Samstag, 28. Februar 2015

Models, Museen, Weltkulturerbe und Wildrinder

Nachdem ich am 7. Februar in fotografischer und geologischer Mission im Elbsandsteingebirge unterwegs gewesen bin, hieß es in der Mitte des Monats: Gemeinsam den Nationalpark Harz erkunden.

51° 47' 57" N / 10° 36' 56" O

Das Auto ist am Morgen dieses Mittwochs gut gefüllt, denn zwei Mitfahrer haben sich auf meine Annonce gemeldet. Blablacar lohnt sich für drei Seiten gleichermaßen, nämlich für die Umwelt, für die Mitfahrer und für die Spritkasse. Gewiss kann man keinen Gewinn erzielen, allein das gute Gefühl, in einem vollen statt halbleeren Pkw zu reisen, ist den kleinen organisatorischen Aufwand jedoch allemal wert.

Ein Abstecher zum Blauen Auge des Mansfelder Landes - dem Süßen See - lässt die Monotonie der Autobahn zugunsten schöner Landstraßen im Harzvorland weichen. Wir geniessen die herrliche Wintersonne und hängen unseren Gedanken nach, während sich draußen die Landschaft von der Tieflandsbucht hin zum Mittelgebirge wandelt. Eisleben, Aschersleben, Nachterstedt, Quedlinburg, Thale - es gibt so viel zu entdecken, soviel zu lernen. Ich habe das Glück, meine Neugier auf Kultur und Natur nicht nur als privates Hobby ausleben zu dürfen, sondern auch tagtäglich andere Menschen (mal mehr, mal weniger erfolgreich ;-)) damit in Kontakt zu bringen.

Die Rosstrappe werden wir heute nicht zu Gesicht bekommen, doch eine ähnliche Aktion wie im Dezember 2013 schwebt mir für dieses Jahr sofort vor Augen, als die ersten Anzeichen der Teufelsmauer in der Umgebung auftauchen. Die sich hebende Harzscholle richtete in der Oberen Kreidezeit vor 100 Millionen Jahren die Schichten des Buntsandsteins, Muschelkalks, Keupers sowie der Kreide steil auf. Spätere Abtragung modellierte an verschiedenen Stellen Höhenrücken heraus - so zwischen Thale und Blankenburg aus dem Heidelbergsandstein die Teufelsmauer.

Wir erreichen unser schönes Domizil am Ufer der Bode gegen 13 Uhr, packen um und brechen schon eine Stunde später wieder auf nach Schierke. Der Ausgangspunkt für Wanderungen auf den Brocken liegt nur 21 Fahrminuten westlich des Quartiers - perfekt für meinen/unseren Höhepunkt des Tages. Dem Wanderer bieten sich im Prinzip drei sinnvolle Optionen zur Routenwahl auf den höchsten Berg Norddeutschlands. Wir entscheiden uns für die kürzeste und steilste, bereuen den Entschluss allerdings recht schnell.

Auf dem Eckerlochstieg.

Denn vereiste und durch Rodler glatt gebügelte Passagen verwandeln den Eckerlochstieg in einen Eckerlochschleichpfad, auf dem man sich permanent vor unliebsamer Kontaktaufnahme mit dem Untergrund zu hüten hat. Das Ganze ist kein Genuss und ich ärgere mich, K.s Gipfelsturm derart erschwert zu haben.


Kurz vor 17 Uhr passieren wir die Endstation der Brockenbahn, nur noch vereinzelt halten sich Besucher auf dem Gipfel auf. Mein Sherpa (im Wortsinn) erkennt das erste gute Fotomotiv natürlich wie beiläufig vor dem Autor, sogleich nutze ich diese Gelegenheit zur Aktivierung des Suchermodus und versinke für 40 Minuten in meiner eigenen Welt.

Mann mit Hund.

Marcus Jacobs mit Malou.












