Sonntag, 9. August 2015

ITU World Triathlon Hamburg 2015

Was für ein Dreck! Keinen Kilometer müssen wir in Hannover die Autobahn verlassen, aber hier ist alles dicht. Vier Fahrspuren und nichts bewegt sich. Ich bin drauf und dran, die zwei Mitfahrer mitten im Verkehr abzusetzen, allein die nächste Wendeoption ist ja schon der geplante Ausstiegspunkt - eine Tankstelle. Raus und weg. Wenn ich eines mit diesen Mitfahrgelegenheiten bisher gelernt habe, dann, dass man nicht in Großstädte fährt. Und heute, an einem Freitag im Feierabendverkehr, schon gar nicht.

2009 - ganze sechs Jahre liegt meine Triathlonpremiere zurück. Nach zwei Schwimmkursen von Winter 2014 bis Sommer 2015 und dem Erlernen der Kraulbasics ging ich etwas zuversichtlicher in die Entscheidungsfindung pro/contra Hamburg. K. bekam das Angebot, zwei Startplätze im regelmäßig bereits kurz nach der Freischaltung schon ausverkauften Starterfeld des weltweit größten Triathlons (gemessen an Teilnehmern + Zuschauern) zu erhalten. Ich rede ihr zu, denn einerseits wird das bestimmt ein nettes Abenteuer und andererseits steht die Hansestadt auf unserer Reisewunschliste.

18.15 Uhr parken wir in der Altstädter Straße, zu Fuß weist uns das GPS den Weg zum Gänsemarkt, wo man an diesem 17. Juli noch bis 19.30 Uhr seine Startunterlagen in Empfang nehmen kann. Geschafft. Jetzt wäre ein Bummel zur Binnenalster nett, doch wir wollen lieber im Quartier einchecken und alsbald bei Veggie-Burgern im Jey's den Tag gemütlich ausklingen lassen. Tatsächlich wird es später am Tisch trotz Cocktail-Happy-Hour sehr ernst, muss der Autor sein verdammtes Schneckenhaus verlassen.

Das ist ein Rennen, kein Spaziergang!

Maximal sieben Stunden Schlaf haben wir erhalten, in den frühen Morgenstunden weckt uns der Regen, welcher draußen vor dem Fenster im EG auf Straße und Autodächer fällt.
Die Räder werden im Hinterhof eingeweicht - hoffentlich bleibt uns das gleiche Schicksal ab 8 Uhr außerhalb der Alster erspart. Beim Frühstück in der - nennen wir es alternativ - eingerichteten Küche eines Lesbenpärchens im Stadtteil Eimsbüttel leeren sich die Müslischüsseln schnell, bange Blicke gelten dem Regenradar.


Einer von unzähligen Startblöcken ist im Wasser.

Der Schwimmausstieg am...

...Rathausmarkt.

Ich lasse mich gern von den jeweiligen Umständen zum Improvisieren inspirieren und betrachte dies gleichsam als private Challenge. In einer Beziehung oder in der Gruppe übernehme ich jedoch gern die Rolle des Guides, recherchiere im Vorfeld interessante Ausflugsziele, klicke GPS-Tracks durch fremde Städte oder tiefe Wälder. Es ist schön, anderen damit eine Freude zu bereiten und, zugegeben, eine Optimierung des eigenen Zeitbudgets hat durchaus Vorteile. ;-)
So präpariert können wir während der kurzen Radfahrt zum Ballindamm sogar noch einem einheimischen Teilnehmer den kürzesten Weg weisen.

Wenn der Start um 9.32 Uhr geplant ist, reicht es, kurz vor 9 in die Wechselzone einzuchecken. Sage ich und suche verzweifelt nach einem freien Platz im Block E. Mindestens zwei müssen für uns noch übrig sein, das Problem ist nur, dass die Haltestangen der Bikes frei belegt werden können. Jeder Platz hat eine Nummer, doch diese Nummern korrelieren nicht mit der eigenen Startnummer, dienen vielmehr nur zur Orientierung. Ob es Vorteile hat, als Paar keine zwei benachbarten Wechselplätze zu finden? Später mehr.

