Montag, 18. Februar 2013

Geocaching - oder: Auf der Suche nach dem Logbuch

Man wird zum ersten Mal gefragt, man sagt zum ersten Mal ab. Man wird zum zweiten Mal gefragt, man sagt zum zweiten Mal ab. Man wird zum dritten Mal gefragt, man sagt zum dritten Mal ab. Man wird zum vierten Mal gefragt ... wenn man jetzt nicht zusagt, kommt nie wieder eine Anfrage. Da ich aber in dieser Freundschaft durchaus noch Potenzial zum Ausbau gemeinsamer Aktivitäten sehe, gab es bei der vierten Anfrage eine Zusage zum GEOCACHING.

Genau, das ist diese Freizeitbeschäftigung, dank der jeder Besitzer eines GPS-Gerätes durch die Gegend tigern und irgendwelche Koordinaten aufsuchen kann. Mich persönlich hat es nie gereizt, viel lieber folge ich einer roten Tracklinie auf meinem Oberrohr, als dass ich Schlüsselanhänger in Tagebaugeländen aufstöbere. Trotzdem kann es nicht schaden, sich wenigstens einmal die eigenen Vorurteile bestätigen zu lassen. :-) Mein Lehrmeister hatte an diesem Sonntag seinen 500. Cache auf der Liste und stiefelte entsprechend motiviert durch das Niemandsland der devastierten Landschaft nordwestlich von Profen.

Bedenkt man, dass hier mittlerweile Wölfe leben und hält man beim Passieren der toten Dörfer die Augen offen, dann versteht man, warum es diese Tiere hierher zieht. Die Sorte Mensch dieser Gegend lebt nur noch, um endlich sterben zu dürfen. Wir parken am Rande des Tagebauloches und hören in der Grube die Geräusche von illegalen Motocrossern. Beim Besuch in Großgrimma fühlen wir, dass wir in das Revier der lokalen Treckerherrscher eingedrungen sind. Neben der Mauer eines Schrottplatzes für Erntemaschinen stehen drei Männer und beäugen uns missmutig (höchstwahrscheinlich Muggels). Ich habe den Eindruck, dass die Geduld der Typen zu Ende geht und wir unsere Kameraausrüstungen verlieren könnten. Inclusive der Schneidezähne. Mein Begleiter fühlt ähnlich und schlägt vor, sich zurückzuziehen. Wir verlassen den Ort, ohne den Cache gefunden zu haben. Dafür mit intakter Kaulade.

Über uns hängt ein dunkelgrauer Himmel, leichter Sprühregen benetzt die Kleidung. Es ist ein Tag, um in der Stube neben dem Kaminofen zu lesen oder Bildergalerien zu bearbeiten. Im Prinzip sind Wetter und Stimmung so, wie sie die ganzen bisherigen Wochenenden in 2013 waren. Wir marschieren durch das Unterholz und schauen gebannt auf die roten Pfeile, die uns den Standort der nächsten Filmdose (Micro-Cache), der nächsten Plastikbox (Medium-Cache) verraten. Bei Erreichen der gespeicherten Koordinaten ist es übungsabhängig, wie schnell man das eigentliche Versteck lokalisieren kann. Ein Astloch, ein altes Rohr, ein Riss im Mauerwerk ... man muss kreativ denken. Meist finden sich kleine Hinweise in der Beschreibung des jeweiligen Caches auf der Webseite www.geocaching.com.


Persönlich hab ich im Rahmen unseres Mini-Battles lediglich die Caches zuerst entdeckt, denen nur noch das rote Hinweisschild mit der Aufschrift "HIER!" fehlte. Mein Begleiter wusste dagegen stets bei Erreichen der Koordinaten, wo man höchstwahrscheinlich fündig wird. Und dort wurde man dann immer fündig. Nach dem Hinterlassen von Datum und persönlichem Nickname im Logbuch (später auch im Internet), packt man den Geocache wieder in sein Versteck.

[GPS-Geräte haben - besonders in Geländemulden, im Wald, in der Stadt, in Gebäuden oder an ähnlichen Standorten - mitunter Probleme, genügend Satellitensignale zur Ortung zu empfangen. Deshalb kommt es nicht selten vor, dass eine Abweichung (Koordinaten <-> Versteck) von mehreren Metern in Kauf genommen werden muss.]

Gefallen haben mir sogenannte Multi-Caches. Dabei bekommt man Startkoordinaten und wird sodann im Zuge der Aufgabe von Standort zu Standort gelotst. Mitunter gilt es, kleine Rätsel im Feld zu lösen, damit man die nächsten Koordinaten erhält. Den Einsatz einer UV-Lampe machte einer unserer Caches notwendig, denn die wichtigen Zahlen wurden an der Wand eines stillgelegten Schachtes festgehalten. Überhaupt sind solche Kategorien wohl am ehesten dazu geeignet, mich im Rahmen dieser Beschäftigung bei Laune zu halten. Abschließend besuchten wir ein ehemaliges Militärgelände bei Hohenmölsen, das mit NATO-Draht versehen ist. Wo sich heute Wildschweine in rauen Mengen tummeln, tummelten sich früher NVA-Soldaten. Das Gelände war durch doppelreihige Zäune mit Stromdrähten gesichert, erst die Truppenluftabwehr, später die Heeresflugabwehr waren darauf stationiert.




Zugegeben, es gibt attraktivere Locations für diese Form der modernen Schatzsuche und es gibt gewiss großartig kreative Caches, die u.a. dazu geeignet sind, die eigene Stadt oder den Urlaubsort von einer ganz speziellen Seite her kennenzulernen (Stichwort: Earth-Caches). Für solche Perlen lohnt sich eine intensivere Auseinandersetzung mit dieser Freizeitbeschäftigung allemal, denn die Kombination frische Luft + Denken + neues Wissen ist jedem zu empfehlen - völlig egal, ob nun mit oder ohne GPS.

Persönlich werde ich wohl so schnell nicht wieder unter die Geocacher gehen. Ich besitze zwar einen schlafenden Account auf www.geocaching.com, verspüre momentan aber wesentlich größeren Ehrgeiz, wenn ich meine diesjährigen Brevet-Blöcke zusammenklicke. Keine Ahnung warum, aber die Kilometerfresserei gibt mir innere Ruhe. Trotzdem hat dieser kleine Exkurs meine Augen geschult und einen Einblick gegeben in ein Paralleluniversum, das sich nur Eingeweihten zu erkennen gibt.


Geocaching in der Wikipedia
Unser Track vom 17.02.2013

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