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Dienstag, 22. Mai 2012

Warum 289 gleich 300 sind

Die folgende Geschichte umfasst genaugenommen zwei Tage und deshalb nimmt sie ihren Anfang am Morgen des 19. Mai.

Der Tag begann irgendwann zwischen 7 und 8 Uhr mit dem Gang zum Rechner und einem ersten Flugwettercheck. Denn uneigennützig dumm wie ich bin, lag der Schlüssel der Schleppwinde neben mir auf dem Tisch; und wer diesen hat, dem obliegt die Organisation des Flugbetriebs. Die Modelle verhießen unisono auf O drehenden Wind am Nachmittag, bis dahin jedoch etwa 7 kt aus 135° bis 170°. Keine guten Bedingungen für eine 06er Bahn.

Den Vormittag verbrachte ich mit der Sichtung meines Fotoalbums vom Männertag und dem Gespräch mit einer Malerin, die unseren Hof auf ihren Zeichenblock bringen soll.
Gegen Mittag fällte ich dann die Entscheidung contra Flugbetrieb, denn 3 angemeldete Hanseln, eine Absinkinversion mit wenig Thermik und die nach wie vor unsichere Windsituation stellten in Anbetracht der anderweitigen Aufgaben zu schwache Argumente für den Dienst am Vereinswohl dar.

Somit waren der Kopf frei und die Hände gegen 20 Uhr gezeichnet vom Umgang mit Zementmörtel. Wie soll ich es beschreiben? Jedenfalls fühlte ich mich während des Abendessens unter blauem Himmel und jagenden Schwalben richtig gut und, ja, voller Tatendrang. Den Abend mit einem UEFA Champions League-Finale ausklingen zu lassen war keine Option. Dann lieber lesen. Oder schlafen. Oder dem Gefühl folgen.

Gefühle lügen nicht. In seltenen Fällen.

12 Riegel, 4 Gels, 3 Bananen, 2 Flaschen Wasser und eine Kameraausrüstung waren schnell verstaut - die Tour konnte beginnen.
Kurz nach 22 Uhr verlasse ich das Grundstück und richte mein Vorderrad gen Süden aus. Eine milde Nacht umfängt mich auf den ersten 40 Kilometern, nur in Muldenlagen sinkt die Temperatur spürbar auf gefühlte 10 °C ab. Wenige Autos und noch weniger Motorräder sind die großen Vorteile von Nachtfahrten - vom Nachtprogramm des DLF einmal ganz abgesehen. Erst zwischen Crimmitschau und Zwickau bekomme ich einen guten Blick auf den Sternenhimmel; bis dahin reihte sich Dorf an Dorf.

Ein Rascheln kurz vor mir, dann sprang plötzlich irgendetwas aus dem Straßengraben und verschwand sofort wieder. Richtig, der DLF pausierte wegen Empfangsproblemen und wurde gegen die Geräusche der Nacht eingetauscht. Mein Puls ging noch ein bisschen höher, denn mit einem Reh kollidieren (diese Schreckvorstellung taucht im Blog nicht zum ersten Mal auf) muss nicht sein. Von einem Wildschwein ganz zu schweigen. Diesmal war es aber bloß ein Fuchs auf nächtlicher Streife, der sich möglicherweise ebenso erschrocken hat wie der Fahrer des vollgepackten Velos.

Ich tausche die Pleiße gegen die Zwickauer Mulde als kurzweilige Begleitung, unterquere die A 72 und fahre entlang des Rödelbachs weiter nach Kirchberg. Exakt 80 Kilometer zeigen GPS und Fahrradcomputer übereinstimmend an, als es Zeit wird, das gefütterte Langarmtrikot überzustreifen. 120 hm warteten auf den kommenden 7 km, bis es in Bärenwalde für längere Zeit wieder dunkel werden sollte.

Auf die Zwickauer Mulde traf ich wieder an der Talsperre Eibenstock, denn sie wird hier aufgestaut und fließt anschließend parallel zur B 283 weiter nach Aue. Ich folgte ihr jedoch bloß bis Bockau, wo mir sogleich sehr warm werden sollte.

Nämlich warm in zweierlei Hinsicht: Zum einen in Anbetracht des tollen und kaum durch Licht verschmutzten Sternenhimmels - eine Nachtaufnahme gibt es (im nachhinein betrachtet leider) nicht - und zum anderen in Anbetracht des bevorstehenden Hammers.

