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Donnerstag, 10. Dezember 2015

Türchen 10 | Adventskalender 2015

Aus Großbritannien erreichen uns in diesen Tagen bedrohliche Nachrichten zum Thema Artenvielfalt. Dort hat eine Langzeitstudie über 40 Jahre hinweg an mehr als 4.400 Pflanzen- und Tierarten sowohl Häufigkeit und Verbreitung als auch deren ökosystemare Funktionen untersucht.

Teilergebnis: Es wird ein signifikanter Artenschwund bei bestäubenden Insekten sowie "Nützlingen" (Schädlingsvertilgung etc.) allgemein nachgewiesen.

Diese Entwicklung sollte uns alle beunruhigen, denn die Widerstandskraft von Ökosystemen kann nicht unendlich strapaziert werden. Der Wegfall einiger weniger Arten ist von einem robusten Gesamtsystem häufig kompensierbar. Fallen jedoch Schlüsselarten aus bzw. gehen deren Bestände dramatisch zurück, kann das ganze System kollabieren.

"However, groups providing pest control or pollination functions have shown greater declines of 16, and 27 % of species, respectively (n=1,447 and 720 species). For pest control, these declines have been largely offset by increases in other species (17 %), but this is less so for pollinating species, of which only 23 % of species are increasing."
(T. H. Oliver et al.)

Quelle: Nature Communications.

Meine Schlußfolgerung aus diesen Daten bestärkt mich im Bestreben, einen weiteren kleinen Beitrag zu Erhalt und Steigerung der Biodiversität zu leisten: Ich werde Imker.

Oliver, T. H. et al.: Declining resilience of ecosystem functions under biodiversity loss. Nature Communications (2015)

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Türchen 9 | Adventskalender 2015

Douglas Tompkins ist tot. Mit Bestürzung las ich heute Mittag diese Nachricht – die Welt hat mit ihm einen großen Umweltschützer und Kämpfer für Nachhaltigkeit verloren.

Im Alter von 47 Jahren verkaufte der Gründer so erfolgreicher Marken wie The North Face und Esprit 1990 seine Firmenanteile, um fortan in Argentinien und Chile riesige Landflächen für den Naturschutz und/oder die Rückgewinnung des ursprünglichen (im Wortsinn) Zustandes zu erwerben. Er focht erbitterte Kämpfe mit Regionalregierungen und Unternehmen aus, verhinderte die Zerschneidung unberührter Regenwälder durch Straßen oder Hochspannungstrassen, etablierte u.a. nachhaltigen Tourismus in Öko-Lodges.

Dienstag, 8. Dezember 2015

Türchen 8 | Adventskalender 2015

Für die katholische Kirsche beginnt heute das Heilige Jahr der Barmherzigkeit – zuletzt gab es vor 15 Jahren eines unter Papst Johannes Paul II. (Motto: "Christus gestern, heute und in Ewigkeit."). Solche Jubiläumsjahre erklärt die Römische Kurie traditionell, um den Glauben ihrer Anhänger zu vertiefen, sie erweitert Buße leisten zu lassen.

Papst Franziskus (am 17. Dezember wird er 79) hat in einer Audienz nach seiner Wahl gesagt:

"Ich erzähle Ihnen eine Geschichte. Bei der Wahl saß neben mir der emeritierte Erzbischof von São Paolo und frühere Präfekt der Kongregation für den Klerus Kardinal Claudio Hummes – ein großer Freund, ein großer Freund! Als die Sache sich etwas zuspitzte, hat er mich bestärkt. Und als die Stimmen zwei Drittel erreichten, erscholl der übliche Applaus, da der Papst gewählt war. Und er umarmte, küsste mich und sagte mir: „Vergiss die Armen nicht!“ Und da setzte sich dieses Wort in mir fest: die Armen, die Armen. Dann sofort habe ich in Bezug auf die Armen an Franz von Assisi gedacht. Dann habe ich an die Kriege gedacht, während die Auszählung voranschritt bis zu allen Stimmen. Und Franziskus ist der Mann des Friedens. So ist mir der Name ins Herz gedrungen: Franz von Assisi. Er ist für mich der Mann der Armut, der Mann des Friedens, der Mann, der die Schöpfung liebt und bewahrt. Gegenwärtig haben auch wir eine nicht sehr gute Beziehung zur Schöpfung, oder? Er ist der Mann, der uns diesen Geist des Friedens gibt, der Mann der Armut. … Ach, wie möchte ich eine arme Kirche für die Armen!"
(Papst Franziskus im März 2013)

