Sebastião Salgado erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Es ist eine hochpolitische und längst überfällige Entscheidung.
Er war jahrzehntelang mit seiner Kamera dort unterwegs, wo man es vor Schmerz und Leid kaum aushalten kann: der Genozid in Ruanda, brennende Ölquellen während der Irakkriege, auf dem Balkan, in Syrien, bei Flüchtlingen und ihren lebensgefährlichen "Reisen", in Gold- und Diamantenminen.
Stets galt sein Blick dem Menschen. Salgado versucht, uns in seinen Monumentalwerken "Migranten" oder "Exodus" auf der Suche nach uns selbst an die Hand zu nehmen. Sind wir das? Was geschieht da? Warum? Fragen, die bei seinen episch exakten Schwarz-Weiß-Fotos unwillkürlich im Betrachter aufflammen.
Doch Antworten hat der Fotograf keine gefunden, nur persönliche Verzweiflung ob der sehr beschränkten Fähigkeit des Menschen, sich zum Besseren zu ändern. Er widmete sich fortan der Naturfotografie und zeigte der Welt in "Genesis" Landschaften so, wie sie noch keiner gesehen hat. Majestätisch, kraftvoll. Seine "Hommage an die Natur" lebt er täglich, denn auf dem ausgelaugten Farmland seiner Eltern in Brasilien konnten bis heute schon mehr als 2,5 Mio. Bäume angepflanzt werden. Es ist sein Weg, um den vielen negativen, von Tod und Verderben geprägten Erinnerungen mit Neuem, mit Hoffnungsvollem zu begegnen.
Meine Rezension zu Wim Wenders Porträt von Sebastião Salgado aus dem Jahr 2014 - Das Salz der Erde.
Das Salz der Erde (2014)
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