum Venusaufgang der hellste Planet am Himmel
Saturn --> unsichtbar
Uranus --> die ganze Nacht im Sternbild Fische zu sehen
Neptun --> die ganze Nacht (schon mit einem Fernglas) im Sternbild Wassermann sichtbar



Sonne im Oktober

Die Dämmerung setzt jetzt immer früher ein - von 20 Uhr am Monatsanfang verfrüht sie sich auf 18 Uhr am Monatsende. Die Mittagshöhe der Sonne nimmt um über 11° ab, die Tage werden in diesem Monat um 1:49 h kürzer.

Am 28. Oktober endet die Sommerzeit.

Sonnenaufgang 01. Oktober: 7.09 Uhr
Sonnenuntergang 01. Oktober: 18.52 Uhr

Sonnenaufgang 31. Oktober: 6.57 Uhr
Sonnenuntergang 31. Oktober: 16.51 Uhr

APPENDIX

Neudefinition der Astronomischen Einheit

Eines der wichtigsten Längenmaße im Sonnensystem, die Astronomische Einheit (AE), ist durch einen kürzlich gefassten Beschluss der Internationalen Astronomischen Union als fester Wert definiert worden: 149.597.870.700 Meter (das sind 9 Meter mehr als beim bis dato berechneten Wert).

Damit entfällt die bisherige Berechnung, nach der die AE als Radius einer kreisförmigen Umlaufbahn, auf der ein Objekt mit vernachlässigbarer Masse die Sonne in 2π/k Tagen umläuft, definiert wurde.

[k = Gauß'sche Gravitationskonstante]

Der Grund für den Wechsel von einer Variablen zu einer Konstante liegt in der Vereinfachung der Arbeit von Astronomen. Denn die alte Definition hatte zwei Schwachstellen: Einmal die abnehmende Masse der Sonne und einmal die Relativitätstheorie, welche u.a. dazu zwingt, die Gauß'sche Gravitationskonstante für Beobachter außerhalb der Erde anzupassen.

Außerdem werden heutzutage Entfernungen im All unter Zuhilfenahme von Satelliten und Teleskopen mittels Laser- und Radarmessungen (siehe dazu auch die hier im APPENDIX verlinkten Videos) direkt bestimmt. Die AE verbleibt aber als wichtige Bezugs- und Umrechnungsgröße fester Bestandteil der astronomischen Arbeit.

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