Sebastião Salgado erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Es ist eine hochpolitische und längst überfällige Entscheidung.
Er war jahrzehntelang mit seiner Kamera dort unterwegs, wo man es vor Schmerz und Leid kaum aushalten kann: der Genozid in Ruanda, brennende Ölquellen während der Irakkriege, auf dem Balkan, in Syrien, bei Flüchtlingen und ihren lebensgefährlichen "Reisen", in Gold- und Diamantenminen.
Stets galt sein Blick dem Menschen. Salgado versucht, uns in seinen Monumentalwerken "Migranten" oder "Exodus" auf der Suche nach uns selbst an die Hand zu nehmen. Sind wir das? Was geschieht da? Warum? Fragen, die bei seinen episch exakten Schwarz-Weiß-Fotos unwillkürlich im Betrachter aufflammen.
Doch Antworten hat der Fotograf keine gefunden, nur persönliche Verzweiflung ob der sehr beschränkten Fähigkeit des Menschen, sich zum Besseren zu ändern. Er widmete sich fortan der Naturfotografie und zeigte der Welt in "Genesis" Landschaften so, wie sie noch keiner gesehen hat. Majestätisch, kraftvoll. Seine "Hommage an die Natur" lebt er täglich, denn auf dem ausgelaugten Farmland seiner Eltern in Brasilien konnten bis heute schon mehr als 2,5 Mio. Bäume angepflanzt werden. Es ist sein Weg, um den vielen negativen, von Tod und Verderben geprägten Erinnerungen mit Neuem, mit Hoffnungsvollem zu begegnen.
Meine Rezension zu Wim Wenders Porträt von Sebastião Salgado aus dem Jahr 2014 - Das Salz der Erde.
Das Salz der Erde (2014)
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Montag, 21. Oktober 2019
Mittwoch, 8. August 2018
Ein Besuch im Klimacamp Leipziger Land 2018
Moment, ein junger Berliner, der in Neukieritzsch aussteigen will? Entweder der hat sich total verfahren oder, ja, oder der will zum Klimacamp nach Pödelwitz.
Dienstag, 20. Oktober 2015
In den Zillertaler Alpen
Die Sommertour gen Süden verläuft erneut problemlos, nette Mitfahrer bereichern die trögen Autobahnstunden. Mareile kommt dank uns zur Hochzeit einer ehemaligen WG-Mitbewohnerin in Wiesau, Chris spart sich die Bahnkosten und reist bis Weiden i. d. Oberpfalz, Diana erzählt auf dem Weg zur Allianz Arena vom Glück, ein Haus in München zu bewohnen sowie von Roms Reizen im Sommer. Im Chiemgau, unserem Zwischenstopp für eine Nacht, werden wir herzlich empfangen. Kaffee und Kuchen im Kreise der Bauernfamilie auf urigen Sitzmöbeln vor diesem alten Haus mit Blick auf die Hochries - fast scheint es, als wären wir kein Jahr lang weggeblieben. Ich lehne mich zurück und sauge den Moment ein, will das Leben mit seinen positiven Seiten bewusster wahrnehmen und seltener durch dessen negative in machtloses Erstarren abgleiten.
Gestärkt von Zitronenkuchen und Stracciatella-Eis leisten wir dem Tipp der Hausherren zu einem Spaziergang durch die Samerberger Filze Folge - einem Feuchtgebiet, das sich am Fuße der Chiemgauer Alpen auf tonigen Schichten im Zuge der nacheiszeitlichen Massenbewegungen bildete. Die Gewitter des Tages schaffen es nicht herüber, bleiben vielmehr hinter dem Kaisergebirge hängen und bescheren uns somit einen Einstand nach Maß im Alpenraum. Das Wasser des Naturbades Samerberg wird von zwei parallel arbeitenden natürlichen Systemen permanent gereinigt: Eine Pflanzenkläranlage bindet überschüssige Nährstoffe, ein begrünter Kiesel-Kohlefilter sorgt für die Entfernung von Schmutz und Keimen.

Themen:
Alpen,
Klimawandel,
Reiseberichte
Dienstag, 2. Dezember 2014
Türchen 2 | Adventskalender 2014
"Dezember dunkel und nicht sonnenklar
verheißt ein gutes, ein fruchtbar Jahr."
