Donnerstag, 15. Mai 2014

17. Hoffest auf dem Landgut Nemt | 11. Mai 2014

Das Programm zum 17. Hoffest in Nemt und Dehnitz.
Am Ostrand der Leipziger Tieflandsbucht befindet sich die Ringelnatzstadt Wurzen. Den meisten dürfte das rechts der Mulde gelegene Mittelzentrum besonders aufgrund seiner Marke Wurzener Nahrungsmittel GmbH und den darunter firmierenden Produkten wie etwa Mehl, Reis, Haferflocken und diverser Müslis ein Begriff sein. Uns interessierten auf der jüngsten Sonntagsradtour ebenfalls die Lebensmittel - konkret jene auf dem Landgut Nemt, drei Kilometer von Wurzen entfernt gelegen, produzierten.

Passend zum internationalen Tag der Milch (in Sachsen war heuer das Landgut Nemt Gastgeber) lautete das Motto des Hoffestes: "Die Milch macht's". Was lag also näher, als gleich zu Beginn dem Stall einen Besuch abzustatten. Etwa 700 Milchkühe der Rasse Holstein-Frisian gehören zum Unternehmen, das sich den Prinzipien des ökologischen Landbaus verschrieben hat. Die Tiere werden in einem "Außenklimastall" gehalten, in dem sie sich frei bewegen können, jede Kuh ihre eigene Box mit Strohunterlage hat und nur Futter aus Eigenanbau verfüttert wird.


Es schmeckt. :-)


Ein Reinigungsroboter bei der Arbeit.



Wellness für die Milchkuh (die Bürsten drehen automatisch).

Auch der Hausherr war zugegen.

Der Tagesplan einer Milchkuh auf dem Landgut Nemt.
Übrigens: Was macht so eine Milchkuh eigentlich den ganzen Tag lang? Die Mitarbeiter hier vor Ort haben beobachtet und gerechnet:

Liegen: 14,4 h = 60 %
Fressen: 4,5 h = 18 %
Melken: 2,8 h = 12 %
Sozialkontakte, Stehen, Laufen: 1,7 h = 7 %
Saufen: 0,6 h = 3 %

Und was frisst eine Milchkuh hier auf dem Hof am Tag?

Maissilage: 21 kg
Gras-/Luzernesilage: 16 kg
Rapsextraktionsschrot: 5 kg
Biertreber: 4 kg
Zuckerrüben-Schnitzel: 4 kg
Körnermais: 3,5 kg
Feuchtmais: 2 kg
Stroh: 0,5 kg
Mineralfutter: 0,15 kg
Viehsalz: 0,1 kg
Futterkalk: 0,1 kg

= 56,35 kg

Eines der drei Blockheizkraftwerke oberhalb der Biogasanlage.

Was kennzeichnet den ökologischen Landbau?

Der ökologische Landbau ist charakterisiert durch ein weitgehend geschlossenes Betriebssystem - im Idealfall eine Kreislaufwirtschaft. Unter Beachtung der Fruchtfolge werden sowohl Marktfrüchte als auch Feldfutter angebaut, letzteres als Grundlage für eine flächenangepasste Tierhaltung. Die zentralen Ziele der Ökolandwirte sind die Erzeugung gesunder Lebensmittel, das Erhalten der Bodenfruchtbarkeit und der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen Boden, Wasser und Luft. Die diversen Richtlinien der verschiedenen Anbauverbände und der Europäischen Union legen eindeutige und verbindliche Vorgaben für Pflanzenbau und Tierhaltung fest. So ist etwa der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln und leicht löslichen Mineraldüngern verboten; in der Viehhaltung gibt es Beschränkungen für die Anzahl der Tiere und den Zukauf von Futtermitteln.

Die EU fördert diese Form der Agrarproduktion neben ihren zahlreichen positiven Umweltleistungen unter anderem deshalb, weil ihr Ertrag im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft geringer ausfällt und deshalb Überschüsse ohne Betriebsschließungen reduziert werden sollen. Dass Landwirte vielfach von den Erträgen ihrer - im Vergleich - teureren Bio-Produkte nicht mehr leben können und deshalb den Schritt zurück zur herkömmlichen Bewirtschaftung gehen, wird leider zu selten thematisiert. Ein Beispiel dieser Politik ist im Übrigen die Milchgut Nemt KG selbst.
"Das Milchgut Nemt wurde zunächst als Einzelunternehmen von Rene Döbelt geführt, bevor es im Jahr 2011 in einer KG neu firmiert wurde. Die Geschäftsführung liegt weiterhin bei Rene Döbelt. Wichtige Schritte in der Unternehmensentwicklung waren der Neubau eines Boxenlaufstalles mit 480 Plätzen im Jahr 1994 und 1999 dessen Erweiterung auf insgesamt 600 Plätze.