Mitten hinein in den stockdunklen Wald führte dieser Anstieg, einzig unterbrochen von einem kurzen Flachstück mit sich direkt anschließender zweiter Steigung. Das Rauschen in den hohen Fichten war neben meinem Schnaufen das einzige Geräusch das zu mir drang, während ich mich erfolgreich dem Wiegetritt verweigerte und in Jägerhaus schließlich nach links zur Abfahrt in Richtung Antonsthal abbog.

Der Ortsteil von Breitenbrunn am Schwarzwasser blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die mit der Grundsteinlegung für eine Erzhütte zu Beginn des 19. Jhd. ihren Anfang nimmt. Nachdem die Erzvorräte erschöpft waren, begann man mit dem Bau einer großen Papierfabrik, die während des Zweiten Weltkriegs als Rüstungsschmiede diente und später zu DDR-Zeiten hauptsächlich den Rohstoff für westdeutsche Druckerzeugnisse lieferte. Während der 1950er Jahre entstand der wenig später mit Antonsthal zu einer Gemeinde verschmolzene Ortsteil Antonshöhe im Zuge des Uranbergbaus der Wismut.

Nach Erklimmen der Antonshöhe und Überleben der - da mit vielen Entwässerungsrinnen versehen - ekelhaften Abfahrt nach Rittersgrün, ging es frohen Mutes an die letzten 17 km / 600 hm hinauf zum Gipfel des Fichtelberges. Es war kurz vor 4 Uhr, demnach blieben mir für das Erreichen meines Tagesziels noch etwas mehr als 60 Minuten. Die Strecke ist wohlbekannt und in diesen Morgenstunden - so ganz ohne Verkehr und mit, den Straßenverlauf passierenden (in sicherer Entfernung) Rehen - ein kleines Paradies. Ehrenzipfel, Tellerhäuser, die im-Schnitt-9%-auf-900-m-Rampe, Rechtskurve, Linkskurve, Sachsenbaude, Fichtelbergstraße, Fichtelberg.

Glücklich, aber fröstelnd

Ich stand exakt 2 Minuten vor Sonnenaufgang im Windschatten der Seilbahnstation, packte schnell Kamera und Stativ aus, positionierte beides ... und sah nach dem ersten Foto die Sonne über den Horizont lugen. Das sind so Momente, die muss man erlebt haben!


Doch die Unbarmherzigkeiten des profanen Daseins hatten mich bald eingeholt, denn es war irgendwie k a l t. Das Thermometer nebenan bestätigte diesen Eindruck sichtlich ungerührt - magere 10 °C auf Holzuntergrund in der Morgensonne. Das Hirn suchte nach Wärmequellen und fand sie leider alle verschlossen. Mal ehrlich: Warum ist diese verdammte Toilettentür um halb sechs in der Früh abgesperrt? Weil da sonst niemand um diese Zeit hin will? Irrtum!




Ich fühlte mich an eine Tour vom 21. November 2009 erinnert. Damals stand ich exakt 10.27 Uhr morgens an derselben Stelle und hatte ein Problem mit dem Reißverschluss meiner Jacke. Mir gingen schon Ideen wie "die Jacke unter das Trikot ziehen" oder "mal sehen, was die hier für Klamotten im Shop haben" durch den Kopf, als ich nach einer gefühlten Ewigkeit den defekten Verschluss endlich im Griff hatte. Was sich heute amüsant und kurzweilig anhört, hatte mir damals echte Sorgen bereitet. Denn bei Tageshöchstwerten von angeblich 15 °C (so fühlte es sich aber nicht an) fährt man keine 160 km mit offener Jacke durch die Gegend.

Jedenfalls galt es nun umzuplanen, denn ich konnte a) die Flaschen nicht auffüllen und b) mein Zittern immer schwerer kontrollieren. Die obligatorischen Gipfelfotos fielen deshalb knapp aus und auf der Abfahrt hatte ich meine liebe Not, den Lenker ruhig zu halten. Somit ähnelten die 17 km zurück nach Rittersgrün einer Fahrt durch die Kältekammer, an deren Ende Gott sei Dank der Anstieg nach Breitenbrunn stand.
Kirche in Eibenstock

Meine Route folgte ab Breitenbrunn exakt 6 km dem Schwarzwasser, um dann scharf rechts in die Steigerstraße nach Johanngeorgenstadt abzubiegen.


Man rollt durch das bekannte Erzgebirgsstädtchen und kann 2 km hinter dem Ortsausgang gleich den nächsten Tausender (Auersberg) erklimmen. Über Oberwildenthal und Eibenstock erreicht man anschließend mit Wolfsgrün an der Zwickauer Mulde einen bereits vom Hinweg bekannten Streckenabschnitt.