Nur mit Badehose bekleidet laufe ich unter einem noch ziemlich grauen Hamburger Morgenhimmel zum Startbereich am Jungfernstieg. Was sich komisch anfühlt, wird im Beisein Hunderter modisch ähnlich flanierender Hobbysportler schnell relativiert. Neoprenanzüge haben wir keine dabei, die Wassertemperatur auf der Schwimmstrecke beträgt knapp über 20 °C. In der Warm-up-Zone hampeln 170 Starter aus Block E etwas ungelenk zu AC/DC-Klängen herum, werden schließlich mit Eminem ans Ufer verabschiedet.
So direkt am Wasser, eine Minute vor Start, wird die Anspannung greifbar. Ein Kuss für meine härteste Konkurrentin, ein Blick zur Wendeboje, hinein ins trübe Wasser.


Ein jeder wartet auf?



Jeder altert auf seine Weise.


Papa ist der Größte.

Wir absolvieren eine Sprintdistanz: 500 m Schwimmen, 22 km Rad und 5 km Lauf gilt es zu bewältigen. Die Simulation eines Schwimmwettkampfs gestaltete sich im Winterkurs dergestalt, dass sich 8 Menschen auf einer Bahn drängelten und auf Kommando des Kursleiters 25 Meter mit Maximaltempo zurücklegten. "Beine festhalten! Kratzen! Beißen! Treten!", so lauteten die Anweisungen, pardon, so lauteten Maiks persönliche Wettkampferfahrungen. Hier in der Alster bleibt es zahm, man tritt mir gegen die rechte Hand, die Finger werden überstreckt, ansonsten keine besonderen Vorkommnisse. Gekrault bin ich Kurzstrecke, Brustschwimmen lässt das Ziel ebenfalls erreichen. Na ja, umdrehen will ich mich nicht, als die Helfer einen am Rathausmarkt aus der Kleinen Alster zerren. Die nächsten 500 Meter zum Fahrrad verfliegen schneller, weitere 300 Meter muss man bis zum Beginn der Radstrecke auf dem Glockengiesserwall laufend zurücklegen. Jetzt endlich beginnt mein Wettkampf. Man staunt nicht schlecht, was sich auf die Radstrecke wagt, neben den obligatorischen Vollkarbonbretzeln kommt man nämlich auch an Hamburger Cityrädern vorbei - Mietdrahteseln, die an unzähligen Stellen im Stadtgebiet auf Einheimische und Touristen warten. Auf dem Lenker liegend zählen die Kilometer herunter, ich jage einen Orca an Land mit 38 bis 40 Stundenkilometern. Fast ist die Wendemarke erreicht, noch immer fehlt vom Raubtier jede Spur. Bah, hat das Mädel mir im Wasser viel Zeit abgenommen...

Speicherstadt.



Hafencity.




Fertigstellung 2017?



Leben in Hamburg.

Landungsbrücken.




Einen Klaps auf ihren ** später absolviere ich den U-Turn, dezent erleichtert geht es zurück zur Wechselzone. Rechts fällt der Blick des Öfteren unverbaut auf das Hafenareal, abschüssige Partien verbessern meine Pace. Überholt werde ich innerhalb der 38 Minuten nur einmal - der Junge auf dem schwarzen Kunststoffrad benötigte schlappe 2 Minuten weniger. Material ist nicht alles, zuerst muss der eigene Motor perfekt in Form gebracht werden. Direkt nach ihm steige ich ab, die Wechselzone ist voll mit Athleten. So, noch eine Disziplin: Laufen. 200 Meter zurück zum Jungfernstieg, gegen den Uhrzeigersinn rund um die Binnenalster und nach Zickzack-Intermezzo am Westufer auf dem Rathausmarkt sicher ins Ziel kommen. Easy. Ich schaue, wieder auf Höhe der Hapag-Lloyd-Niederlassung angelangt, nach rechts in den Wechselbereich: (M)Ein Orca ist laufbereit. Das sind Momente, da bereut man(n), Derartiges ohne ernsthafte Vorbereitung durchzuziehen. Sie macht es und wird stetig besser, ich habe keine Lust auf banale Trainingseinheiten, will trotzdem besser werden. Das eine ohne das andere ist nicht zu haben - genauso wenig wie freie Großstadtstraßen zum Feierabend.

ITU Elite Women.



Hamburger StadtRÄDER.



ITU Elite Men.









Abendessen im Slim Jims. EMPFEHLENSWERT!



Sonntagsbrunch in St. Pauli.

Hafenrundfahrt






Ankunft auf Finkenwerder.










Planten un Blomen.

Ehem. Verwaltungsgebäude eines Kohlekraftwerkes.

Dito.

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