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Samstag, 28. Februar 2015

Models, Museen, Weltkulturerbe und Wildrinder

Nachdem ich am 7. Februar in fotografischer und geologischer Mission im Elbsandsteingebirge unterwegs gewesen bin, hieß es in der Mitte des Monats: Gemeinsam den Nationalpark Harz erkunden.

51° 47' 57" N / 10° 36' 56" O

Das Auto ist am Morgen dieses Mittwochs gut gefüllt, denn zwei Mitfahrer haben sich auf meine Annonce gemeldet. Blablacar lohnt sich für drei Seiten gleichermaßen, nämlich für die Umwelt, für die Mitfahrer und für die Spritkasse. Gewiss kann man keinen Gewinn erzielen, allein das gute Gefühl, in einem vollen statt halbleeren Pkw zu reisen, ist den kleinen organisatorischen Aufwand jedoch allemal wert.

Ein Abstecher zum Blauen Auge des Mansfelder Landes - dem Süßen See - lässt die Monotonie der Autobahn zugunsten schöner Landstraßen im Harzvorland weichen. Wir geniessen die herrliche Wintersonne und hängen unseren Gedanken nach, während sich draußen die Landschaft von der Tieflandsbucht hin zum Mittelgebirge wandelt. Eisleben, Aschersleben, Nachterstedt, Quedlinburg, Thale - es gibt so viel zu entdecken, soviel zu lernen. Ich habe das Glück, meine Neugier auf Kultur und Natur nicht nur als privates Hobby ausleben zu dürfen, sondern auch tagtäglich andere Menschen (mal mehr, mal weniger erfolgreich ;-)) damit in Kontakt zu bringen.

Die Rosstrappe werden wir heute nicht zu Gesicht bekommen, doch eine ähnliche Aktion wie im Dezember 2013 schwebt mir für dieses Jahr sofort vor Augen, als die ersten Anzeichen der Teufelsmauer in der Umgebung auftauchen. Die sich hebende Harzscholle richtete in der Oberen Kreidezeit vor 100 Millionen Jahren die Schichten des Buntsandsteins, Muschelkalks, Keupers sowie der Kreide steil auf. Spätere Abtragung modellierte an verschiedenen Stellen Höhenrücken heraus - so zwischen Thale und Blankenburg aus dem Heidelbergsandstein die Teufelsmauer.

Wir erreichen unser schönes Domizil am Ufer der Bode gegen 13 Uhr, packen um und brechen schon eine Stunde später wieder auf nach Schierke. Der Ausgangspunkt für Wanderungen auf den Brocken liegt nur 21 Fahrminuten westlich des Quartiers - perfekt für meinen/unseren Höhepunkt des Tages. Dem Wanderer bieten sich im Prinzip drei sinnvolle Optionen zur Routenwahl auf den höchsten Berg Norddeutschlands. Wir entscheiden uns für die kürzeste und steilste, bereuen den Entschluss allerdings recht schnell.

Mittwoch, 27. November 2013

Zur DHV-JHV nach Furth im Wald

Wie beginnt ein guter Tag? Nun, am besten noch vor dem Weckerklingeln mit Frühsport ... irgendwie muss man schließlich im Winter aktiv bleiben.

Insofern war der vergangene Freitag für mich sowohl ein Sport- als auch ein Reisetag, denn am frühen Nachmittag nahm ich als Mitfahrer Numero 3 auf der Rückbank eines roten Volvo Kombi mit Fahrtziel Regensburg Platz. Neben mir eine Rechtsanwaltsgehilfin mit zu dominantem Make-up, die ihren Bruder besuchen wollte; vor mir a bayrisches Madel. Der Fahrer: Mitte 30, tiefenentspannt, kein Deutschlandfunkhörer, Informatiker, WE-Pendler zwischen Arbeit und Heimat. Wir gaben eine bunte Truppe ab.

Der Autor nutzte die erste Stunde der Fahrt für die Arbeit an einem sehr persönlichen Brief; schrieb, blickte in die von Nebel und gelegentlichem Sprühregen in tristes Novembergrau getauchte Landschaft, suchte Gedanken, wünschte seinen Schutzengel in physischer Präsenz neben sich. Im Radio liefen Jump, Antenne Thüringen und Antenne Bayern - damit etwas dudelt. Gesprächsversuche über Themen der 2-Minuten-Nachrichten auf den Popwellen verliefen im Sande; dieses starre Schweigen erfüllte mich mit Unzufriedenheit (wesentlich stimulierender war im Gegensatz dazu meine Heimfahrt am Sonntag - s.u.). Dem Paragraphen- und Abmahnungsfan neben mir gab ich einen Crashkurs zur Gleitschirmwelt und Einblick in meine Bilderordner auf dem Rechner. Das half, um sie für etwa 25 Minuten vom Smartphone zu trennen. Immerhin.