Gestern ist sie gestartet, die UN-Klimakonferenz in Lima. Bis zum 12. Dezember tagen in der peruanischen Hauptstadt nun die Vertreter der Staaten mit dem Ziel, ein neues Klimaabkommen im nächsten Jahr in Paris verabschieden zu können. In den kommenden zwei Wochen werden rechtliche Grundlagen, Maßnahmen zum Klimaschutz sowie konsensfähige Ziele auf Basis vergleichbarer Bezugsgrößen der verschiedenen Länder diskutiert und so hoffentlich einige der Hürden von Kopenhagen aus dem Weg geräumt - um ein erneutes Scheitern 2015 in Paris auszuschließen. Verbindliche Reduktionsziele der globalen Treibhausgasemissionen müssen möglichst rasch beschlossen werden, denn die menschengemachte Erwärmung der Erde mit schon heute spürbaren Implikationen muss auf ein Minimum begrenzt werden. Am 5. Dezember wird das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) den Emissions Gap Report 2014 veröffentlichen, indem zum vierten Mal in Folge die Lücke zwischen den von der Staatengemeinschaft bis dato zugesagten Emissionsminderungen und denen, die nötig wären, um die Erderwärmung auf maximal 2 °C bis zum Ende des Jahrhunderts zu begrenzen, deutlich wird.
Samstag, 4. Oktober 2014
Greenpeace Ice Ride 2014 - Radeln für den Schutz der Arktis
Die Ausdehnung des arktischen Meereises befindet sich seit Jahren auf einem Abwärtstrend. Hauptursachen hierfür sind steigende globale Durchschnittstemperaturen aufgrund des anthropogenen Treibhauseffekts und dadurch ausgelöste zahlreiche Rückkopplungseffekte, bspw. durch veränderte Albedowerte des Arktischen Ozeans.
Nach Überschreiten des Kipppunktes in der Westantarktis im Frühjahr drohen ähnliche Szenarien sowohl für das grönländische Inlandeis als auch für das arktische Meereis - mit verheerenden Auswirkungen auf die Ökosysteme der Polarregionen, den weltweiten Meeresspiegel, die Thermohaline Atlantikzirkulation und die atmosphärische Zirkulation (Stichwort Hurrikan Sandy).
Ich, Sie, wir alle tragen einen Teil zum Klimawandel bei. Ich, Sie, wir alle können diesen Anteil verringern.
Juli-Mittelwerte der Meereisausdehnung in der Arktis im Zeitraum der Jahre 1972 bis 2014. Die graue Trendlinie zeigt den deutlichen Rückgang der Meereis-Fläche. Quelle: Alfred-Wegener-Institut/Universität Bremen |
Nach Überschreiten des Kipppunktes in der Westantarktis im Frühjahr drohen ähnliche Szenarien sowohl für das grönländische Inlandeis als auch für das arktische Meereis - mit verheerenden Auswirkungen auf die Ökosysteme der Polarregionen, den weltweiten Meeresspiegel, die Thermohaline Atlantikzirkulation und die atmosphärische Zirkulation (Stichwort Hurrikan Sandy).
Themen:
Arktis,
Klimawandel,
Nachhaltigkeit,
Naturschutz,
Planet Erde
Mittwoch, 7. Dezember 2011
Wo der Weihnachtsmann wohnt
Jetzt, so zwischen Nikolaus und Heiligabend, zwischen Durban und Brüssel, zwischen Ratingagenturen und neuen Kohlekraftwerken, ist die beste Zeit, sich zu besinnen und das Wichtige vom Unwichtigen, das Essentielle vom Belanglosen, das Gemurmel von der klaren Stimme zu trennen.
Eine klare Stimme wird auch ihm zugeschrieben. Und irgendwo im Norden, in einer Welt voller Eis, Schnee und Kälte soll er leben - der Weihnachtsmann. Generationen von Kindern haben am warmen Ofenfeuer und auf dem Schoß der Großmutter sitzend die Geschichten vom nordischen Single und seinen Rentieren vernommen und sich dann später - merklich eingeschüchtert - diesem weißbärtigen Gesellen zum Rapport vor dem Weihnachtsbaum gestellt.