Marcus Jacobs aus Winsen (Aller) begleitet uns mit Labradorhündin Malou gegen 17.40 Uhr zurück ins Tal. Der Profifotograf erzählt von seiner abwechslungsreichen Arbeit, gibt mir Tipps zu Bildarchivierung und Ausrüstungswahl. Wir hören von vier deutschen Models, die für die Produktion eines Forsttechnik-Kalenders nach Schweden eingeflogen werden, fahren im Geiste auf KTMs durch das Baikalgebiet und sitzen in der ersten Reihe bei Misswahlen. Marcus' Arbeiten sind sehr breit gefächert und keinesfalls auf Hochzeits- oder Pressefotografie beschränkt. Ich würde sofort zusagen, wenn sich die Chance zur Produktion eines Zeitungsmagazins im Stile der Ausgaben von SZ oder ZEIT bzw. für Magazine auf Reisen zu gehen böte. Lieber Marcus, herzlichen Dank für deine Zeit und bis bald!

Marcus' Bericht auf seinem Blog

51° 49' 59" N / 10° 47' 4" O

Jeder gute Tag beginnt mit einer Sporteinheit. Unsere heutige führt als Rundkurs 11 Kilometer aus dem Bodetal über verschneite Waldwege zur Staumauer der Rappbodetalsperre und mit wärmenden Sonnenstrahlen im Rücken von maximal 510 m NN auf 390 m NN. Anschließend starten wir voller Vorfreude auf einen sonnigen Nachmittag in Richtung Wernigerode - und landen in dichter Hochnebelsuppe. Zwischen Elbingerode auf 470 m NN und Wernigerode auf 250 m NN liegen ein Höhenzug des südöstlichen Harzes mit maximal 530 m NN und lediglich 12 km Wegstrecke. Was aus logistischer Sicht eine Kleinigkeit ist, stellt sich bei der aktuellen Wetterlage wie der Wechsel von Tag zu Nacht dar. Das nordöstliche Harzvorland liegt unter einer Hochnebeldecke, die die kalte Luft einschließt. Die Kraft der Sonne reicht in den Wintermonaten nicht aus, um diesen Vorhang zu lichten und auch Wind wird ausbleiben. Wir müssen die schmerzhafte Tatsache akzeptieren, den Nachmittag bei Temperaturen um die 0 °C anstelle der morgendlich gefühlten 8 °C und bei 9/8-Bewölkung zu verbringen.

Wir erschließen uns "Die bunte Stadt am Harz" über die Lindenallee, stapfen durch den Wald hinauf zum Agnesberg. Ein mir seit Jahren in Erinnerung gebliebenes Kalendermotiv - es zeigt das Schloß Wernigerode hinter herbstlich gefärbten Rotbuchen - wurde von hier oben aufgenommen. Leider können wir aktuell die Lage des Schlosses nur erahnen, sodass der Abstieg ins Stadtzentrum nach einer Tasse Tee mit Wehmut erfolgt.

Heute sieht man nur Spukschlösser.

Das Efeuhaus.


Im frühen 12. Jh. erstmals urkundlich erwähnt, birgt das sachsen-anhaltische Mittelzentrum mit seinen ca. 33.500 Einwohnern einen wahren Schatz an Stadtgeschichte (seit 1229 besteht Stadtrecht). Die Hochschule Harz, ein Robert-Koch-Institut, ein Fraunhofer-Institut, vier Gymnasien, Berufsschulen, Volkshochschule, Kreismusikschule sowie der Sitz des Amtsgerichts machen Wernigerode neben seiner pittoresken Fachwerkarchitektur, dem Schloß und dem Sitz der Hasseröder Brauerei zentral für das ansonsten eher dünn besiedelte Harzvorland einerseits und für die so wichtigen Einnahmen aus dem Tourismus andererseits.



Das "Kleinste Haus". Mitte des 18. Jh. gebaut mit 4,20 m Höhe bis zur Dachrinne, 2,95 m Breite, 1,70 m hoher Tür. Der einzige Raum des Hauses besitzt 10 m² Wohnfläche. Heute steht es leer.

Die Kochstraße.






Nomen est omen.

Das bekannte Rathaus von Wernigerode.


Darf nicht fehlen...

...dito.

Die Qualität ist hervorragend, dennoch: Der Kaffee könnte größer sein, die Preise kleiner.

Dem unten gezeigten Rundgang durch die Innenstadt folgte ab 18.30 Uhr ein Angebot des 8. Harzer Kulturwinters - Rauchsalonabend im Schloß mit Führung und Rotwein. Klar, dass wir uns bereits in Vorbereitung des Trips für ein solch spezielles Angebot haben auf die Liste setzen lassen, verspricht es doch sowohl Einblicke in das historische Gebäude als auch eine besondere Location. Für alle Leser, die sich mit dem Gedanken tragen, im kommenden Winter den Harz zu besuchen: Gönnen Sie sich ein paar Schmankerl jener nur im Zeitraum von zwei Wochen verfügbaren touristischen Optionen.

Pünktlich um 19 Uhr beginnt die Führung in der Schloßkirche, auf Geheiß von Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode im Zuge des Umbaus zum Repräsentationsschloss errichtet (1880 vollendet). Der Rundgang führt in den prächtigen Speisesaal der Grafen zu Stolberg-Wernigerode, in die Privatgemächer der Familie, in kunstvoll verzierte Beratungs- und Arbeitszimmer. Graf Otto war unter Bismarck Vizekanzler und hatte maßgeblichen Anteil beim Aufbau einer umfassenden Sozialgesetzgebung (Kranken-, Renten- und Unfallversicherung), deren Tradition die Bundesrepublik Deutschland ins 21. Jh. mitgenommen hat. Man kann über die damaligen Motive streiten - ernsthaft gewollte Verbesserung der Lebensumstände der Arbeiter oder doch nur Aufrechterhaltung der eigenen Machtverhältnisse durch Zugeständnisse an die Sozialdemokatie -, ungeachtet dessen muss man ihm Respekt für derartige Initiativen zollen.

Der Innenhof von Schloß Wernigerode.

Bankettsaal.






Im Rauchsalon | (c) K. K. 2015
Wenn ich "Rauchsalon" schreibe, heißt das selbstverständlich nicht, dass ich mich freiwillig den Verbrennungsrückständen diverser tabakhaltiger Genussmittel auszusetzen gedenke. Nein, der lauschige Raum mit seinen bunten Glasmosaiken und den reihum angeordneten Wandbänken hatte als einzige Emissionsquellen einen Kamin mit knackendem Feuer, atmende Rotweingläser und mal amüsant, mal ernst getünchte Geschichten rund um die lange Tradition des Schlosses und seiner Bewohner zu bieten.
Im Nachhinein ärgere ich mich lediglich über die verpassten Kuschelplätze in der Sitznische uns gegenüber...

Feines Abendessen im Casa Vita, Marktstraße 35. Tipp: Im OG Platz nehmen. Sooo gemütlich!



51° 46' 58" N / 10° 34' 54" O

Was für ein prächtiges Winterwetter!!! Mich treiben soviele Fotoideen, dass ich Gefahr laufe, den Kern dieser Reise aus dem Blick zu verlieren: G e m e i n s a m  e r l e b t e  Z e i t. Diese Tatsache beachtend wurde am Vorabend am heutigen Tagesplan gefeilt, kurzentschlossen ein typischer Staubkorn-Programmpunkt gestrichen.

Mit frischem Track auf dem GPS starten wir 11 Uhr im Norden von Braunlage zu einer Wanderung entlang von Warmer Bode und Grenzweg. Die Warme Bode ist 23 km lang und fließt nach der Vereinigung ihrer maximal nur 4,5 km langen Quellflüsse Großer und Kleiner Bode südlich des Bodebruchs in Niedersachsen auf der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze via Braunlage nach Königshütte, wo sie sich mit der Kalten Bode vereinigt und für den Rest ihrer Gesamtlänge von 169 Kilometern bis zur Mündung in die Saale bei Nienburg als Bode auf den Landkarten erscheint. Zahlreiche kleinere Katarakte sorgen bis zur Bärenbrücke für den besonderen Charme dieses Flusses, dessen landschaftlich markantesten Abschnitt zweifelsohne das Tal zwischen Altenbrak und Thale darstellt. Wir sind einstweilen mit den zwei sog. Wasserfällen rechts des verschneiten Wanderweges zufrieden; und zwar so sehr, dass sich der Autor freiwillig halb in den Schnee legt, um eine Langzeitbelichtung mithilfe seines Gorillapods durchzuführen.

