Freitag, 5. September 2014

Die Schwalben reisen ab

Erst Mitte Mai, verhältnismäßig spät im Jahr, kehrten unsere temporären Untermieter heuer aus den Winterquartieren ins Leipziger Land zurück. Dafür war die anschließende Brut umso erfolgreicher, konnten circa 40 Juvenile in diesem Sommer bei uns zu Hause das Licht der Welt erblicken. Aufgrund der überwiegend wechselhaften Witterung hatten es die insgesamt sieben Brutpaare nicht immer leicht, ihren Nachwuchs über die Runden zu bringen - speziell während der zweiten Brut ab Juli kam es zu Verlusten.

Raubtierfütterung I.

Raubtierfütterung II.

Rauchschwalben (Hirundo rustica) ernähren sich von Fluginsekten, hauptsächlich Fliegen, Mücken und Käfern. Für die Fütterung von sechs Jungtieren wird bis zum Ausfliegen derselben über 1 kg Protein (= > 100.000 Insekten!) benötigt. Die Tiere leben während der Brutsaison monogam, nicht selten brüten auch die Partner des Vorjahres erneut gemeinsam. Das Männchen wählt den Nistplatz (häufig bereits bestehende Nester), das Weibchen brütet anschließend allein die 3 bis 6 Eier für eine Dauer von etwa zwei Wochen - witterungsabhängig - aus. Drei Wochen nach dem Schlüpfen verlassen die Jungtiere das Nest, verbleiben jedoch in der Nähe und werden dort von den Alttieren noch einige Tage lang gefüttert.

Problematisch nicht nur bei Schwalben ist der Parasitenbefall durch Lausfliegen.

Diese Tiere sind dermaßen gut an das Leben und Blutsaugen im Federkleid angepasst, dass man sie ohne Pinzette, nur mit den Fingern, praktisch nie zu greifen bekommt. Verirrt sich eine Schwalbe bei geöffneter Haustür in das Wohnhaus, fange ich sie meist benommen am Fenster und inspiziere ihr Gefieder. Noch nie hielt ich ein Tier in Händen, das frei von diesen Schmarotzern war.

Man hat eine positive Korrelation zwischen Nutztierhaltung und Rauchschwalbenvorkommen entdeckt. Ställe, die ihrem Zweck entsprechend genutzt werden, ziehen die Tiere an, denn hier ist es gleichmäßig warm bei obendrein auskömmlichem Nahrungsangebot. In Stadt und Landkreis Leipzig leben in der Saison ca. 4.000 Brutpaare, 12 % davon im Stadtgebiet. Noch vor 40 Jahren waren im Sommer knapp 6.000 Brutpaare in der gleichen Region heimisch. Die Ursachen für den Rückgang sind in der intensivierten Landwirtschaft mit erhöhtem Düngereinsatz ebenso zu suchen wie im verringerten Angebot an Nistplätzen infolge der Aufgabe dörflicher Wohnstrukturen oder aus Naturschutzsicht unsachgemäßer Gebäudesanierungen.











Jetzt ab September verlassen die eleganten Jäger ihre Brutgebiete und treten die Reise in die Überwinterungsgebiete an. Direkte Verfolgung während der Reise und nach der Ankunft führen jedes Jahr zu Verlusten der Population, denn während wir in Deutschland beispielsweise mit einem Schwalbenmonitoring jedes neue Brutpaar freudig empfangen, gelten die Tiere in den afrikanischen Staaten als willkommene Delikatesse.

Im Südosten Nigerias versammeln sich zwischen Oktober und März alljährlich zwischen zwei und sechs Millionen Rauchschwalben. Zehntausende der Tiere enden gegrillt als Proteinquelle der Einheimischen. Öffentlichkeitsarbeit deutscher Umweltschützer, Bildung vor Ort, eine Schneckenfarm und der Tourismus als regionale Einnahmequelle sollen helfen, die Schwalben zu schützen. Auf dass zahlreiche Ornithologen ins Grenzgebiet zu Kamerun reisen und lautstark einen Schutz (nicht nur) dieser Vögel einfordern.



Drücken wir den Zugvögeln die Daumen für die weite Reise und freuen wir uns auf die hoffentlich zahlreiche Rückkehr im nächsten Frühjahr!

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