Samstag, 11. April 2015

22. Löwen-Gesundheitslauf

Nach einem Jahr sind wir wieder im Schloßpark Dahlen - als Teilnehmer am traditionellen Frühjahrslauf des Löwen-Gesundheits-Clubs e.V. 49 Starter, darunter 14 Frauen und 5 eifrige Bambinis, haben sich eingefunden für eine kurze Runde um den Teich, die 6 km oder die 10 km. Als Vorbereitung auf unser großes Event am übernächsten Sonntag wollen wir diesen Termin nutzen, um den Körper außerhalb der Trainingsintervalle auf Hochtouren zu bringen und die Wettkampfhärte zu testen.

Harry Beck, der Organisator.

Gleich starten...

...die hochmotivierten...

...und superschnellen...

...Bambinis...

...zur Runde...

...um...

...den...

...Teich.

Der junge Mann führte nur kurzzeitig. :-))

Ich habe nach dem Lauf der Kleinen gerade noch Zeit, die Kamera beiseite zu legen, schon ertönt 10.02 Uhr unüberhörbar Harry Becks Vuvuzela. Zuerst wird eine Runde durch den Park absolviert, anschließend verlassen wir selbigen mit Querung der Dahle in Richtung Dahlener Heide. Die Strecke ist halbwegs gut markiert, Neulinge dürfen trotzdem ihre Augen an Weggabelungen nicht vom Boden abweichen lassen. Nach zwei Kilometern wechsle ich von Position 5 auf 4, vor mir ein dem Outfit nach Triathlet in den mittleren Zwanzigern, der schon aus 2014 bekannte Bergläufer und ein unbekannter, nun ja, Rücken. Etwa nach zwanzig Minuten, mein Puls hat gerade die 200er-Schwelle unterschritten, befinden wir vier uns auf dem höchsten Abschnitt dieser 10 km-Runde. Soll heißen, die meisten Höhenmeter liegen hinter, ein leicht welliger Teil vor uns. Es gilt, eine Entscheidung zu treffen: Erneut Platz vier belegen (denn hinter mir ist niemand in Sichtweite) oder die minimal schnellere Pace für einen Überholvorgang nutzen?



Buschwindröschen noch und nöcher.


Im Grenzbereich der eigenen Leistungsfähigkeit fällt jede Entscheidung pro Entspannung unendlich leichter als die gegenteilige Variante. "Komfortzone nur kurzzeitig verlassen, Platz 4 sicher, entspann dich!"; "Warum quält man sich eigentlich freiwillig?!"; "Der ist eh schneller, das schaffst du nie!"; "Kann ich noch mehr?" - alles Fragen, die mir durch den Kopf schießen, während meine Beine wie automatisch nach links ausscheren und auf den dritten Platz streben. Ja! Ich passiere den Pumpenteich, der Abstand zu meinem Verfolger wächst zögerlich. Das kann ich allerdings nur bedingt würdigen, weil ich noch Zweifel habe, das Tempo auf der zweiten Hälfte halten zu können. Vorbei am Waldteich, kurzer Anstieg, Linkskurve, am Ortseingang von Schmannewitz verlasse ich den Radweg und folge dem Verlauf der Dahle. Neben dem Mühlteich hat ein Fotograf seinen Posten bezogen, ich bemühe die Gesichtszüge für einen Augenklick zu einer menschenwürdigen Erscheinung. 1,8 km verbleiben und ich kann nichts mehr zusetzen. Würde man mich überholen, die Gegenwehr wäre gleich null. Der zweite Platz hat 33 Sekunden Vorsprung - eine Ewigkeit.


Zurück im Schloßpark wage ich noch immer keine Kopfdrehung, zu groß ist die Angst, auf den letzten Metern abgefangen zu werden. Mit einem Mal dringen Laute aus dem Zielbereich an meine Ohren, es ist gleich geschafft. Vor der großen Trauerweide abbiegen, bloß noch 70 Meter. Die Stoppuhr bleibt bei 40:49 min stehen, mein erstes Podium wurde gerettet erlaufen.


Der Puls fällt schnell in den Normalbereich, 7.500-mal hat mein Herz im Durchschnitt der vergangenen 40 Minuten geschlagen. Ich greife erst zum Becher mit Tee und anschließend zur Kamera, erwarte die Gewinnerin der Damenwertung; sehr gute 48:22 min wird sie benötigen und hier souverän siegen.


Auf dem Heimweg mit Rennrad habe ich ab 12 Uhr viel Zeit, über diesen Vormittag nachzudenken. Meine Abneigung gegenüber Wettkämpfen beruht(e) auf Annahmen, die von mir heute als eher zweitrangig angesehen werden. Denn was primär zählt, ist die Ausschöpfung des eigenen Potenzials. Ob das im Rahmen von Wettbewerben geschieht und mit Preisen belohnt wird, ob das im ganz Privaten mit einer glücklichen Familie seine Krönung findet, ob das im Job mit großer Verantwortung gipfelt - völlig egal. Hauptsache, du kannst am Ende von dir behaupten, ein gleichsam gutes wie deinen Möglichkeiten entsprochenes Leben geführt zu haben.


Die Strecke

Keine Kommentare: