Donnerstag, 21. Mai 2015

Der Wiedehopf (Upupa epops)

"Upupup-upupup-upupup" - wer jetzt draußen in Feld und Flur diesen Ruf vernimmt, darf sich glücklich schätzen, denn er befindet sich höchstwahrscheinlich im Revier des Wiedehopfes, einer in Deutschland vom Aussterben bedrohten Vogelart.

So klingt sein Ruf:


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Schon 1976 machte der NABU auf den unverwechselbaren, etwa drosselgroßen (25-29 cm, davon 4-5 cm Schnabel) Vertreter der Rackenvögel aufmerksam, dessen markantestes Zeichen die große aufrichtbare Federhaube auf dem Kopf darstellt. Weiters fallen das
- orangebraune Gefieder,
- der dünne, lange und leicht abwärts gebogene Schnabel,
- seine breiten, runden, schwarz-weiß gebänderten Flügel,
- der schwarze Fächerschwanz auf.

Im Flug bleibt er relativ niedrig über dem Boden, dabei vollführt er zahlreiche Schwenks und kleine Bögen.

Als Bewohner offener Landschaften mit Viehweiden, locker bewachsenem Brachland, alten Bäumen und lichten Wäldern sowie Obstplantagen, Weinbergen, Parks und Gärten scheint der Wiedehopf auf den ersten Blick wenig anspruchsvoll zu sein. Doch der Eindruck täuscht, denn um ausreichend Nahrung und Nistmöglichkeiten zu finden, bedarf es intakter, vom Menschen nur wenig veränderter Artengemeinschaften. Öde Agrarwüsten bieten keinen Unterschlupf, noch weniger Nahrung; regelmäßig mit Pestiziden behandelte Plantagen sind ebenfalls artenarm. Aber dort, wo alte Bäume stehen bleiben dürfen, wo sich Hecken-, Busch- und Gehölzstreifen, Wiesen, Felder abwechseln, dort kann man mit etwas Glück den markanten Ruf vernehmen.

Ein Wiedehopf, aufgenommen am 14. Mai 2015 in der Nähe des Collms.

Der Wiedehopf bevorzugt warmtrockene Habitate und profitiert insofern vom Klimawandel, als dass in dessen Folge auch im mitteldeutschen Raum die Jahresdurchschnittstemperaturen stetig nach oben zeigen. Wir registrieren seit über 15 Jahren vermehrt heiße Sommer und milde, feuchte Winter. Die Niederschläge fallen häufiger in Kombination mit unwetterartigen Starkregen- oder Hagelereignissen, die Vegetationsperiode verlängert sich, sie beginnt früher und endet später. Von Ende April bis in den Juli (Zweitbrut) werden in einem Astloch, unter Dächern oder in Erdlöchern (Höhlenbrüter) 6 bis 10 grünlichgraue Eier abgelegt, die vom Weibchen allein ausgebrütet werden. Nach 23 bis 25 Tagen verlassen die Jungen das Nest.

Niedriger "Schmetterlingsflug" des Wiedehopfs.
Solange wir im deutschen Winter noch Temperaturen unter 5 Grad Celsius haben, zieht der Wiedehopf von Ende Juli/Mitte September bis Anfang April nach Afrika in Gebiete südlich der Sahara.

Man schätzt den Bestand der streng geschützten Art hierzulande auf 310 bis 460 Paare. Wollen wir weiterhin eine im wahrsten Sinne des Wortes bunte Landschaft um uns haben, müssen wir uns für den Erhalt von Streuobstwiesen, extensiv genutzter Weiden und Wiesen, alter Bauerngehöfte, Brachflächen und gegen eine Intensivierung der Landwirtschaft, hohen Einsatz von Dünger und Pestiziden sowie das Verschwinden von Feldgehölzen einsetzen.

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