Nun also Barmherzigkeit. Mir fallen die Synonyme Nachsichtigkeit, Herzensgüte, Wohltätigkeit, Humanität ein. Ich denke an die weltweiten Krisen, ich denke an unseren Umgang mit der "Schöpfung", ich denke an Verschwendung und Ausbeutung. Ich denke an unsere moderne westliche Hyperkonsumgesellschaft, die sich auf den ersten Blick so weit von Mangelgesellschaften entfernt wähnt. Dabei stehen die scheinbaren Segnungen der Konsumgesellschaft längst nicht all ihren Mitgliedern offen. Ja, Hyperkonsum und Mangel gehen notwendigerweise Hand in Hand, bedingen einander. Die Ungleichheit ist die Hauptursache für Flucht und Vertreibung. Die Ungleichheit und die Sehnsucht einiger nach Überlegenheit, nach Dominanz, lassen Probleme entstehen, die dem Gedanken der Barmherzigkeit diametral entgegenstehen.

Menschen werden getötet, weil sie an einen anderen Gott glauben. Menschen werden getötet, weil sie billige Kleidung herstellen. Menschen werden getötet, weil fossile Energie zum Wirtschaftswachstum beiträgt.

Menschen verlieren ihre Heimat auch, weil Millionen Privilegierte alljährlich und alltäglich Pkw und Flugzeug nutzen. Menschen sind denkende Wesen. Omnipräsente Werbebanner wollen uns Dinge in den Warenkorb legen, von deren Existenz wir bisweilen nicht einmal wussten. Aber Dritte wissen davon, weil wir es ihnen klickweise verraten. Wir leben im Jetzt und nicht selten egoistisch. Wir sollten als Gemeinschaft leben – vorausschauend, planend, bisweilen verzichtend, barmherzig.

NASA Blue Marble 2007 West.

Samstag, 5. Dezember 2015

Türchen 5 | Adventskalender 2015

10 Gründe, warum ich nachhaltig lebe:

1) Weil ich auf dem Land aufgewachsen bin.
2) Weil mich Verschwendung und Übermaß schon immer abstießen.
3) Weil mein Fahrrad 12.000 km im Jahr fährt.
4) Weil ich die Fortbewegung aus eigener Kraft liebe.
5) Weil Produkte der ökologischen Landwirtschaft qualitativ unübertroffen sind.
6) Weil mein Garten eine Oase für Singvögel und Insekten ist.
7) Weil sie das beste Brot der Welt backen kann. Und den besten Kuchen. Und...
8) Weil Tauschen, Teilen, Reparieren wirklich Spaß machen.
9) Weil das gegenwärtige Wachstums-Mantra u.a. ökologische Kosten externalisiert.
10) Weil mich die "Kommt-doch-hinten-raus"-Mentalität ankotzt!


Donnerstag, 3. Dezember 2015

Türchen 3 | Adventskalender 2015

Wenn wir heute über Nachhaltigkeit sprechen, dann geschieht das nicht selten mit dem Duktus des Neuen, des Revolutionären, des Fortschrittlichen. Dabei ist Nachhaltigkeit weder neu noch revolutionär - sie ist schlicht das eherne Grundprinzip des Wirtschaftens mit begrenzten Ressourcen.

Naturliebhaber wissen, wovon die Rede ist. Sie kennen das Prinzip der Räuber-Beute-Beziehungen, sie kennen das Prinzip der Kreislaufwirtschaft, sie kennen die Regeln funktionierender Ökosysteme, weil sie mit offenen Augen ihre Umwelt wahrnehmen. Einer, der erfolgreich die Eigenschaften des Naturliebhabers mit den Gaben eines Dokumentarfilmers, Fotografen und unaufdringlich ehrlichen Advokaten der globalen Ökosphäre zum Zwecke der Umweltbildung breiter Massen einsetzt ist Andreas Kieling.

