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Dienstag, 8. Dezember 2015

Türchen 8 | Adventskalender 2015

Für die katholische Kirsche beginnt heute das Heilige Jahr der Barmherzigkeit – zuletzt gab es vor 15 Jahren eines unter Papst Johannes Paul II. (Motto: "Christus gestern, heute und in Ewigkeit."). Solche Jubiläumsjahre erklärt die Römische Kurie traditionell, um den Glauben ihrer Anhänger zu vertiefen, sie erweitert Buße leisten zu lassen.

Papst Franziskus (am 17. Dezember wird er 79) hat in einer Audienz nach seiner Wahl gesagt:

"Ich erzähle Ihnen eine Geschichte. Bei der Wahl saß neben mir der emeritierte Erzbischof von São Paolo und frühere Präfekt der Kongregation für den Klerus Kardinal Claudio Hummes – ein großer Freund, ein großer Freund! Als die Sache sich etwas zuspitzte, hat er mich bestärkt. Und als die Stimmen zwei Drittel erreichten, erscholl der übliche Applaus, da der Papst gewählt war. Und er umarmte, küsste mich und sagte mir: „Vergiss die Armen nicht!“ Und da setzte sich dieses Wort in mir fest: die Armen, die Armen. Dann sofort habe ich in Bezug auf die Armen an Franz von Assisi gedacht. Dann habe ich an die Kriege gedacht, während die Auszählung voranschritt bis zu allen Stimmen. Und Franziskus ist der Mann des Friedens. So ist mir der Name ins Herz gedrungen: Franz von Assisi. Er ist für mich der Mann der Armut, der Mann des Friedens, der Mann, der die Schöpfung liebt und bewahrt. Gegenwärtig haben auch wir eine nicht sehr gute Beziehung zur Schöpfung, oder? Er ist der Mann, der uns diesen Geist des Friedens gibt, der Mann der Armut. … Ach, wie möchte ich eine arme Kirche für die Armen!"
(Papst Franziskus im März 2013)

Nun also Barmherzigkeit. Mir fallen die Synonyme Nachsichtigkeit, Herzensgüte, Wohltätigkeit, Humanität ein. Ich denke an die weltweiten Krisen, ich denke an unseren Umgang mit der "Schöpfung", ich denke an Verschwendung und Ausbeutung. Ich denke an unsere moderne westliche Hyperkonsumgesellschaft, die sich auf den ersten Blick so weit von Mangelgesellschaften entfernt wähnt. Dabei stehen die scheinbaren Segnungen der Konsumgesellschaft längst nicht all ihren Mitgliedern offen. Ja, Hyperkonsum und Mangel gehen notwendigerweise Hand in Hand, bedingen einander. Die Ungleichheit ist die Hauptursache für Flucht und Vertreibung. Die Ungleichheit und die Sehnsucht einiger nach Überlegenheit, nach Dominanz, lassen Probleme entstehen, die dem Gedanken der Barmherzigkeit diametral entgegenstehen.

Menschen werden getötet, weil sie an einen anderen Gott glauben. Menschen werden getötet, weil sie billige Kleidung herstellen. Menschen werden getötet, weil fossile Energie zum Wirtschaftswachstum beiträgt.

Menschen verlieren ihre Heimat auch, weil Millionen Privilegierte alljährlich und alltäglich Pkw und Flugzeug nutzen. Menschen sind denkende Wesen. Omnipräsente Werbebanner wollen uns Dinge in den Warenkorb legen, von deren Existenz wir bisweilen nicht einmal wussten. Aber Dritte wissen davon, weil wir es ihnen klickweise verraten. Wir leben im Jetzt und nicht selten egoistisch. Wir sollten als Gemeinschaft leben – vorausschauend, planend, bisweilen verzichtend, barmherzig.

NASA Blue Marble 2007 West.

Sonntag, 3. März 2013

Benedikt XVI. - Bilanz eines Pontifikats

Am 28. Februar 2013 schließt sich um 20 Uhr das Hauptportal der Papstresidenz in Castel Gandolfo. Die Schweizergarde zieht ihre Posten ab - es gibt hier keine Arbeit mehr für sie. Denn für die Sicherheit des emeritierten Bischofs von Rom ist die Gendarmerie zuständig.