Symptom- statt Ursachenbekämpfung

Von Neidhardtsthal hinauf zum Bikertreff Talsperrenblick an der Talsperre Eibenstock sind es gerade mal 2 km.

Da diese 2 km allerdings auf halber Strecke eine schöne Spitzkehre aufweisen, wird die Straße schon seit Jahren für Motorradfahrer künstlich unattraktiv gemacht - durch Rüttelstreifen. Das sind auf die Fahrbahn aufgeklebte kleine Bodenwellen zwischen 1 und 3 cm Höhe, deren einzige Funktion darin besteht, vor der Kurve die Geschwindigkeit deutlich reduzieren zu müssen.


Wozu dieser Aufwand? Es gibt im ganzen Erzgebirge genügend kritische Straßenabschnitte, die keine derartigen Unfallpräventionsmaßnahmen aufweisen. Direkt unterhalb eines Bikertreffs baut man sie aber auf; als straßenbauliche Testosteronsperre sozusagen.

Ich finde das einfach nur ... traurig. Denn der Kern dieses Problems sitzt viel tiefer. Fest mit der Entwicklung von Motorrädern war der Wunsch verbunden, auf zwei Rädern Geschwindigkeiten (und Kurvengeschwindigkeiten) zu erreichen, die auf vier Rädern bis dato schier undenkbar waren.

Es ging um die Entwicklung eines Sportgeräts, das einer speziellen Schulung bedarf und - im Gegensatz zum Mofa - nicht mit einem Pkw-Führerschein bewegt werden darf. Das Motorrad ist bis heute ein Sportgerät geblieben, denn Leistung, Verbrauch (und Gebrauchswert) stehen in keinem sinnvollen wirtschaftlichen/ökologischen Verhältnis. Diese Fakten sind bekannt. Wie lautet also die Conclusio? Richtig: Entweder die Bikes bautechnisch entschärfen - ein frommer Wunsch, gewiss. Oder mit diesen selbstgeschaffenen Waffen leben.

Unterwegs in Mexiko
Wir sind damals in Mexiko über teilweise mehr als 10 cm hohe "Rüttelstreifen" aus Asphalt gerollt. Diesen Hinweis auf die maximal erlaubte Höchstgeschwindigkeit missachtet man nur einmal, glauben Sie mir. Denn danach geht man seine Achse suchen...

Ich würde ja insofern Verständnis zeigen, als dass man sie in verkehrsberuhigten Zonen (in der Nähe von Kindertagesstätten und Schulen bspw.) einsetzt. Doch das Grundproblem lösen sie auch da nicht.

Eine Verhaltensänderung setzt nämlich immer Einsicht voraus. Einsicht entsteht a) durch Nachdenken, b) durch Nachahmung oder c) durch Erfahrung.

Der Bau von Rüttelstreifen ist folglich ein trauriges Zeugnis menschlicher Ohnmacht gegenüber seiner eigenen Natur. Rüttelstreifen schreien uns quasi entgegen: "Vergiss es, du wirst immer ein Tier bleiben!" Jammerschade. Fragen Sie mich jetzt bitte, ob wir den Klimawandel aufhalten können.
"Können wir den Klimawandel aufhalten?"
"Mit Rüttelstreifen könnten wir ihn verlangsamen; und mit Stoppschildern stoppen."
Talsperre Eibenstock

Bikertreff Talsperrenblick







Meine Heimfahrt wurde ein weiteres Mal oberhalb von Crinitzberg (dort befindet sich auch eine Radonquelle) zugunsten eines Fotostopps unterbrochen, danach aber zügig bis Gössnitz fortgesetzt.



Crinitzberg
Hier, kurz vor Gössnitz, musste ich nach etwa 10 sec. Bedenkzeit wenden und diese Traumlage für ein Haus festhalten:


Zumindest können sich die Bewohner des ehemaligen Bahnwärterhäuschens nicht über mangelhaften Zugang zum öffentlichen Verkehrs- und Versorgungsnetz beschweren.

Wer sich erinnert: Die Flaschen konnten auf halber Strecke nicht aufgefüllt werden. Ich nahm diesen Umstand selbstverständlich zum Anlass, ein Testprogramm zu absolvieren. Kann ich bei Temperaturen um die 28 °C 148 km durch hügeliges Gelände mit 1,3 l Wasser überstehen, genauer, ohne einen Leistungseinbruch überstehen? Ja, ich kann. Ich teilte die verbliebene Restmenge gleichmäßig auf 120 km auf, denn nach den letzten 28 km würde ich ja wieder Zugang zu Nachschub haben. Ein Gel blieb sogar unangetastet, was ein weiterer Beleg dafür war, das Limit nicht erreicht zu haben.

Mit Freunden war vage ein Sonntagnachmittagstreff am See vereinbart worden, nachdem ich aber keinen per Handy erreichen konnte, war ich nicht sehr unglücklich darüber, bis zum Abendessen ein Nickerchen im Schatten einlegen zu können.

Fazit: Dieser Beitrag ist der 300. seit Bestehen meines Blogs und ich hoffe, es werden noch weitere 300 folgen. Gern wüsste ich bereits jetzt den Inhalt dieses 600. Postings, doch wissen kann ich heute nur:
"Es stirbt der Glücklichste wünschend."
(Ewald Kleist)
Tourdaten:

289 km
3285 hm
12:33 h netto
17:37 h brutto

Die Strecke ab/bis Borna:

Donnerstag, 15. September 2011

Südstau

Genau 10 Jahre nach 9/11 und 100 Tage nach der letzten erwähnenswerten Wochenendradtour brach ich im Schein des fast vollen Mondes an diesem 11. September 2011 bei sehr milden Nachttemperaturen in Richtung Erzgebirge auf. Endlich. Endlich deshalb, weil beim Durchblättern meines Tourtagebuches mir immer wieder erbarmungslos klargemacht wird, wie wenige Touren ich doch eigentlich fahre.


Und obwohl ich im Februar 2010 eine eindeutig stärkere Motivation zum Radeln verspürte (es hätte damals auch -20°C haben können), ging es mit der Nachtmusik des Deutschlandfunks im Ohr recht beschwingt in Richtung erster markanter Wegmarke. So mag ich den Rochlitzer Berg - keine Autos, keine zu Restaurant und Eisverkauf strömenden Sonntagsausflügler - nur der Ruf des Käuzchens in den Wipfeln der hohen Buchen und Kiefern. Die anschließende Abfahrt nach Sörnzig zwang mich (erfolglos), den Gedanken an potentiell meinen Weg kreuzende Rehe oder Wildschweine zu verdrängen.

Anschließend führte mich die geplante Strecke wieder ein Stück auf der B 107 entlang - vorbei am Blumenfeld für Selbstpflücker, das mir bereits schöne Sonnenblumen bescherte - bis diese in Claussnitz verlassen und den Nebenstrassen bis Euba gefolgt wurde. Der nun beginnende Abschnitt ist eigentlich krank. Denn erst fährt man in Euba 5 km bergauf, nur um anschließend 5 km bergab und mit Querung der Zschopau in Erdmannsdorf wieder 3 km bergauf fahren zu können. Ich betone an dieser Stelle: "Ist eigentlich krank". Denn wenn es mich nicht anziehen würde... genau, dann hätte der Wecker nicht geklingelt.



Das im 16. Jh. erbaute Jagdschloss Augustusburg beherbergt heute verschiedene Museen und eine Jugendherberge. Und der kurze Stich über die schmale asphaltierte südliche Zufahrt lohnt unbedingt - nicht nur der Aussicht wegen.



Die Fahrt ging weiter, Waldkirchen und Lengefeld entgegen, als mich ein schon etwas ergrauter Rennradler überholte. So. Ich gebe ja zu, gern im Erholungsmodus zu köcheln und kein großer Fan von Intervallen zu sein. Aber wenn sich jemand an einer langen Kindersteigung vor mich setzt und dann glaubt, mit konstant 50 Meter Abstand mich und meinen vollbeladenen Packesel nicht zu provozieren, dann irrt er. Tschakka, "Guten Morgen!" Du darfst oben gern auf meinen Gepäckträger gucken. Gesagt getan und aus anfänglicher Mißgunst entstand ein nettes Kurzweilgeplauder.

In Pockau bog ich nicht wie damals rechts ab, sondern wählte diesmal anstatt der Schwarzen Pockau die Flöha als Wegbegleitung. Dabei lugte die Morgensonne um kurz nach 8 über die Hügel der Umgebung in das Tal der Flöha und zauberte eine prächtige Altweibersommerstimmung auf die Wiesen:








Es war nicht mehr weit bis Olbernhau. Das Städtchen im Mittleren Erzgebirge vermittelt mit seinen heute etwa 10.000 EW, einer nach dem schweren Hochwasser vom August 2002 wieder perfekt sanierten Innenstadt und einer langen Kupferbergbautradition (Stichwort Saigerhütte) einen sympathischen Einblick in das Leben und Überleben der Menschen in dieser Region Deutschlands.