Einen Einschnitt bedeutete die 2002 getroffene Entscheidung, Flächen und Tierhaltung des Unternehmens aufzuspalten: das Milchgut Nemt und die Ackerbau Nemt Rene Döbelt. Grund dafür war, dass die ökologische Milcherzeugung wirtschaftlich nicht länger tragbar war - es ließ sich kein Abnehmer für Bio-Milch finden, der einen angemessenen Aufpreis für die ökologische Qualität bezahlt hätte."
(Quelle: Landgut Nemt)
Direkte und indirekte Maßnahmen im ökologischen Landbau:
  • die Nährstoffversorgung der Pflanzen erfolgt durch Wirtschaftsdünger, Leguminosen (Hülsenfrüchte, z.B. Luzerne, zur Stickstoffanreicherung) und die Mobilisierung von Bodenvorräten;
  • Integration von Zwischenfrüchten und Untersaaten in die Fruchtfolge;
  • schonende Bodenbearbeitung;
  • gesamtbetriebliche Nährstoffbilanzen von Viehhaltung und Pflanzenbau;
  • indirekte Unkrautregulierung auf natürlichem Weg durch z.B. abwechslungsreiche Fruchtfolgen und zwischenartliche Konkurrenzeffekte;
  • direkte Unkrautkontrolle durch mechanische und thermische Behandlung;
  • indirekter Pflanzenschutz durch Fruchtfolge, Artenvielfalt, Sortenresistenz und Qualität des Saatgutes;
  • direkter Pflanzenschutz durch nicht-chemische Pflegemittel, physikalische Saatgutbehandlung und biologische Schädlingsbekämpfung;
  • ökologisch orientierte Landschaftsgestaltung durch Hecken, Feldgehölze und Obstwiesen.
Die Nutzung natürlicher Prozesse ist das Hauptmerkmal, das Verständnis für die Abhängigkeit der Einzelkomponenten die Grundlage des Betriebserfolgs. Der Bauer arbeitet im ökologischen Landbau überwiegend mit den ihm vor Ort zur Verfügung stehenden Ressourcen und versucht als guter Manager den Spagat zwischen wirtschaftlichem Gewinn und nachhaltiger Lebensweise. Hier auf dem Landgut Nemt ist die Menge gehaltener Milchkühe klar durch das zur Verfügung stehende - auf dem eigenen Land angebaute - Futter beschränkt. Genauso verhält es sich mit der Biogasanlage auf dem Gelände. Zum Erreichen des maximalen Wirkungsgrades ist ein bestimmtes Verhältnis aus Flüssig- und Feststoffen einzuhalten. Die Milchkühe liefern den Flüssiganteil, Stroh und Mais den Feststoffanteil.

Auch der Düngemitteleinsatz wird durch das eigene Vieh beschränkt. Es können also nur so viele Feldfrüchte innerhalb der Fruchtfolge angebaut werden, wie Stallmist vorhanden ist. Ein cleverer Artenmix mit den o.g. Leguminosen bewirkt durch deren Stickstoffbindevermögen einen zusätzlichen natürlichen Düngeeffekt.

Um die Feldfrüchte vor Schädlingsbefall zu schützen, muss der Ökolandwirt die Ursachen für selbigen kennen - und vermeiden. Das impliziert folgende Maßnahmen:
  • manuelle Unkrautentfernung;
  • häufiger Kulturwechsel, damit Schädlinge aufgrund der gestörten Generationsfolge nur geringe Verbreitungschancen haben;
  • keine Überdüngung;
  • Verwendung gesunden Saatgutes (ohne Pilzbefall etc.);
  • optimale Wachstumsbedingungen für die Feldfrüchte schaffen - z.B. standortangepasste Sortenwahl, Abstände, Exposition;
  • Förderung einer abwechslungsreichen Agrarlandschaft - Schaffung von Biotopen für Nützlinge wie Marienkäfer oder Schlupfwespen.
[Quelle: Vergleich zwischen integrierter und ökologischer Landwirtschaft, PDF]

Das Landgut Nemt produziert seine Waren an zwei benachbarten Standorten - am Milchgut in Nemt und an der Hofbäckerei / Hofmolkerei in Dehnitz.

Der Rundgang führte uns durch die Stallungen, hinauf zur Biogasanlage mit 1 MW Leistung und vorbei an "Öko-Hopseburg", Bauernmarkt und Ponyreiten zurück zu den Fahrrädern.








Die Jugend posiert schon wie zukünftige Hofbesitzer.




Wir rollten weiter nach Dehnitz, um uns dort Bäckerei und Molkerei genauer anzuschauen ... und um in der Sonne einen Sonntagskaffee mit Kuchenstück zu geniessen. Es gab im Hof u.a. ein Schau-Käsen zu besichtigen, eine Bienenkönigin zu suchen, die Verpackungsanlagen für die auch auf unserem Frühstückstisch stehende Milch in Augenschein zu nehmen, Live-Musik zu hören und, und, und.




Wo ist die Königin?








Der Geschäftsführer der Landgut Nemt GmbH: Karsten Döbelt.

"Was wäre diese Welt ohne Mi(l)ch"?

Der Familienbetrieb und seine Mitarbeiter haben für einen gelungenen Tag gesorgt. Wir kommen gerne wieder - schon bei der nächsten Tour entlang des Muldentalbahnradweges.

Sie haben jetzt Lust bekommen auf Kostproben aus Nemt und Dehnitz?

Hier werden die Hofprodukte verkauft: Anbieterliste als PDF

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Landgut Nemt

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