Acht Jahre zuvor, am 19. April des Jahres 2005, wurde der Dekan des Kardinalskollegiums, Joseph Kardinal Ratzinger, zum 264. Nachfolger des hl. Petrus gewählt. Mit 78 Lebensjahren.

Ich wiederhole an dieser Stelle nicht die Schlagzeile des großen deutschen Meinungsmachers, weil mich diese Publikation schlicht anwidert. Dennoch darf man einen gewissen Stolz in Deutschland zur damaligen Zeit nicht verhehlen. Warum war das so? Ein deutscher Papst in einer Zeit, in der sich die Blöcke des Kalten Krieges wieder aus dem Staub der Geschichte zu erheben scheinen, weckt den indirekten Anspruch auf Meinungsführerschaft. Deutschland war und ist einer der zentralen Bausteine Europas und quasi als Beleg dieser Tatsache mögen Teile der Bevölkerung die Wahl eines "Landsmannes" zum geistigen Oberhaupt von über 1 Mrd. Menschen gesehen haben. Man erhoffte sich von dieser zentralen (deutschen) Position innerhalb der katholischen Kirche nicht zuletzt eine Stärkung der im Grundgesetz verankerten christlichen Werte sowie eine Art Werbung für die das Christliche im Namen tragenden Parteien.

Freitag, 9. April 2010

Das Jahr des Priesters

[...] "Ich schlage ebenfalls eine gemeinsame Mission in ganz Irland für alle Bischöfe, Priester und Ordensleute vor. Es ist meine Hoffnung, dass durch das Nutzen der Expertise erfahrener Prediger und Exerzitienbegleiter von Irland und andernorts und durch das erneute Studium der Dokumente des Konzils, der liturgischen Riten von Weihe und Profess und der neueren päpstlichen Lehren, Ihr zu einem tieferen Verständnis für Eure jeweilige Berufung kommt, um so die Wurzeln Eures Glaubens in Jesus Christus wieder zu entdecken und aus dem Quell des lebendigen Wassers zu trinken, den er Euch durch seine Kirche bietet.

In diesem Jahr des Priesters empfehle ich Euch ganz besonders den heiligen Jean-Marie Vianney, der ein reiches Verständnis des Mysteriums des Priestertums hatte. Er schrieb: „der Priester hält den Schlüssel zu den Schätzen des Himmels: er ist es, der die Tür öffnet: er ist der Statthalter des guten Herrn; der Verwalter seiner Güter.“ Der Pfarrer von Ars verstand sehr gut, wie gesegnet eine Gemeinschaft ist, wenn ihr von einem guten und heiligen Priester gedient wird: „ein guter Hirte, ein Hüter nach Gottes Herzen, ist der größte Schatz, den Gott einer Gemeinde schenken kann und eines der wertvollsten Geschenke göttlicher Gnade.“ Durch die Fürsprache des heiligen Jean-Marie Vianney möge das Priestertum in Irland neu belebt werden und möge die ganze Kirche in Irland wachsen in Wertschätzung für das große Geschenk des priesterlichen Dienstes." [...]
(Auszug aus dem Hirtenbrief Benedikt XVI. an die Katholiken Irlands vom 19.03.2010, nicht-offizielle deutsche Übersetzung)
Erschreckende Hilflosigkeit, nicht wahr?

Dienstag, 16. Februar 2010

Gesund und krank

Wir haben es doch schon immer gewusst: Negative Gedanken, Depressionen, Neid und Streit machen krank. Evolutionär machte es durchaus Sinn, unter Stressbedingungen die Gerinnungsneigung des Blutes zu erhöhen, um bei möglichen Verletzungen nicht so schnell zu verbluten. Geht die vererbte Stressreaktion aber auf Alltagsbelastungen zurück, so - das zeigte eine Studie an 20.000 Briten - sterben depressive Menschen fast dreimal so häufig an Herzinfarkt wie gleichaltrige Nicht-Depressive.

Depressionen schädigen durch mit ihnen einhergehende erhöhte Kortisonspiegel das Skelett. Und auch Hauterkrankungen reagieren messbar auf Dis-Stress. Ein Ausweg sind harmonische Beziehungen (Partner werden seltener krank) ... und Haustiere. Die sind sogar gesünder für das Herz als der Partner. Na da kann bei 4 Katzen ja nichts schiefgehen.

Womit ich bei den Katholiken wäre. Nein, die halten nicht die meisten Katzen, (er)halten aber momentan die meisten Prügel.

Fest steht, dass es der katholischen Kirche nicht gelungen ist, mit der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung Schritt zu halten. Ein Verharren in überkommenen Ansichten, ein Verdrängen wissenschaftlicher Erkenntnisse, die Angst, an Einfluss zu verlieren, führen gewiss nicht zu einem Mitgliederzuwachs. Der "Glaube", Homosexualität und Triebstau prokastinieren zu können, ist zum Irrglaube geworden - mit schlimmen Folgen für unschuldige Beteiligte.

Die Bischofskonferenz wird sich ab kommender Woche mit der Thematik des sexuellen Mißbrauchs in den eigenen Reihen beschäftigen. Die jungen Jesuitenschüler betrachteten - wie alle Menschen dies tun sollten - das Recht auf sexuelles Glück als Teil des menschlichen Glücks ... und wurden eines besseren belehrt. Schreiben die Regeln der eigenen Gemeinschaft vor, enthaltsam zu sein und sich (eine Empfehlung Benedikt XVI.) ein Beispiel am heiligen Dominik zu nehmen und "das Leben ganz dem Gebet und dem Lernen zu widmen" so kommt es unausweichlich zu Stress.

Okay, es kommt bei 99,99999996% der Menschheit zu Stress. Der Rest wird Papst.
"Wenn man von Amts wegen zu einem Leben ohne Frau und Kinder gezwungen wird, ist das Risiko groß, dass eine gesunde Integration der Sexualität misslingt, was beispielsweise zu pädophilen Akten führen kann. [...] Zu wünschen wäre neben der römischen Glaubenskongregation eine römische Liebeskongregation, die jeden Erlass der Kurie überprüft, ob er der christlichen Liebe entspricht."
(Hans Küng, Lehrerlaubnis vom Vatikan entzogen, 2005 im SPIEGEL)
Lösungsansätze? Das Zölibat überdenken; Homosexualität als angeboren akzeptieren und offen anerkennen; Probleme im Gespräch mit der Gesellschaft und nicht innerhalb per Inquisition (pardon, Glaubenskongregation) "klären"; die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht behindern; den Menschen ein moralisches Vorbild sein (hat das schon einmal funktioniert?). Letzter Punkt: Endlich den Mensch als Mensch sehen.

Und solange die Lösungen noch ihrer Umsetzung harren, schickt man die eigenen Kinder nicht unbedingt auf ein kirchliches Internat. Ausnahmen dürfen natürlich gemacht werden.

Lesenswert: Eine Polemik über unsere Mehrwegmoral. (editiert am 27.03.10)

Edit (16.02.2010, 21.13 Uhr):
Ein Zitat wurde entfernt, um einen unerwünschten Bezug zwischen dessen Urheber und der Thematik des Posts zu beheben.

Montag, 1. Februar 2010

Wenn es Abend wird

"Es ist eine traurige Sache, dass ich jahrelang Kinder und Jugendliche unter pseudopädagogischen Vorwänden missbraucht und misshandelt habe."
(Wolfgang S., früherer Sportlehrer und Jesuitenpater am Canisius-Kolleg in Berlin)
Schwamm drüber, heute ist alles verjährt und dass der Jesuitenorden bereits seit 19 Jahren Bescheid wusste - wer wird so kleinlich sein. Jetzt prüft eine Anwältin, was die Jesuiten damals wussten und welche Konsequenzen erfolgten ... sorry ... ich hätte mich gerade fast verschluckt. Der Vatikan soll auch Bescheid gewusst haben. "Gesegnetes Osterfest" (ist ja bald wieder soweit).

Was mir am meisten zu bedenken gibt: Die damaligen Opfer waren allesamt an dieser Eliteschule, um später wichtige Funktionen in Wirtschaft und Politik zu übernehmen. Wenn da mal nicht die eine oder andere Entscheidung hätte, wäre, könnte. Man weiß ja so wenig.

"Ich bin mit meiner Vergangenheit vor Gott und der Welt im Reinen."
(Wolfgang S. am 20.01.2010 in einem Brief an seine Opfer)
Na, das ist doch die Hauptsache. Amen.