Samstag, 7. Februar 2015

Geologische Exkursion zu den Schrammsteinen | 07.02.2015

Mein bislang coolster Besuch auf den Schrammsteinen harrt bis dato seiner Wiederholung. Motivieren könnten mich die Anfertigung besserer Fotos und/oder eine zügigere Reisegeschwindigkeit; allein die pure Neugier, ob es mir heuer besser gelingt als an jenem 14. November 2010, würde schon ausreichen.

"Geologie erleben" nennt sich eine Veranstaltungsreihe des Nationalparkzentrums in Bad Schandau, zu deren Jahresauftakt ich mich sehr kurzfristig angemeldet habe.

Die Touren werden durchgeführt vom Nationalparkführer Rainer Reichstein, seines Zeichens Physiker mit familiärer Vorbelastung für das Fach Geologie (der Vater hatte darin eine Professur inne). Der SEV spuckt seine wenigen Fahrgäste 8.52 Uhr am Nationalparkbahnhof Bad Schandau aus, per pedes will ich den Treffpunkt Wanderparkplatz im Zahnsgrund erreichen. Die Zeit bis 10 Uhr soll genutzt werden, um mich sowohl mit meinem neuen Objektiv vertraut zu machen, als auch den Spaziergang entlang der Elbe bei traumhaft sonnigem Winterwetter zu geniessen. In Matrosenuniformen gekleidete junge Männer halten in Postelwitz bereits das erste Bier des Tages in Händen, kurz darauf lugt der Meeresgott Poseidon persönlich von Bord eines auf dem Trockenen liegenden Schiffes herüber. Klarer Fall von "Postelwitzer Schifferfastnacht", einer im Ort seit 400 Jahren gelebten Tradition.

Die Elbfähre zwischen Bahnhof und Stadt Bad Schandau.

Die Sieben-Brüder-Häuser haben ihren Namen von der Überlieferung, nach der ein Postelwitzer im 17. Jh. für seine sieben Söhne diese Häuser bauen ließ.

In Postelwitz.


Durch den Schießgrund wird unsere circa 20 Teilnehmer umfassende Gruppe kurz nach 10 Uhr zum ersten Stopp geleitet, das Publikum ist bunt gemischt und reicht vom interessierten Laien bis zum promovierten Geographen. Mit Armin von der Sächsischen Landesstiftung für Natur und Umwelt versteht es sich auf Anhieb prima, ich berichte von meinen überschaubaren Vorkenntnissen inklusive den bisherigen Erfahrungen mit Exkursionen im Nationalpark.

Wir beginnen mit dem Thema Verwitterung des Sandsteins, überlegen, warum die einen Felsflanken heller als die anderen sind und was es mit der Klüftung auf sich hat. So pendeln die Inhalte zwischen Mineraliengehalten des Porenwassers, stillgelegten Wanderwegen zum Schutz der Natur und der Besonderheit des Falkensteins.


Ein seit 5 Jahren gesperrter Wanderweg wird von der Natur zurückerobert.

Blöcke des Quadersandsteins.

Detail vom Fuß des Falkensteins.

"Crazy Horse" in der Sächsischen Schweiz?

Vor Kessel- und Meurerturm kommt die Gruppe 10.50 Uhr erneut zum Stehen, das Thema "Alter einer Sandsteinwand" beschäftigt uns. Wir erfahren, dass die Datierung mit großen Unsicherheiten behaftet ist, denn Exposition und Untergrund sind variable Parameter, deren Einfluss neben einer Analyse u.a. der Foraminiferen-Skelette stets in die Schätzung einbezogen werden muss. Wann sich kleinere Blöcke von größeren gelöst haben, ist nicht selten Erzählungen der hier häufig anzutreffenden Bergsteiger zu entnehmen, doch schon Aussagen zum großen Block unter unseren Füßen weisen erhebliche Unsicherheiten auf.


Rainer Reichstein erläutert die Klüftung.



Ein sich langsam senkender Sandsteinblock.


Die Verwitterung hat mannigfaltige Fotomotive geschaffen.



11.55 Uhr nehmen wir endlich den Jägersteig unter die Wanderschuhe, 12 Uhr stehe ich nach Eisenleiterpassagen genau dort, wo das eingangs gezeigte Foto aufgenommen wurde - auf dem Gratweg. Der Schnee überzuckert die Reste des kreidezeitlichen Meeres, es ist windstill und einfach nur schön. Schön, diesen Termin wahrgenommen zu haben, schön, mit interessanten Menschen zu plaudern, schön, fotografieren zu können, schön, eine leckere Brotzeit im Rucksack zu wissen. :-)

Rainer Reichstein auf dem Gratweg.

Blick vom Gratweg nach Westen.

Blick vom Gratweg nach Osten.




Das Highlight ist selbstverständlich die Schrammsteinaussicht mit Blick hinüber zu Torstein und Falkenstein, ins Elbtal und dem sich leider hinter einem Nebelschleier verbergenden Königstein. Mit dem Fachbegriff zum Einschneiden eines Flusses in ein sich hebendes Gebirge (Antezedenz) endet nach viel zu schnell vorübergegangenen vier Stunden ein sehr informativer Spaziergang. Herzlichen Dank an die Organisatoren!

Torstein und Falkenstein.

Die Elbe bei Schmilka.


Die "Tante".


Der Falkenstein und Altendorf.





Der Falkenstein vom Schießgrund aus.

Exkursionen mit Rainer Reichstein in 2015
(jeweils Samstags, 10 bis 14 Uhr)

07.02.: Schrammsteine
14.03.: Rathen - Wehlgrund
09.05.: Kleinstein - Arnstein
13.06.: Quirl - Pfaffenstein
25.07.: Großer Zschand - Weberschlüchte
05.09.: Hinterhermsdorf
17.10.: Schmilkaer Kessel
28.11.: Neuer Wildenschein - Kuhstall

Details zur Anmeldung entnehmen Sie bitte zeitnah den Terminen auf den Seiten des Nationalparks Sächsische Schweiz.

Die weltberühmte Bastei aus der Bahnperspektive.


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