Eine Rute hatte er dabei, ein Gedicht musste man aufsagen - bei gnädigen Weihnachtsmännern wurde man dieser Pflicht entbunden und bekam sogleich Zugriff auf den Sackinhalt -, doch die Zweifel am Mann unter dem Mantel wuchsen mit jedem Lebensjahr. Es war, es ist ein Mythos, der Gott sei Dank bis in unsere Tage überdauert hat. Aber wir Kinder von damals müssen uns heute neben der Erkenntnis, damals Opa oder Onkel auf den Leim gegangen zu sein, auch weniger amüsanten Tatsachen stellen.
Klimawandel in den Polargebieten
Die Polargebiete der Erde sind geographisch durch ihre Lage nördlich bzw. südlich des Polarkreises gekennzeichnet. Zwischen Polarkreis und Pol nimmt die zur Verfügung stehende Energiemenge im Vergleich zum Äquator um 40 bis 50 Prozent ab. Dies ist der Hauptgrund, weshalb bei den gegenwärtigen Diskussionen um den anthropogenen Klimawandel klimatische Veränderungen in den Polargebieten als Indikatoren besondere Bedeutung besitzen.
Grundsätzlich hängt unser Klima von 3 Faktoren ab:
* Kurzwellige Einstrahlung
* Planetarisches Albedo
* Zusammensetzung der Atmosphäre (anthropogener + natürlicher Treibhauseffekt)
Der IPCC schätzt die Anteile dieser drei Faktoren wie folgt ein:
* Solarkonstante: + 0,12 W/m²
* Albedo: Je nach Quelle verschiedene Meinungen. Die UNEP rechnet mit 2,4 Millionen weniger Toten bis 2040 und einer Verringerung der Klimaerwärmung in der Arktis um 0,7 °C durch Reduktion des emittierten Aerosolanteils.
Der IPCC hingegen spricht schon jetzt von einem (hauptsächlich auf der Wirkung von Kondensationskeimen beruhenden) Energiedefizit von 1,2 W/m².
* anthropogener Treibhauseffekt: + 0,6 bis + 2,4 W/m² | natürlicher Treibhauseffekt: + 3 W/m²
Wie sich die genannten Faktoren nun konkret auf die Polargebiete auswirken, wird unter anderem von den Meeresströmungen (Golfstrom --> Thermohaline Zirkulation), der Arktischen Oszillation, der Antarktischen Oszillation und zahlreichen Rückkopplungseffekten bestimmt.
Aber fest steht: Es wird wärmer, das Eis schwindet und der Meeresspiegel steigt.
Tipping Points
Aus Eisbohrkernen hat man gelernt, dass sich terrestrische Ökosysteme u.a. während der letzten Kaltzeit innerhalb kürzester Zeit (wenige Jahrzehnte) verändern können. Werden demnach bestimme Schwellenwerte (im folgenden für die arktischen Gebiete kurz aufgeführt) überschritten, sind rapide Klimaänderungen unausweichlich.
Arktis:
* Menge arktischen Meereises (bereits gekippt)
* Ozonloch (bereits gekippt?)
* Grönländischer Eisschild
* Tiefenwasserbildung
* Methanausgasung
Antarktis:
* Ozonloch (bereits gekippt)
* Vergletscherung Antarktische Halbinsel
* Westantarktischer Eisschild
* Zentraler Antarktischer Eisschild
* Antarktische Tiefenwasserbildung
Jedoch gilt auch hierfür: Die einen sehen schwarz, die anderen weiß.
Folgen des Klimawandels für terrestrische Ökosysteme der Arktis
Terra bedeutet Erde und mit terrestrischen Ökosystemen setzen wir uns tagtäglich auseinander. Denn wir wechselwirken in ihnen/mit ihnen, haben ihre groben Gesetzmäßigkeiten verstanden, wissen bspw. um den Aufbau und den Informationsgehalt der verschiedenen Bodentypen dieser Welt.
