Freitag, 9. Mai 2014

The Rake's Progress | Oper Leipzig

Zugegeben, ich hatte ein schlechtes Gewissen. Die Institution Oper steht in meinen Augen nämlich für Avantgarde und eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Prozessen, deren Ansatz ich nicht vollumfänglich teilen kann. Umso länger brauchte ich für die Zusage, mit Pressekarte ausgestattet, der Aufführung von Igor Strawinskis The Rake's Progress in Leipzig beizuwohnen. Nur gut zur Hälfte gefüllt war der Saal, als wir kurz vor 19.30 Uhr im Parkett links Platz nahmen. Lange Streifen mit silbern glänzender Folie hingen hinter dem Orchestergraben - ein bühnenbildnerisches Detail, dem im Zuge der Darbietung verschiedene Rollen zugedacht sein werden.

Vor 67 Jahren wurde Strawinski in Chicago durch den Gemäldezyklus A Rake’s Progress von William Hogarth zum Schreiben eines Stückes inspiriert, in dessen Kern die verführerische Macht des Geldes über Anstand, Gewissen und Moral des einfachen Bürgers behandelt wird. Tom Rakewell (Norman Reinhardt) bekommt in einer Vorstadtidyllehölle mit gemähtem Rasen, Grill und Autoputzsamstag vom Teufel in Postzustellerkostüm persönlich ein verführerisches Angebot in faustscher Tradition: Ich gebe dir die Welt, du gibst mir deine Seele.

Im Brief befindet sich die Information, der Erbe eines vermögenden Onkels geworden zu sein. Schnell verdrängt ist Anne (Marika Schönberg), das Mädchen, das nur darauf wartet, von ihm endlich ehrlich geliebt zu werden. Schnell verdrängt ist die Heimat. Denn es lockt die große Welt. Es locken Londons Bordelle, hemmungslose Partys, Prass und Verschwendung.

Tom stürzt in einen Strudel aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint; denn immer, wenn er offensichtlich über die Perspektivlosigkeit seiner Situation nachzudenken beginnt, wird er symbolhaft von Nick Shadow (Tuomas Pursio) geschickt abgelenkt und in Kontakt mit neuen, noch kurzweiligeren Beschäftigungen gebracht. Anne ist unterdessen besorgt über den Verbleib ihres Tom, wartet schon lange auf ein Lebenszeichen von ihm. Sie sucht, sie findet - doch es ist zu spät. Das Geld ist verspielt, die Seele an den Teufel verloren, die Frau fürs Leben unerreichbar. Und die Moral von der Geschicht: Vertrau nur dir, dem Teufel nicht.

Oper Leipzig

Tom im sündigen London.

Nick Shadow ist am Ziel.


In der Irrenanstalt.

Der Chor der Wahnsinnigen.


In der Pause: Peter Korfmacher im Gespräch mit Tuomas Pursio.

Das Gewandhausorchester I [Repro].

Das Gewandhausorchester II [Eigen].

Die Hauptdarsteller.

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