Donnerstag, 14. November 2013

Ecce homo (IV)

"[...] Sie legt ihren Kopf auf seine Schulter, schließt ihre Augen; seine Hand streicht sanft über ihren Hals. Zeichen der Vertrautheit. Schöne Momente. Fröhliche Weihnachten." - Ecce homo (II)
Ein knappes Jahr ist vergangen. Innere Einkehr. Freundschaften, an den Rand der Auslöschung getrieben. Es vollzieht sich ein Wandel; unaufhaltsam wie die Jahreszeiten, genauso sichtbar, in derselben Weise vertraut wie neu zugleich. An den Bäumen erwarten die frischen Knospen geduldig den Winter. Sie brauchen die Kälte, um die Wärme zu erleben. Botaniker nennen diesen Sachverhalt nüchtern Vernalisation.

Wie unromantisch...

Und was brauchen wir Menschen? Brauchen wir die Kälte womöglich gleichermaßen? Brauchen wir einen langen Winter, um ein wunderschönes Frühjahr zu erleben? Du jedenfalls bist für solche Fragen viel zu klug. Du kennst deinen aktuellen Standort und Du hast eine Ahnung vom nächsten. Du bist aufmerksamer Zeuge deiner Zeit, ein guter Zuhörer, schneller Denker, und öffnest einem die Augen für bis dato Übersehenes. Man hört, dass es 100 Bekanntschaften bedarf. Also ganz ehrlich: Kennen Sie einen derart emsigen Herpetologen? Ich auch nicht.

Was ist Perfektion? Ein gemeinsames Frühstück? Zum Beispiel mit Gesprächen über die mediale/juristische Verfolgung eines Bundespräsidenten a. D., Parteizugehörigkeiten und die Unfähigkeit der Piraten, Mehrheiten zu gewinnen? Japp. Das ist Perfektion. Schleier vor den Gedanken verschwinden wie die herbstlichen Morgennebel, lösen sich auf, um den neuen Tag gutzuheißen. Der Alltag hat ihn wieder, doch diesmal begegnet er ihm mit einem Lächeln und deutlich weniger Sorgenfalten auf der Stirn. Leben heißt Zweifeln; indes ist das Leben kein Zweifel. Darf es nicht sein. Leben heißt Wagen, Gewinnen, Schenken, Teilen, Verlieren. Vom Anfang bis zum Ende.

Setzen wir die Geschichte Wagen wir es!

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