[Ich weiß genau, wessen Finger jetzt schon eifrig über dem Kommentarfeld kreisen. :-) Deswegen sei ergänzend angefügt: Ich mag Smartphone-Besitzer. Solange sie wissen, wann es Zeit ist, sich den physisch anwesenden Menschen zuzuwenden. Andererseits: Vorgestellte Ideen, Sichtweisen, Lebenseinstellungen bergen die Gefahr, Eigenes überdenken zu müssen. Mit einer Handbewegung wegsliden? Geht nicht. Tsss, wie umständlich.]

Hinter Selb lockerte die Bewölkung auf, kam sogar nach Tagen der Hauch eines sichtbaren Sonnenuntergangs zum Vorschein. Unsere Köpfe wendeten sich immer wieder nach halbrechts und ließen die Augen über vorbeifliegende Wiesen, Felder und hügelige Landschaft hin zu einem schmalen, orange-rot gefärbten Band am westlichen Horizont gleiten.


Ich verlasse mein Taxi in Schwandorf und folge dem GPS-Track ins Stadtzentrum zum Bahnhof. Vor selbigem erhalte ich einen Anruf, der mich zwar den Zug um 17 Uhr verpassen, dafür jedoch Raum zum Knipsen lässt.

Sonntag, 2. Dezember 2012

Kurztrip nach Mittelfranken

Am 27. November 2011 hieß es an dieser Stelle:
"Wir fahren das Bett gemeinsam ins Zimmer. Ich am Fußende, die blonde Krankenschwester am Kopfende. Er atmet tief und regelmäßig, hat einen kleinen Beutel mit Blut neben dem soeben geflickten rechten Bein liegen. Die Augen sind etwas geschwollen und ruhen fast unbewegt in einem Meer aus Tränenflüssigkeit. Aber ich kann ihn nach der Vollnarkose bereits wieder ansprechen und - erleichtert - feststellen, dass er meinen Namen kennt. Meine linke Hand streicht seine Haare zum Scheitel, die rechte zieht die Decke über die freiliegende Schulter. Mehr kann man im Moment nicht tun. Ich werde noch bis zum Abendbrot bleiben."
Heute nun, ein Jahr später, hat sich der Gesundheitszustand der oben beschriebenen Person auf einem Niveau eingependelt, dass wohl am besten durch das Attribut stabil gekennzeichnet ist. Trotzdem ist man jeden Tag aufs Neue gefasst, von der einen, von der finalen Nachricht eingeholt zu werden. Ach was sag ich, gefasst kann man darauf nicht sein. Man kann sich einreden, gefasst zu sein; man kann sich einreden, rational und nüchtern zu bewerten; man kann sich über Mini-Fortschritte freuen, darüber, dass das gestern Erzählte heute noch in Teilen präsent ist; darüber, dass die Erdnüsse wieder schmecken; darüber, dass der Vorhang vor den breiten Fenstern noch aufbleiben soll, um das letzte Licht des Tages nicht zu verpassen; darüber, dass man ein zweites Mal Suppe holen soll.

Aber man kann nicht darauf gefasst sein. Nie.

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Aus guten Gründen wurde meine Teilnahme an der DHV-Jahreshauptversammlung in 2011 abgesagt und so war ich heuer verständlicherweise froh darüber, zur diesjährigen Auflage fast unbeschwert reisen zu können. Zugegeben, "unbeschwert" trifft den Kern der Sache nicht ganz, denn die Minimierung meines ökologischen Reisefußabdrucks gestaltete sich spannend.

Fracht: 85 kg
Strecke: 330 km
Reiseziele: Nürnberg (Besichtigung der Altstadt), Gunzenhausen (DHV-Tagung)
Zeitfenster Anreise: Freitag 16 Uhr bis Samstag 12 Uhr
Zeitfenster Abreise: Sonntag 14 Uhr bis Sonntag 22 Uhr

Ich musste leider schnell einsehen, dass ein Radprojekt mit den beabsichtigten Zielen nicht vereinbar war. Die Nutzung des Pkw fiel aufgrund nicht vorhandener Mitfahrer ebenfalls aus. Blieben die Bahn und www.mitfahrgelegenheit.de.

Freitag, 3. Februar 2012