Die Besonderheiten arktischer Böden liegen nun zum einen in ihren überschaubaren Profilen und zum anderen im Vorhandensein von Permafrost. Die Permafrostzone verläuft uneinheitlich um den Globus und grenzt im Süden an die Zone der Borealen Nadelwälder. Uneinheitlich bedeutet, dass man nicht von "dem Permafrost" sprechen kann, sondern zwischen kontinuierlichem, diskontinuierlichem und sporadischem Permafrost unterscheiden muss (Klassifikationsparameter ist die jahreszeitliche Stabilität).
Bei der International Permafrost Association (IPA) findet man neben den gängigen Definitionen gute Informationen zu Prozessen innerhalb dieser Klasse von Böden.
Wird es wärmer, tauen die Böden auf. Daraus resultieren typische, im Landschaftsbild sichtbare morphologische Formen, die an Karstlandschaften erinnern.
Fehlt das bis dato stabilisierend wirkende Eis im Untergrund, geraten Böden in Bewegung (--> Solifluktion) und werden umgelagert. Nährstoffe werden exponiert, erodiert, der Kohlenstoffhaushalt massiv beeinflusst. Die arktischen Böden tauen zwar regional recht unterschiedlich auf (in Abhängigkeit von Vegetationsbedeckung, organischer Auflage und Schneedecke), der Trend zeigt aber in Richtung sich vergrößernde Auftauschichten.
Wie oben bereits angeklungen, kann sich die Landschaft deutlich verändern. Brechen etwa Moränen, können ganze Täler überflutet werden was wiederum mit einer deutlichen Mineralumlagerung einhergeht.
--> Weitere Bilder aus der Permafrostzone <--
Größere Auftauschichten im Sommer bedeuten eine erhöhte Umsetzung mineralischen Kohlenstoffs aus den Böden unter aeroben Bedingungen zu CO2 und Wasser. Die neue Biomasse kann gar Rückkopplungseffekte in Gang setzen und u.a. auch die Bodentemperatur erhöhen.
("For instance, the aforementioned expansion of shrubs and trees has promoted snow accumulation, increased winter soil temperatures, and enhanced soil microbial activity and nutrient mineralization rates, which collectively may further promote shrub growth. Experimental studies also indicate potential atmospheric feedback consequences of vegetation response to warming.")
Nicht zu unterschätzen ist außerdem der Einfluss der Moore auf unser Klima. Denn Moore sind wichtige Kohlenstoffspeicher der arktischen Zone. Tauen sie auf, kommen außerdem anaerobe Zersetzungsvorgänge in Gang, die eine Methanemission zur Folge haben.
("Obwohl Moorböden weltweit auf nur etwa 400 Millionen ha beziehungsweise etwa 3 % der Landoberfläche vorkommen, speichern sie etwa 450 bis 500 Gt (Gigatonnen) Kohlenstoff in Form von Torf in ihren Böden [...] Dieser Kohlenstoffvorrat entspricht etwa einem Drittel der insgesamt in Böden gebundenen Kohlenstoffvorräte, knapp Zweidrittel der in der Atmosphäre vorkommenden Vorräte und etwa Vierfünftel der in der Biomasse der Landpflanzen gebundenen Kohlenstoffvorräte.")
Einen sehr guten Ansatz zur Modellierung verschiedener Kreisläufe (speziell für Kohlenstoff) im Ökosystem Arktis bietet eine Studie (PDF, 44 MB, S. 26ff) des International Arctic Research Centers in Fairbanks.
Und was ist nun mit dem Weihnachtsmann? Tja, auch er wird um die nachweislich stattfindende Klimaerwärmung in der Arktis nicht herumkommen. Wenn seine Rentiere nun jedoch in Zukunft Zwergsträucher anstelle von Flechten zum Fressen bekommen, wird es die Paarhufer am allerwenigsten stören.
Wie wäre es aber mit einem Hinweis auf die o.g. Studien für uns Menschen - versteckt in jedem Geschenk - an Weihnachten? Think global, act local.
In diesem Sinne: Ho-Ho-Ho und schöne Grüße nach Südafrika
PS: Das Klima liebt Finanzkrisen
Eine klare Stimme wird auch ihm zugeschrieben. Und irgendwo im Norden, in einer Welt voller Eis, Schnee und Kälte soll er leben - der Weihnachtsmann. Generationen von Kindern haben am warmen Ofenfeuer und auf dem Schoß der Großmutter sitzend die Geschichten vom nordischen Single und seinen Rentieren vernommen und sich dann später - merklich eingeschüchtert - diesem weißbärtigen Gesellen zum Rapport vor dem Weihnachtsbaum gestellt.
Eine Rute hatte er dabei, ein Gedicht musste man aufsagen - bei gnädigen Weihnachtsmännern wurde man dieser Pflicht entbunden und bekam sogleich Zugriff auf den Sackinhalt -, doch die Zweifel am Mann unter dem Mantel wuchsen mit jedem Lebensjahr. Es war, es ist ein Mythos, der Gott sei Dank bis in unsere Tage überdauert hat. Aber wir Kinder von damals müssen uns heute neben der Erkenntnis, damals Opa oder Onkel auf den Leim gegangen zu sein, auch weniger amüsanten Tatsachen stellen.
Klimawandel in den Polargebieten
Die Polargebiete der Erde sind geographisch durch ihre Lage nördlich bzw. südlich des Polarkreises gekennzeichnet. Zwischen Polarkreis und Pol nimmt die zur Verfügung stehende Energiemenge im Vergleich zum Äquator um 40 bis 50 Prozent ab. Dies ist der Hauptgrund, weshalb bei den gegenwärtigen Diskussionen um den anthropogenen Klimawandel klimatische Veränderungen in den Polargebieten als Indikatoren besondere Bedeutung besitzen.
Grundsätzlich hängt unser Klima von 3 Faktoren ab:
* Kurzwellige Einstrahlung
* Planetarisches Albedo
* Zusammensetzung der Atmosphäre (anthropogener + natürlicher Treibhauseffekt)
Der IPCC schätzt die Anteile dieser drei Faktoren wie folgt ein:
* Solarkonstante: + 0,12 W/m²
* Albedo: Je nach Quelle verschiedene Meinungen. Die UNEP rechnet mit 2,4 Millionen weniger Toten bis 2040 und einer Verringerung der Klimaerwärmung in der Arktis um 0,7 °C durch Reduktion des emittierten Aerosolanteils.
Der IPCC hingegen spricht schon jetzt von einem (hauptsächlich auf der Wirkung von Kondensationskeimen beruhenden) Energiedefizit von 1,2 W/m².
* anthropogener Treibhauseffekt: + 0,6 bis + 2,4 W/m² | natürlicher Treibhauseffekt: + 3 W/m²
Wie sich die genannten Faktoren nun konkret auf die Polargebiete auswirken, wird unter anderem von den Meeresströmungen (Golfstrom --> Thermohaline Zirkulation), der Arktischen Oszillation, der Antarktischen Oszillation und zahlreichen Rückkopplungseffekten bestimmt.
Albedo <--> Permafrost, Methan, CO2, Vegetation <--> Meeresströmungen <--> Atmosphäre
Aber fest steht: Es wird wärmer, das Eis schwindet und der Meeresspiegel steigt.
Tipping Points
Aus Eisbohrkernen hat man gelernt, dass sich terrestrische Ökosysteme u.a. während der letzten Kaltzeit innerhalb kürzester Zeit (wenige Jahrzehnte) verändern können. Werden demnach bestimme Schwellenwerte (im folgenden für die arktischen Gebiete kurz aufgeführt) überschritten, sind rapide Klimaänderungen unausweichlich.
Arktis:
* Menge arktischen Meereises (bereits gekippt)
* Ozonloch (bereits gekippt?)
* Grönländischer Eisschild
* Tiefenwasserbildung
* Methanausgasung
Antarktis:
* Ozonloch (bereits gekippt)
* Vergletscherung Antarktische Halbinsel
* Westantarktischer Eisschild
* Zentraler Antarktischer Eisschild
* Antarktische Tiefenwasserbildung
Jedoch gilt auch hierfür: Die einen sehen schwarz, die anderen weiß.
Folgen des Klimawandels für terrestrische Ökosysteme der Arktis
Terra bedeutet Erde und mit terrestrischen Ökosystemen setzen wir uns tagtäglich auseinander. Denn wir wechselwirken in ihnen/mit ihnen, haben ihre groben Gesetzmäßigkeiten verstanden, wissen bspw. um den Aufbau und den Informationsgehalt der verschiedenen Bodentypen dieser Welt.