An eben dieser Saigerhütte muss auch vorbei, wer den (nur für Fußgänger und Radfahrer geeigneten) Grenzübergang hinüber nach Böhmen passieren will. Über die Natzschung (ein kleiner Fluss, der in Olbernhau in die Flöha mündet) gelangt man schließlich auf tschechischen Boden.




Die Strecke führte von nun an stets leicht bergan, galt es doch von 480 m NN im Tal auf 700 m NN in Sankt Katharinaberg aufzusteigen. Die eingangs erwähnten ungewöhnlich milden Temperaturen ließen sich auf eine Südlage zurückführen, deren regionale Auswirkungen hier oben auf dem Kamm des Erzgebirges besonders deutlich wurden. Denn der südlich angrenzende böhmische Teil verschwand unter einer Hochnebeldecke, die sich am Erzgebirgsrand staute; während der Bereich nördlich des Kamms wolkenfrei war.




Phantastisch. Über mir kreisten übrigens an diesem Morgen zwei Motorschirmpiloten - deren Bilder hätte ich gern. Aber zurück auf die Erde, denn der Hochnebel barg trotz seiner Konsistenz ein handfestes Problem: Sichtweiten von etwa 40 Metern. Meine geplante Route sollte nämlich über weitere circa 80 km auf tschechischer Seite mir noch unbekannte Kletterreviere erschließen - ein Vorhaben, dass ich schließlich in Anbetracht nicht ganz unerheblicher Verkehrsrisiken liebend gern vertagte.



Zeit also, um auch abseits des Weges nach Motiven zu suchen:







Auf der Abfahrt hinab nach Brandau kamen mir die ersten Radlergruppen entgegen und fielen ausgesprochen gesunde Kastanien ins Blickfeld.



Die Schneepflüge warten schon auf ihren Einsatz
Solche Laubblätter haben meine Bäume zwar auch - allerdings mit dem Unterschied einer direkten Leitgewebeinjektion von Bi-58 im zeitigen Frühjahr. Es scheint, dass das Regionalklima in dieser Erzgebirgsregion einen negativen Einfluss auf die Miniermotte hat und damit diese Neozoen - zumindest dort - sich quasi nicht ungehindert ausbreiten können.

Wieder im Tal der Flöha angelangt, nutzte ich den Schatten der Erlen um den bereits verbrauchten Teil meiner beiden Tanks aufzufüllen und um die Sonnencreme zum Einsatz kommen zu lassen. Dermaßen präpariert ging es an die Heimfahrt, rechts und links des Weges begleitet von diesen wunderschönen Ausblicken auf noch im Saft stehende Maisschläge, abgeerntete Weizenfelder und frisch gemähte Wiesen.



Zeit für Aktion, oder? Geduld, Geduld, die kommt schon noch. Erstmal lassen wir Erdmannsdorf

Sheepworld
(dieses Auto stand übrigens morgens dort) hinter/unter uns und geniessen einen letzten Blick auf Schloss Augustusburg.


Man müsste sich eigentlich mal den Spaß machen und die Ortsnamen recherchieren: Diethensdorf, Topfseifersdorf, Winkeln, Kolkau, Altzschillen, Beedeln,... halt, Telefon klingelt.
Sowas. Da denkt man, der Junge hat schon in der Hälfte der Zeit 200 km abgespult aber nein, sitzt zu Hause und will jetzt erst losfahren. Gut, gönn ich ihm die kleine Runde und fahr nicht direkt gen Heimat sondern noch eine Runde um den Colditzer Forst. Treff in Kitzscher und Weiterfahrt nach Hainichen wo dann die Aktion begann.

Gewitterfront vom 11.09.2011 bei 04567 Hainichen
Die Straße im Bild stand nach dem Starkregen übrigens 60 cm tief unter Wasser - die Info stammt aus der Zeitung, denn wir verließen das Örtchen nordwestwärts ... und wo ich das jetzt so schreibe, damn, ich hätte da nochmal hinfahren sollen!



Man muss rückblickend sagen, die Gewitterfront hat uns verschont; denn u.a. im südlichen Sachsen-Anhalt waren die Hagelkörner keine Körner mehr, sondern Hühnereier oder Tennisbälle.
Meine Horrorvorstellungen blieben folglich glücklicherweise aus, denn weder Dachflächen noch Kastanien hatten Schaden genommen. Und so soll es bitteschön bleiben.


* 303 km
* 3361 hm
* 12:15 h Netto
* 16:45 h Brutto