Montag, 10. August 2009

David Foster Wallace

Den Jüngern erschien es, als habe er die Qualen des Westens mit all dem Überfluss, dem Zynismus und der Langeweile stellvertretend erlitten und sensibler wahrgenommen, dann schärfer durchdacht und am Ende lustiger beschrieben als jeder andere. / Tragisch. Aber wie tragisch ist das wirklich, wenn Menschen durch zu viel Freude stürzen? / "Man kann einem Depressiven die Depression nicht ausreden, das habe ich gelernt", sagt sein Vater. / Er war schüchtern, und am Anfang konnte er Fehler nur mit Scham ertragen, dann lernte er, dass Humor half, Selbstironie. Dann kamen die Mädchen. / Einer, mit der es ernster war [...] schenkte David ein Haus, weil er glaubte, finanziell für sie sorgen zu müssen, wenn es schon sonst nicht ging. / Er sei einer dieser Männer gewesen, "die alle fünf Jahre ihr Leben in die Luft jagen müssen vor Wut, selbstmitleidig, selbstzerstörerisch. Und wenn du nicht mehr trinkst, keine Mösen mehr jagst, was bleibt dir dann noch?" / Es sei wohl so, sagt er, "dass wir alle vieles abblocken, das macht uns lebensfähig [...]" / "Das, was die Existenz erträglich macht, entreißt ihr den Sinn" / Er hatte zwei Bitten: Sie sollten nicht kommen, und sie sollten nicht beleidigt sein. / "gestern ist David gestorben", sagte die Mutter [...]

(Quelle: DER SPIEGEL Nr. 33/09, S.118-123)

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