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Türchen 2 | Adventskalender 2015

"Wirklich etwas erreichen können wir aber erst, wenn wir die Zusammenhänge, das große Ganze verstehen. Wenn alle Betroffenen zusammenarbeiten, können wir das lineare System in ein neues umwandeln, das keine Ausbeutung von Ressourcen und Menschen mehr zulässt."
– Annie Leonard

Dienstag, 1. Dezember 2015

Türchen 1 | Adventskalender 2015

"O heilige Natur! Wie oft musst du der Mode weichen und Menschensatzungen Platz machen."
– Caspar David Friedrich

Der schwedische Chemiker Svante August Arrhenius erkannte bereits im späten 19. Jh. die Bedeutung des Kohlendioxids für das Klima der Erde, 1895 präsentierte er seine Theorie zum Treibhausgaseffekt. Einen wissenschaftlich fundierten Nachweis der positiven Korrelation zwischen veränderter Landnutzung sowie dem Verbrennen fossiler Energieträger und steigender atmosphärischer CO2-Gehalte lieferte erstmals Charles David Keeling Ende der 1950er-Jahre. Die Keeling-Kurve gilt seitdem als Beleg der vom Menschen verursachten Klimaerwärmung; seit 1988 werden die globalen Erkenntnisse zum menschengemachten Klimawandel vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) zusammengefasst und im 6-Jahres-Rhythmus publiziert.

Wie oben erwähnt, darf man nicht nur die reinen Emissionen im Blick haben, sondern muss gleichsam auf die Landnutzung achten. Mehr als zwei Drittel des globalen Kohlenstoffs sind in den Wäldern und Graslandschaften gespeichert - schwinden sie (unter anderem deswegen!), verlieren wir wertvolle Speicher, die Jahrzehnte zur Wiederherstellung benötigen.

Freitag, 3. Juli 2015

Ein Gartendinner in der ANNALINDE | 26.06.2015

Haben Sie Lust auf Gemüse und Kräuter aus eigenem Anbau, auf Brot aus dem Lehmbackofen, auf Vogelgezwitscher, Sommertheater und ökologische Landwirtschaft? Ja? Aber? Sie glauben, dass alles gibt es nur auf dem Land, weit weg von der Großstadt, irgendwo im Nirgendwo? Nun, in Leipzig ist das anders - hier ist das "gute Landleben" Ihr direkter Nachbar: Unter dem Dach der ANNALINDE gGmbH in Leipzig-Lindenau.

Was kann schöner sein, als...
Frisch prämiert mit dem Leipziger Agenda-Preis 2015 in der Kategorie Unternehmen wurde aus dem Projekt einer Handvoll junger, engagierter Menschen zur urbanen Landwirtschaft innerhalb weniger Jahre ein immer breiter aufgestellter Dienstleister in den Bereichen Naturschutz, Landschaftspflege und Umweltschutz; Jugend- und Altenhilfe; Kunst und Kultur; Erziehung und Berufsbildung; bürgerschaftliches Engagement.

Das Areal hinter dem Felsenkeller beherbergt Bäume und Hochbeete mit großer Sortenvielfalt vom Apfel bis zur Zucchini, es gibt ein Gewächshaus, einen Kompost, Rasenflächen, Bienenstöcke, eine Schaukel, ein Baumhaus. Ort des Rückzugs vom Großstadttrubel und Lernort gleichermaßen will die ANNALINDE sein. Seit kurzem gehört eine ehemalige Stadtgärtnerei mit 3.000 m² Fläche zur Gesellschaft, die dort gezogenen Jungpflanzen finden direkten Eingang in den regionalen Wirtschaftskreislauf. Ziel ist die Selbstversorgung inmitten der Stadt und die Vermittlung von Wissen rund um den Komplex geschlossene Kreisläufe mit den zentralen Merkmalen regionale Produktion + regionaler Konsum.

Dienstag, 30. Juni 2015

10 Milliarden - Wie werden wir alle satt?

Machen wir uns nichts vor: Viele Menschen glauben von sich, richtig zu handeln, korrekt zu leben, fair zu kaufen. Und dem Rest ist es einfach scheißegal?
Nun, leider ist die letztgenannte Aussage unter anderem auf einen Teil meines privaten Umfeldes zutreffend - und sowas schmerzt ganz besonders. Filme wie der aktuelle von Valentin Thurn gehören nicht nur in den Schulunterricht, nein, sie gehören in jeden Haushalt und in jedes Wohnzimmer, liefern sie doch wertvolle Argumente pro nachhaltige Ernährung und kontra unverantwortlichen Lebensmittelkonsum. Wie aber schafft man ein Bewusstsein für das eigene Tun im regionalen und globalen Kontext, wenn das Gegenüber beispielsweise mit Aussagen à la "Kommt doch hinten raus!", angesprochen auf CO2- und Feinstaubemissionen seines Pkw, retourniert?

Meine Antwort mag erstaunen: Unbeirrt den eigenen Weg weiterverfolgen - Vorbild sein. Denn was einst mit der Übernahme von grünen Inseln - Rasenflächen, die nicht im 7-Tagesrhythmus gemäht werden - in der hiesigen Nachbarschaft begann, muss beim an Schönwettertagen (immerhin!) praktizierten Fahrradeinsatz für den 10 km-Arbeitsweg lange kein Ende finden. Insofern bin ich zuversichtlich, die Welt durch das eigene Vorleben und (Vor)schreiben ein winziges Stück besser machen zu können.

Teil meiner, Teil unserer Mission, ist die stete Bereitschaft, dazuzulernen, eigene Standpunkte zu hinterfragen, scheinbare Fakten nicht als Dogmen auf den Thron zu heben.
So hält es auch der vorliegende Film, der dort anknüpft, wo "Taste the Waste" aufhört.

Donnerstag, 14. Mai 2015

Bärlauchbratlinge, Gierschsalat & Waldmeistersmoothie - ein Wildkräuter-Workshop

Rad gefahren sind wir am Männertag auch, doch unsere Tagesziele hatten eher mit botanisch-kulinarischer Neugierde denn mit alkoholinduzierter Glückseligkeit zu tun. Diesmal bedurfte es keiner 200 km wie anno 2014 bis zum ersten Etappenziel, nach 17 km schon stellten wir die Rennräder auf dem 2 ha großen Areal des Botanischen Gartens Oberholz in Großpösna ab.

Das hiesige Team aus Biologen, Pädagogen und naturkundlich Interessierten ist sehr bemüht, die Außenwahrnehmung der Einrichtung zu schärfen, ihre mannigfaltigen Angebote in attraktive Veranstaltungen zu schnüren. Insofern waren wir zwei auch ein klein wenig Versuchskaninchen bei der Erstauflage des "Wildkräuter-Workshops". Ich musste schmunzeln als wir uns - mit Sammelschüsseln und Messern bewaffnet - vorbei am rosterausspuckenden Grill der Herrengesellschaft ab 10.35 Uhr auf Bärlauchjagd begaben. Vornehmlich weiblich war das Publikum der Sammler-Fraktion, einige Herren (die Kids eingeschlossen) begleiteten uns dennoch (ob aus ehrlichem Interesse oder zur Wahrung des Familienfriedens blieb offen :-)). Meine Erfahrungen mit essbaren Wildpflanzen allgemein fußen auf diverser Survival-Literatur, u.a. von Rüdiger Nehberg.

Sonntag, 12. April 2015

Ein veganer Sonntagsbrunch in Brandis


Der am 17. Mai 2015 nach 10 Amtsjahren als Pfarrer der Kirchgemeinde Brandis-Polenz in den Ruhestand wechselnde Herr Dr. Ulrich Seidel ist überzeugter Veganer, erster Vorsitzender der Aktion Kirche und Tiere (AKUT) e.V. sowie Kuratoriumsmitglied des Institutes für Theologische Zoologie.

Dr. Ulrich Seidel.
Karen Kriegel-Bunk.

















"Seit vielen Jahren liegt mir das Thema des Umganges von uns Menschen mit den Tieren am Herzen. Mein Vater weckte als Biologielehrer in mir die Liebe zur und die Achtung vor der Natur. Später beeindruckten mich Fernsehsendungen, die hinter die Fassaden von Tierfabriken und Schlachthöfen leuchteten. Dazu kamen Begegnungen mit Vegetarierinnen und Vegetariern und mein Engagement im "konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung" in der ehemaligen DDR. Ich bekam einen Blick für die weltweite Gerechtigkeit und die verheerenden Folgen unseres Lebensstils für Menschen, Tiere und die Natur."
(Dr. Ulrich Seidel)

Auch uns liegt das Tierwohl am Herzen, wir lehnen Massentierhaltung ab, kennen den ökologischen Fußabdruck von Schnitzel, Steak und Roastbeef, ernähren uns vegetarisch. Der verbreitete, gedankenlose Fleischkonsum widert uns an, die Billig-Billig-Billig-Mentalität beutet uns nicht nur aus, sie degradiert Tiere zur schlichten Ware. Der Respekt früherer Generationen gegenüber den zur Schlachtung bestimmten Haustieren ist durch die industrielle Fleischproduktion - ein abscheuliches Wort!!! - gänzlich verloren gegangen. Was zählt ist einzig der Profit, das Lebewesen ist bloßer Teil einer ständig rotierfenden Konsumwalze, deren Motto lautet: Mehr, schneller, billiger!

Montag, 2. März 2015

Nennen wir ihn Max

Eine Kleinstadt irgendwo in Deutschland. Sie könnte im Westen, im Norden, im Osten, im Süden liegen, völlig egal. Die örtliche DHL-Filiale befindet sich in einem Edeka-Geschäft, seit Mitte der 1990er Jahre existiert im Ort kein eigenständiges Postgebäude mehr. Der Konzern hat seine Dienstleistungen breitflächig outgesourced [sic!] und an lokale Kleinunternehmer Lizenzen zu deren Bereitstellung vergeben - das Prinzip Franchising.

Max, Mitte 40, erwartet ein Paket und möchte es am Nachmittag dieses Montags abholen. Er hat eine abgeschlossene Berufsausbildung, ist verheiratet, zwei Kinder leben mit auf dem elterlichen Hof. Sie wohnen gerne auf dem Land. In seiner Freizeit besucht er Spiele der regionalen Fußballclubs, bei passendem Wetter geht er mit seinem Kumpel am nahegelegenen See angeln. Wohnhaus und Edeka trennen exakt 196 m, man kann die direkte Luftlinie auf dem Fußweg zurücklegen. Max mag aber nicht laufen und steigt lieber in seinen Honda CR-V, ein SUV mit gut 1,5 t Leergewicht. Er biegt nach links ab, denn der direkte Weg zum DHL-Schalter ist verkehrsrechtlich eine Einbahnstraße. Max fährt 540 m mit dem Pkw um den Block, um direkt vor dem Discounter zu parken. Dort holt er ein Paket ab mit geschätzten Maßen von 70 x 30 x 30 cm. Man kann das Paket problemlos unter den Arm klemmen, Max zeigt das auf dem Weg zurück zum Auto.

Fußweg: 400 m; Fahrstrecke: 868 m.

Die BILD-Zeitung liegt auf dem Armaturenbrett, aus der schwarzen Hose von Engelbert Strauss wird eine Lucky Strikes-Packung gezogen. Max steigt ein und rollt die 228 m durch die Einbahnstraße zurück zum Startpunkt. Auf dem Beifahrersitz liegt sein Paket.

Max ist ein Fossil, das sich in bester Gesellschaft befindet. Ihr Maßstab ist keine Suffizienzstrategie, ihr Maßstab ist die Beibehaltung des bequemen, des von der Generation vor ihnen und, ja, auch lange Zeit von der Politik (im Grunde bis heute!) unzureichend infrage gestellten Lebensstils. Globale Probleme und Herausforderungen werden als "global" und nicht gleichzeitig "lokal" rezipiert. Der besorgniserregende Ressourcenverbrauch unserer europäischen Zivilisation beispielsweise betrifft aber jeden einzelnen - allein drei Erden wären nötig, würde jeder Mensch diese Lebensweise praktizieren. Denkt Max darüber nach, was er sich morgens zum Frühstück auf den Tisch stellt? Denkt Max über seine Wege und deren Optimierung nach (Fahrgemeinschaften, ÖPNV, nichtmotorisierter Individualverkehr)? Denkt Max über seine Urlaubsziele nach, vermeidet er Fernreisen? Denkt Max über die Wahl seines Stromanbieters nach? Denkt Max über seinen Alkohol- und Fleischkonsum nach? Redet Max mit seiner Familie, seinen Freunden, seinen Kollegen darüber?

Kennen Sie Max? Aus dem Spiegel?

Freitag, 12. Dezember 2014

Türchen 12 | Adventskalender 2014

"Sturm im Dezember und Schnee,
dann schreit der Bauer Juchhe."

"Dezember kalt mit Schnee -
niemand sagt o weh!
Dezember warm -
dass Gott erbarm."

Wissenshäppchen für den Smalltalk am Glühweinstand:

Was schmerzt da beim Seitenstechen?

Ich gehe davon aus, dass meine Leser ein aktives Wochenende vor sich haben und ein paar Stunden mit Bewegung an der frischen Luft verbringen werden. Sicherlich ist dem einen oder der anderen schon das leidige Phänomen des Seitenstechens widerfahren, zu dessen Entmystifizierung wir heute beitragen wollen.

Die Trennwand zwischen Brust- und Bauchraum - das Zwerchfell - ist unser wichtigster Atemmuskel. Während körperlicher Anstrengung, wie beispielsweise einer Laufeinheit, verbrauchen insbesondere die Beine eine große Menge Sauerstoff. Andere Bereiche unseres Körpers werden nicht mehr ausreichend versorgt und erfahren einen Sauerstoffmangel. Dieser Effekt betrifft auch das Zwerchfell, das gleichzeitig aber aufgrund der tieferen und schnelleren Atmung überdurchschnittlich viel leisten muss. Die Folge sind stechende Schmerzen. Wer viel mit diesem Problem zu kämpfen hat, sollte erstens langsamer laufen, sodass eine ausreichende Sauerstoffversorgung gewährleistet wird. Zweitens sollte er sein Training nicht unmittelbar auf den Genuss einer Mahlzeit folgen lassen, denn dann benötigt der Magen besonders viel Blut zur Verdauung.

Warum verwenden nicht alle Länder die gleiche Stromspannung?

Dienstag, 2. Dezember 2014

Türchen 2 | Adventskalender 2014

"Dezember dunkel und nicht sonnenklar
verheißt ein gutes, ein fruchtbar Jahr."

Gestern ist sie gestartet, die UN-Klimakonferenz in Lima. Bis zum 12. Dezember tagen in der peruanischen Hauptstadt nun die Vertreter der Staaten mit dem Ziel, ein neues Klimaabkommen im nächsten Jahr in Paris verabschieden zu können. In den kommenden zwei Wochen werden rechtliche Grundlagen, Maßnahmen zum Klimaschutz sowie konsensfähige Ziele auf Basis vergleichbarer Bezugsgrößen der verschiedenen Länder diskutiert und so hoffentlich einige der Hürden von Kopenhagen aus dem Weg geräumt - um ein erneutes Scheitern 2015 in Paris auszuschließen. Verbindliche Reduktionsziele der globalen Treibhausgasemissionen müssen möglichst rasch beschlossen werden, denn die menschengemachte Erwärmung der Erde mit schon heute spürbaren Implikationen muss auf ein Minimum begrenzt werden. Am 5. Dezember wird das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) den Emissions Gap Report 2014 veröffentlichen, indem zum vierten Mal in Folge die Lücke zwischen den von der Staatengemeinschaft bis dato zugesagten Emissionsminderungen und denen, die nötig wären, um die Erderwärmung auf maximal 2 °C bis zum Ende des Jahrhunderts zu begrenzen, deutlich wird.

Montag, 13. Oktober 2014

Der Welthungerindex 2014

Zum neunten Mal veröffentlichte heute die Deutsche Welthungerhilfe in Bonn gemeinsam mit zwei weiteren Organisationen den Welthungerindex (WHI).

Der WHI-Wert (0-100) berechnet sich aus dem jeweiligen
  • Anteil der Unterernährten an der Gesamtbevölkerung,
  • dem Anteil untergewichtiger Kinder unter fünf Jahren an allen unter Fünfjährigen eines Landes
  • sowie dem Anteil der Kinder, die vor dem fünften Lebensjahr sterben.
Hunger ("Qual durch den Mangel an Nahrung") bedeuten Werte > 5, Werte über 10 gelten als ernst, Werte über 20 als sehr ernst, Werte über 30 als gravierend. Erfasst werden für den WHI nur Entwicklungs- und Schwellenländer.

