Dienstag, 28. Januar 2014

"Dann verbrennen wir alle im Zug!"

"Zughorror! Geisteskranker reißt fast 100 Menschen in den Tod!"
(Bild)

"Dramatisches Zugunglück in Markkleeberg"
(LVZ)

"Viele Tote infolge der Nichtbeachtung einer dienstlichen Weisung."
(Polizeiticker)

"Nicht zu fassen: Zug verspätet sich, weil ein Waggon erst ausbrennen musste."
(Der Postillon)

"Unglück auf neuer S-Bahn-Trasse im Süden von Leipzig (Sachsen, Deutschland)."
(SZ)

"Radfahrer blockiert Fluchtweg - 52 Menschen sterben"
(Spiegel Online)

Die Gazetten hätten sich gewiss überschlagen, wäre ich nicht von einer freundlichen Zugbegleiterin auf den Umstand hingewiesen worden, ein Sicherheitsrisiko darzustellen.

An jenem Mittwochnachmittag in der 4. Kalenderwoche wollte ich bei Schneefall und einsetzender Dunkelheit bloß schnell nach Hause und 20 Minuten einsparen. Erfreulicherweise nutzen zahlreiche Pendler die neuen S-Bahn-Linien, welche nach Eröffnung des City-Tunnels Leipzig im vergangenen Dezember an den Start gegangen sind. Erfreulich für die Umwelt - weniger erfreulich für mich. Denn in der Rushhour bekommt man keinen Platz im Fahrradabteil; im Gegenteil: Man wird von den auf "meinem Stellplatz" Sitzenden als Fremdkörper gemustert, nur um kurz darauf den Blick abzuwenden. Da bleibt einem als Radler nichts anderes übrig, als im Eingangsbereich stehen zu bleiben.

Auf Seite 16 der DB-Beförderungsbedingungen steht nun unter 8.1 aber zu lesen: "Die Mitnahme von Fahrrädern ist in Zügen der Produktklasse C und in Zügen, die mit [Fahrradsymbol] gekennzeichnet sind, möglich. Die Beförderung kann bei Platzmangel abgelehnt werden."

Klarer Fall. Über die Zuglautsprecher erging auch die eindeutige Anweisung, bitte die Eingangsbereiche freizuhalten. Nur: Mein bezahltes Ticket verfällt dann infolge ... ja, infolge von was eigentlich? Höherer Gewalt? Wohl kaum. Und was wäre wohl gewesen, wenn ich mit einem Rollstuhl anstelle eines Fahrrads am Bahnsteig gestanden hätte? "Sorry, wir sind voll?"

Diese Gedanken beschäftigten mich während der Fahrt, bis eine Station vor meinem avisierten Zielbahnhof besagte freundliche Zugbegleiterin an mich herantrat und - für das halbe Abteil gut hörbar - verlauten ließ: "Haben Sie die Durchsage nicht gehört? Wir bitten darum, die Eingangsbereiche freizuhalten, denn wenn Sie beispielsweise hier den Durchgang blockieren und ein Brand ausbricht, dann verbrennen wir alle im Zug!"

Als Lebensretter verließ ich 3 Minuten später die Bahn.

Keine Kommentare: