Samstag, 15. Mai 2010

10. Geburtstag

Das Leben geniessen, jeden Tag geniessen als ob es der letzte sei, positiv denken, glücklich sein. Alles Ratschläge, die Menschen entgegengehalten werden, denen der Tod bereits näher war als dem Durchschnitt ihrer Altersklasse.

Die Leben dreier junger Menschen wären damals im Mai im Verlauf eines Wimpernschlages beendet worden. Aus. Keine zweite Chance. Eigentlich.
Aber es gab eine zweite Chance für alle drei. Und der Mensch ist so veranlagt, sich zu fragen, "warum?".

Gleiches wird sich später der kleine Junge fragen, welcher unlängst als einziger das Flugzeugunglück in Libyen überlebte. Ich rate ihm heute: Forget about it.
Klar, er kann in Zukunft bei allen Flügen versuchen, wieder den als "sicher" kennengelernten Sitzplatz zu buchen; er kann völlig auf das Fliegen verzichten. Was immer es sein wird, die Wahrscheinlichkeit für ein erneutes "Glück des zweiten Lebens" wird es nicht beeinflussen.

Und dennoch wird sein Alltag bewusster - teilweise wie von unsichtbarer Hand geführt - werden.
Die Wahrnehmung ist nach solchen Erlebnissen eine andere, man bekommt ein verändertes Gespür für "Kleinigkeiten", überlegt häufiger vor Entscheidungen und beobachtet das eigene Verhalten insgesamt schärfer. Als Paket betrachtet, sind dies sicher sehr positive Veränderungen, wenngleich ich die Verhaltensänderung gerne ohne jenes Erlebnis gemacht hätte.

Am vergangenen Donnerstag gab es eine Situation, in der mal wieder besser nichts schiefgegangen wäre. Wir waren Klettern und kamen an eine Route mit folgender Schwierigkeit im ersten Drittel:


Man muss links an eine Kante greifen (für Längere eignet sich auch der Riss) und gleichzeitig links eine abschüssige Leiste antreten (siehe rote Markierungen, die Kante ist teilweise vom Arm verdeckt). Vier-, fünfmal trete ich an, setze wieder ab. Ein Sturz hätte mich durchaus verletzen können (siehe Exenposition).
Dann kam die Außenperspektive hinzu. Okay, ganz ruhig bleiben, den Griff hältst du locker und den Tritt konntest du beim letzten Mal auch belasten (da aber im Nachstieg). Sicher, du kannst wieder abklettern, aber willst / musst du das? Du könntest auf den Bohrhaken treten - nein, der existiert in deinem Kletterverständnis nicht...
Der wesentliche Muskel beim Klettern ist der Kopf. Ein Spruch mit Rauschebart zwar, in unserer Gruppenerfahrung aber spätestens seit Beginn eigener Vorstiegstouren ständig präsent.

Und wie geht das Beispiel nun zu Ende? Ich hab den Zug gemacht. Wenn objektiv alles stimmt, gibt es keinen Grund mehr zum Zögern. Das Subjektive wird sich dieser Einstellung aber nolens volens weiterhin entgegenstellen (müssen) ;-).

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