Die Warme Bode.



Der Obere Bodewasserfall.

Eine Langlaufloipe mit suboptimalen Gleitbedingungen leitet uns hinauf zur Schutzhütte "Dreieckiger Pfahl", einem guten Standort, um nur 150 Meter weiter westlich die Brockenbahn zum Gipfel schnaufen zu sehen. Das Glück der Aktiven belohnt uns um 13.20 Uhr mit dem perfekten Blick auf den roten Lindwurm unter seiner markanten Rauchfahne. Aus fotografischer Sicht ein lohnender Schnappschuss, aus ökologischer Sicht ein Relikt aus Vorzeiten.




Die Brockenbahn...

...schnauft zum Gipfel.


Rast in der Sonne neben dem "Dreieckigen Pfahl".


Doch nun genug der Schelte, wir brauchen auf den nächsten Kilometern alle Konzentration für wilde Tiere und gefährliche Moore. Der Wanderweg "Achtermann Spezial" führt südlich des Bodebruchs durch ein Hochmoor. Jetzt im Winter erkennt man nicht viel von der typischen Vegetation dieses speziellen Lebensraums, einzig vereinzelte Fichten ragen auf einer freien, von Schnee bedeckten und leicht konvex gewölbten Fläche von 300 x 500 m in den Himmel. Der dauerhafte Wasserüberschuss verursacht im Boden einen Sauerstoffmangel und verhindert den vollständigen Abbau organischer Substanz durch aerobe Bakterien. Im Ergebnis kommt es zur Bildung von Torf, dessen Anwachsen über die Jahrtausende auch die eben beschriebene Form begründet.


Das Bode(hoch)moor.

Moore sind herausragende Kohlenstoffspeicher und finden insbesondere im Zuge der Diskussionen um den anthropogenen Klimawandel Eingang in die öffentliche Wahrnehmung. Durch Trockenlegung oder Auftauen von Permafrostböden kommen aerobe Zersetzungsvorgänge in Gang, die eine Methanemission zur Folge haben. Man schätzt, dass weltweit 400 Millionen ha (3 % der Landoberfläche) von Mooren bedeckt sind. Sie speichern ca. 33 % der global in Böden gebundenen Kohlenstoffvorräte (500 Gt), was 66 % der in der Atmosphäre vorkommenden Vorräte entspricht.

Zur Bedeutung von Mooren in der Klimadebatte (PDF)

Der bekannteste deutsche Streiter für Bedeutung und Schutz der Moore ist Michael Succow. Ihm haben wir u.a. maßgeblich die Einrichtung der Nationalparks im Osten Deutschlands zu verdanken.

Interview mit Michael Succow im Deutschlandradio Kultur zur Bedeutung der Moore



Wer diesen Blog aufmerksam verfolgt, hat bereits etwas über das Luchsprojekt im Harz erfahren. Erwähnung finden soll an dieser Stelle daher nur ein Hinweis für Wanderer, die sich bisweilen auf ansonsten nicht häufig frequentierten Pfaden bewegen. Ich möchte die Frage beantworten, woran man den Luchs als Verursacher eines Risses erkennen kann.

Merkmale eines Luchsrisses:

  • Minimale äußere Verletzungen durch gezielten Drosselbiss,
  • Muskelfleisch wird verzehrt (zuerst an den Keulen),
  • Verschmähung des Verdauungstraktes,
  • die Beute wird an Ort und Stelle innerhalb weniger Tage gefressen und dazwischen mit Laub, Gras oder Schnee bedeckt.

Weist der Riss zahlreiche Bisse in die Läufe auf, wurden Körperteile abgetrennt oder die Verdauungsorgane gefressen handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um den Luchs, stattdessen um Fuchs oder Hund als Verursacher.

Und Männer ohne Ski mit Kindern? Und Frauen ohne Kinder mit Ski?







Nachdem wir die B 4 bei Oderbrück passiert haben, beginnt der kulturhistorische Teil des Exkursionstages. Das Oberharzer Wasserregal umfasst insgesamt 22 Wasserwanderwege, die sich entlang von Stauteichen und Gräben durch den Westharz schlängeln. Ihre Anlage geht auf den Bergbau zurück, denn man musste Lösungen finden, um a) unter Tage Lasten zu bewegen und b) die Stollen mittels Pumpen vor einer Flutung zu bewahren. Im Zuge dessen entstanden innerhalb von 300 Jahren insgesamt 143 Stauteiche, 500 Kilometer Gräben und 30 Kilometer unterirdische Kanäle zur Speicherung und Umleitung des Oberflächenwassers.

Kulturdenkmal Oderteich.


Am 31. Juli 2010 wurden die bergbaulichen Anlagen aufgrund ihrer Einzigartigkeit und ihres großen, gut erhaltenen Umfanges vom UNESCO-Welterbekomitee als Erweiterung der bereits existierenden Welterbestätte "Bergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar" zum Weltkulturerbe erklärt.

Vom Oderteich aus fließt der Rehberger Graben nach Sankt Andreasberg. Wir folgen dem Rehberger Grabenweg und gelangen auf diesem Wasserwanderweg (Nr. 20) nach 6,5 km zum Rehberger Grabenhaus.


Der Rehberger Graben.

Die Hohen Klippen am Rehberg im Winter...

...hier war auch schon der Geheimrat Goethe.

Drei Futterkrippen stehen vor dem Gasthaus, kein Mensch ist zu sehen. Wir laufen neugierig an den Fenstern vorbei und werden dabei von innen angegafft, als ob man ein Tier im Zoo wäre. Wie sich schnell herausstellt, ist der Vergleich angemessen - wenn auch in umgekehrter Richtung. Denn der sich von 16.30 Uhr bis 19.30 Uhr hier freiwillig selbst inhaftierende Menschenzoo hinter den Scheiben wartet auf das Erscheinen von Rotwild, dem der nahrhafte Inhalt der Krippen gar unwiderstehlich anmuten muss.


Das Perverse an der Aktion ist die Tatsache, dass man auf der Karte Wildfleisch anbietet und uns vorwirft, durch Nichtbeachtung der Hinweisschilder das Wild zu gefährden. Ich will euch was sagen: Wenn man wilde Tiere im Winter zufüttert, dann ist das legitim. ABER: Die Fütterung hat außerhalb von bebautem Gebiet zu erfolgen, so dass das Wild sich nicht an den Menschen gewöhnt! UND: Beobachter solcher Fütterungen haben ihre Ärsc** nicht im Warmen zu parken, sondern verstecken sich bitte geräuschlos auf einem Ansitz, einer Schutzhütte im Freien! Dekadente Truppe!






51° 54' 22" N / 10° 25' 45" O

Weltkulturerbe gestern, Weltkulturerbe heute. Wir fahren nach Goslar in Vorfreude auf eine Altstadt mit einmaliger Fachwerkarchitektur und ein 1.000 Jahre altes Bergwerk.

Zwischenstopp auf dem Weg nach Goslar: Das Schloß Wernigerode in der Morgensonne.



Links oben im Bild...

...der Brocken.

Die ehemalige Kaiserpfalz verdankt ihre Gründung wie so viele Städte der Region dem Erzabbau im Harz. Auf 979 datiert die erste urkundliche Erwähnung, von 1009 bis 1253 währte die Zeit der Kaiser, wurde Goslar zur Residenzstadt ausgebaut. 1340 kam das Tribut "Freie Reichsstadt" für das Gründungsmitglied der Hanse, 1356 erwarb Goslar vom Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel pfandweise den Rammelsberg, wo der Bergbau um 1500 seinen Höhepunkt erreichte und zur wirtschaftlichen Blüte der Stadt führte. Mit dem Rückfall des Rammelsbergs an Braunschweig-Wolfenbüttel 52 Jahre später setzte ein enormer wirtschaftlicher Niedergang ein, der durch den Export von Gose und Schiefer nicht verhindert werden konnte. Seit dem 18. Jh. ging es infolge von Industrialisierung und dem ab der Mitte des 19. Jh. beginnenden Tourismus ökonomisch wieder bergauf.

In Goslar.



Etwa 50.600 Einwohner leben gegenwärtig auf einer Fläche von 163 km², Heinrich IV., Adolf Grimme und Sigmar Gabriel wurden vor Ort geboren; Erwin Rommel begleitete ab 1933 das Amt des Kommandeurs eines Infanterieregiments.

Von der ehemaligen mittelalterlichen Stadtbefestigung kam man noch verschiedene Tore und Türme besichtigen, Kaiser Heinrich III. ließ zwischen 1040 und 1050 die Kaiserpfalz errichten.

Eindeutig nach dem Kaiser geschrieben.

Nein, Mama sagt nicht Globuli!!!



Ein feines Teegeschäft in der Breiten Straße.


Gildehaus "Kaiserworth" (1494, seit 1992 originale Fassadenbemalung wiederhergestellt, heute Hotel).

Marktbrunnen (13. Jh.) mit dem Goslarer Adler, dem Wappentier der Stadt.

Der Goslarer Adler, von Passanten als "Huhn" tituliert.






Die Stadtbibliothek mit Münzstraße am Fleischscharren.

Marktkirche (um 1160/70 begonnen) und IHK-Gebäude.

Willkommen in den 60ern (I).






Schnell umziehen in die Eine Welt.



Neben dem Mönchehaus.


Mönchehaus (1528).



Zunftzeichen in der Münzstraße.


Was stimmt hier nicht? Christian würde nie einen angebissenen Keks übrig lassen. Nie.

Das Musikinstrumente- und Puppenmuseum im Hohen Weg.



Willkommen in den 60ern (II).

Die Kaiserpfalz.

Kaiser Heinrich III. ließ sie zwischen 1040 und 1050 erbauen.




51° 53' 24" N / 10° 25' 10" O

Von 968 (11 Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung Goslars) bis 1988 baute man im Rammelsberg Erz ab. Eine solch lange Tradition ist außergewöhnlich und beruht hauptsächlich auf hohen Erzgehalten mit bis zu 30 % (manche Erzadern waren bis zu 500 m lang und 40 m breit). In 1.020 Jahren Bergbaugeschichte wurden 27 Mio. t silber- und goldhaltige Blei-Zink-Kupfer-Erze gefördert - davon dank moderner Techniken allein zwischen 1924 und 1988 15 Mio t. Bleiglanz (PbS), Pyrit (FeS2), Kupfererze und Zinkblende (ZnS) sowie pro Tonne Erz bis zu 120 g Silber und 0,4 - 1 g Gold wurden gewonnen. Die Erzlagerstätte entstand im Mitteldevon vor 380 Mio. Jahren.

Der Rammelsberg - UNESCO Weltkulturerbe seit 1992.



Na, wieviel wiegt dieser Brocken (der zweite von links)?

Der Herzberger Teich - ein Stauteich für den Betrieb der Wasserräder im Bergwerk.

Die Besucher haben die Wahl zwischen drei verschiedenen Führungen, wir wählen die Variante "Wasserkraft unter Tage". Über den 1798 bis 1805 angelegten Röderstollen gelangt man ins Innere des Berges, vorbei an nassen Wänden und bunt schimmernden Mineralablagerungen. Der Oberbergmeister Johann Christoph Röder war ein Genie auf seinem Gebiet, denn er sorgte nicht nur für eine bis dato beispiellose Effizienz in der Anlage von Stollen, er konstruierte obendrein größere Wasserräder für den Betrieb der Seilzüge mit erzhaltigem Gestein und konnte so die parallele Erfindung des Stahlseils nutzen. Unter einem solchen 200 Jahre alten Exemplar findet alsbald der erste Stopp unserer mit ca. 20 Personen besetzten Gruppe statt. Wir bestaunen die handwerklichen Fähigkeiten der Bergleute und hören gleichzeitig, dass ein Bergmann im 18. Jh. mit Mitte 30 das Lebenswerk vollendet gehabt haben sollte. Die Möglichkeit, relativ schnell an ausreichende Geldmittel zu gelangen, um eine Familie zu gründen und ein Haus zu bauen war den jungen Männern damals und ist ihnen heute wichtig. Allein heutzutage gibt es attraktivere Möglichkeiten, die vorgenannten Ziele zu erreichen - inklusive dem Bonus, die eigenen Enkel aufwachsen zu sehen.

Der Eingang zum Röderstollen (1798-1805 angelegt).





Ein Wasserrad mit 17 Meter Durchmesser!




Über Tage angekommen bleibt uns noch ein kleines Zeitfenster für die Besichtigung des sehr umfangreichen Museums, das seine Gäste über einen Rundweg durch die lange Geschichte des Standortes und seiner Umgebung leitet. Planen Sie für Ihren Besuch mindestens einen halben Tag auf dem Areal ein - es lohnt sich!

Grubenbeleuchtung im 18. Jh. und...


...im 20. Jh.

Erzgewinnung aus Rohgestein.

Pigmente und Farben aus den im Berg enthaltenen Mineralien.



Hier hat sich Christo verewigt: Package on a Hunt (1988).


Sonnenuntergang Teil 2. Links im Bild: Der Brocken.

Das Schloß Wernigerode in der Abenddämmerung.

51° 39' 41" N / 11° 20' 26" O

Die größte Bisonherde Deutschlands? In Stangerode? Wo?!

Ich war sofort neugierig, als eine Meldung aus dem Radio kurz vor der Reise ein Dorf inmitten des Landkreises Mansfeld-Südharz ob seines faunistischen Highlights anpries. Wir also hin. Es stellt sich heraus, dass der Ort quasi einer Familie gehört: Nordmann.

Forstwirtschaft, Reit- und Sporthotel, Restaurant, Wildpark - alles befindet sich unter einem Dach und wird zentral vermarktet. Der Spaziergang zwischen den Koppeln muss leider ohne Sonnenschein stattfinden, denn der DWD meldet: "Ein kräftiges Hoch, das seinen Schwerpunkt bis Montag von Finnland in den Westen Russlands verlagert, bestimmt das Wetter in Deutschland.". Es ist bedeckt und nasskalt bei 2 °C. Die Arbeit hinter der Kamera macht trotzdem Spaß, denn obschon ich mir etwas mehr Licht gewünscht habe, muss man sich wenigstens nicht mit harten Schatten herumschlagen. Stets positiv denken. ;-)

Bison bison.



200 Tiere umfasst die größte Bisonherde Deutschlands in Stangerode.

Nicht mal...

...in Ruhe ausschlafen...

...darf man am Sonntag!










Wir streifen eine gute Stunde lang zwischen Amerikanischen Bisons, prächtigen Reitpferden, Galloways, Schottischen Hochlandrindern und Rotwild umher.


Schottische Hochlandrinder.


Erst als die Finger sich schmerzhaft gegen die Kälte stemmen nehmen wir das Innere des Hotels in Augenschein. Im Stile amerikanischer Landsitze des Mittleren Westens kommt die Lobby daher, massive Echtholzstühle reihen sich um einen dekorativ mit Glasplatte belegten Beistelltisch, die Eckbank ist mit grünem Leder bezogen, eine große Säule bildet das Zentrum. Rechts der breiten Treppe zum Restaurant im OG steht ein ausgewachsener, präparierter Bison, nachweislich im Alter von 5 Jahren verstorben. Das Haus ist gemütlich, keine Frage. Gäste können die Sporthalle und den Spa-Bereich im Rahmen ihrer Übernachtung nutzen, leider keine Reitpferde. Wir werden auf jeden Fall später im Jahr hierhin zurückkehren.

In eigener Sache

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