Beitrag der drei Indikatoren zum Gesamtwert des WHI 1990, 1995, 2000, 2005 und 2014 nach Regionen. Quelle: Pressemappe Welthunger-Index 2014

Das Ziel der UN, den weltweiten Hunger im Zeitraum 1990 bis 2015 zu halbieren, wird ebenso wie andere Millenniumsziele nicht erreicht. Trotzdem sich der WHI bis heute um 39 % verbessert hat, leiden nach wie vor 805 Millionen Menschen an Hunger und Unterernährung ("Chronisches Kaloriendefizit (1800 kcal/Tag) und/oder Unterversorgung mit Nahrungsenergie, Protein- und Mikronährstoffen").

Prozentualer Anteil der Bevölkerung mit ausgewählten Mikronährstoffdefiziten. Quelle: Pressemappe Welthunger-Index 2014

Samstag, 4. Oktober 2014

Greenpeace Ice Ride 2014 - Radeln für den Schutz der Arktis

Die Ausdehnung des arktischen Meereises befindet sich seit Jahren auf einem Abwärtstrend. Hauptursachen hierfür sind steigende globale Durchschnittstemperaturen aufgrund des anthropogenen Treibhauseffekts und dadurch ausgelöste zahlreiche Rückkopplungseffekte, bspw. durch veränderte Albedowerte des Arktischen Ozeans.

Juli-Mittelwerte der Meereisausdehnung in der Arktis im Zeitraum der Jahre 1972 bis 2014. Die graue Trendlinie zeigt den deutlichen Rückgang der Meereis-Fläche. Quelle: Alfred-Wegener-Institut/Universität Bremen

Nach Überschreiten des Kipppunktes in der Westantarktis im Frühjahr drohen ähnliche Szenarien sowohl für das grönländische Inlandeis als auch für das arktische Meereis - mit verheerenden Auswirkungen auf die Ökosysteme der Polarregionen, den weltweiten Meeresspiegel, die Thermohaline Atlantikzirkulation und die atmosphärische Zirkulation (Stichwort Hurrikan Sandy).



Ich, Sie, wir alle tragen einen Teil zum Klimawandel bei. Ich, Sie, wir alle können diesen Anteil verringern.

Dienstag, 2. September 2014

Wachstum neu denken | Degrowth 2014 in Leipzig

Es waren einmal die 50er Jahre. Hohe jährliche Wachstumsraten - zwischen 7 % und 12 % - des realen Sozialprodukts, steigender materieller Wohlstand sowie der Abbau der Arbeitslosigkeit trotz Zustroms von Flüchtlingen und Arbeitsmigranten (Arbeitslosenquoten 1950: 10,4 %; 1965: 0,7 %) prägten das deutsche Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit. Dazu beigetragen haben neben günstigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen (in jener Zeit wurde der Grundstein zum deutschen "Exportweltmeister" gelegt) und ausländischen Finanzhilfen vor allem die soziale Marktwirtschaft in Verbindung mit einer Währungsreform und der Leistungsbereitschaft, dem Aufbauwillen von Arbeitern wie Unternehmern gleichermaßen.

Die Nachkriegsrezession 1966/67 führte zu einer ersten Trübung des grenzenlosen Optimismus, knapp die Hälfte der etwa eine Million zählenden ausländischen Arbeitskräfte kehrte Deutschland den Rücken. Vorläufig, denn nach Ende der Rezessionsphase stiegen die Zuwanderungszahlen erneut stark an. Schon 1973 waren 2,6 Millionen ausländische Beschäftigte in Deutschland tätig - deren Familien eingeschlossen lebten ca. 3,5 Millionen Ausländer in der Bundesrepublik. Die Ölkrise bewirkte keine große "Rückreisewelle", vielmehr verlängerten infolge eines Anwerbestopps zahlreiche Menschen ihre Aufenthaltsgenehmigung.

Zum 31.12.2012 lebten 6.640.290 Menschen ausländischer Herkunft in Deutschland, das entsprach 8,2 % der Gesamtbevölkerung.