Die Besonderheiten arktischer Böden liegen nun zum einen in ihren überschaubaren Profilen und zum anderen im Vorhandensein von Permafrost. Die Permafrostzone verläuft uneinheitlich um den Globus und grenzt im Süden an die Zone der Borealen Nadelwälder. Uneinheitlich bedeutet, dass man nicht von "dem Permafrost" sprechen kann, sondern zwischen kontinuierlichem, diskontinuierlichem und sporadischem Permafrost unterscheiden muss (Klassifikationsparameter ist die jahreszeitliche Stabilität).
Bei der International Permafrost Association (IPA) findet man neben den gängigen Definitionen gute Informationen zu Prozessen innerhalb dieser Klasse von Böden.
Wird es wärmer, tauen die Böden auf. Daraus resultieren typische, im Landschaftsbild sichtbare morphologische Formen, die an Karstlandschaften erinnern.
Fehlt das bis dato stabilisierend wirkende Eis im Untergrund, geraten Böden in Bewegung (--> Solifluktion) und werden umgelagert. Nährstoffe werden exponiert, erodiert, der Kohlenstoffhaushalt massiv beeinflusst. Die arktischen Böden tauen zwar regional recht unterschiedlich auf (in Abhängigkeit von Vegetationsbedeckung, organischer Auflage und Schneedecke), der Trend zeigt aber in Richtung sich vergrößernde Auftauschichten.
Wie oben bereits angeklungen, kann sich die Landschaft deutlich verändern. Brechen etwa Moränen, können ganze Täler überflutet werden was wiederum mit einer deutlichen Mineralumlagerung einhergeht.
--> Weitere Bilder aus der Permafrostzone <--
Größere Auftauschichten im Sommer bedeuten eine erhöhte Umsetzung mineralischen Kohlenstoffs aus den Böden unter aeroben Bedingungen zu CO2 und Wasser. Die neue Biomasse kann gar Rückkopplungseffekte in Gang setzen und u.a. auch die Bodentemperatur erhöhen.
("For instance, the aforementioned expansion of shrubs and trees has promoted snow accumulation, increased winter soil temperatures, and enhanced soil microbial activity and nutrient mineralization rates, which collectively may further promote shrub growth. Experimental studies also indicate potential atmospheric feedback consequences of vegetation response to warming.")
Nicht zu unterschätzen ist außerdem der Einfluss der Moore auf unser Klima. Denn Moore sind wichtige Kohlenstoffspeicher der arktischen Zone. Tauen sie auf, kommen außerdem anaerobe Zersetzungsvorgänge in Gang, die eine Methanemission zur Folge haben.
("Obwohl Moorböden weltweit auf nur etwa 400 Millionen ha beziehungsweise etwa 3 % der Landoberfläche vorkommen, speichern sie etwa 450 bis 500 Gt (Gigatonnen) Kohlenstoff in Form von Torf in ihren Böden [...] Dieser Kohlenstoffvorrat entspricht etwa einem Drittel der insgesamt in Böden gebundenen Kohlenstoffvorräte, knapp Zweidrittel der in der Atmosphäre vorkommenden Vorräte und etwa Vierfünftel der in der Biomasse der Landpflanzen gebundenen Kohlenstoffvorräte.")
Einen sehr guten Ansatz zur Modellierung verschiedener Kreisläufe (speziell für Kohlenstoff) im Ökosystem Arktis bietet eine Studie (PDF, 44 MB, S. 26ff) des International Arctic Research Centers in Fairbanks.
Und was ist nun mit dem Weihnachtsmann? Tja, auch er wird um die nachweislich stattfindende Klimaerwärmung in der Arktis nicht herumkommen. Wenn seine Rentiere nun jedoch in Zukunft Zwergsträucher anstelle von Flechten zum Fressen bekommen, wird es die Paarhufer am allerwenigsten stören.
Wie wäre es aber mit einem Hinweis auf die o.g. Studien für uns Menschen - versteckt in jedem Geschenk - an Weihnachten? Think global, act local.
In diesem Sinne: Ho-Ho-Ho und schöne Grüße nach Südafrika
PS: Das Klima liebt Finanzkrisen
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