Donnerstag, 15. Mai 2014

17. Hoffest auf dem Landgut Nemt | 11. Mai 2014

Das Programm zum 17. Hoffest in Nemt und Dehnitz.
Am Ostrand der Leipziger Tieflandsbucht befindet sich die Ringelnatzstadt Wurzen. Den meisten dürfte das rechts der Mulde gelegene Mittelzentrum besonders aufgrund seiner Marke Wurzener Nahrungsmittel GmbH und den darunter firmierenden Produkten wie etwa Mehl, Reis, Haferflocken und diverser Müslis ein Begriff sein. Uns interessierten auf der jüngsten Sonntagsradtour ebenfalls die Lebensmittel - konkret jene auf dem Landgut Nemt, drei Kilometer von Wurzen entfernt gelegen, produzierten.

Passend zum internationalen Tag der Milch (in Sachsen war heuer das Landgut Nemt Gastgeber) lautete das Motto des Hoffestes: "Die Milch macht's". Was lag also näher, als gleich zu Beginn dem Stall einen Besuch abzustatten. Etwa 700 Milchkühe der Rasse Holstein-Frisian gehören zum Unternehmen, das sich den Prinzipien des ökologischen Landbaus verschrieben hat. Die Tiere werden in einem "Außenklimastall" gehalten, in dem sie sich frei bewegen können, jede Kuh ihre eigene Box mit Strohunterlage hat und nur Futter aus Eigenanbau verfüttert wird.


Es schmeckt. :-)

Samstag, 18. Januar 2014

Wir haben es satt!

Manche Zufälle sind unheimlich. Nachdem wir es am gestrigen Abend bei Minute 30 nicht mehr ausgehalten haben und den Film stoppen mussten, ging es heute früh gemeinsam mit zwei Demonstranten im Zug nach Berlin. Getreu meinem Vorsatz (sofern zeitlich und logistisch vertretbar), das Auto stehen zu lassen, hatte ich nämlich eine MFG in die Bundeshauptstadt mit fünf Zufallsbekanntschaften organisiert.

Original...
...und Komposition.

















Nach einem sportiv nachhaltigen Termin im wohlhabenden Teil der Arm, aber sexy-Stadt, schlossen wir uns den ca. 30.000 engagierten Menschen hinter dem Brandenburger Tor an und zogen mit vor das Bundeskanzlerinnenamt.

Mittagessen im Tiergarten.
Leider (!) muss das Bündnis "Wir haben es satt!" nach wie vor regelmäßig (Premiere im Jahr 2011) zum Auftakt der Grünen Woche (weltweit größte Messe für Landwirtschaft und Gartenbau, seit 1926 jedes Jahr in Berlin) auf die immanent wichtigen Themen Natur- und Tierschutz auf dem Agrarsektor aufmerksam machen. Denn es liegt vieles im Argen, denn es stinkt vieles zum Himmel. Die Forderungen nach einer politisch unterstützten Abkehr vom Pfad der reinen Gewinnmaximierung auf Kosten von Tier und Umwelt wurden auf zahlreichen Plakaten, an Infoständen und über Redebeiträge auf einer Bühne neben der Schweizerischen Botschaft kommuniziert.

Dem deutschen Volke sein tägliches Fleisch gib uns heute...

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir...

vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern...

erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft...

Freitag, 10. Januar 2014

Jonathan Safran Foer: Tiere essen

Ein Gastbeitrag von Kati

Zugegeben, die scheinbar unerschöpflichen sowohl öffentlichen als auch medialen Diskussionen zu den Themen Gesunde Ernährung bzw. Fleischkonsum, Vegetarismus, Veganismus und dergleichen mögen bei dem einen oder anderen mitunter das Gefühl hervorrufen, dass es irgendwann zu viel des Guten ist. Dass es doch bitte weiterhin jedem selbst überlassen sein sollte, für welche Ernährungsweise er sich entscheidet. Nun, es bleibt weiterhin jedem selbst überlassen. Man muss dann allerdings bereit sein, diversen unbequemen Wahrheiten auf dem Feld der Ernährung offen ins Auge zu schauen, sich ehrlich zu deren Existenz und der eigenen Mitverantwortung bekennen.

Ja, eine einseitige Ernährung ist ungesund, ein hoher Fleischkonsum klimaschädlich und die Aussage, dass Veganer grundsätzlich gesünder leben, mit Vorsicht zu genießen - im Prinzip wissen wir das alles. ODER?