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Sonntag, 21. Juli 2019

Wo geht's hier zur Wildnis?

Ich bin wieder hier. Nach fast sechs Jahren kehre ich an den Ort im Nationalpark zurück, der mein Leben gleichermaßen gerettet und arg ins Wanken gebracht hat. Dort oben zwischen den Felsriffen, Plateaus und senkrechten Sandsteinwänden fand ich durch einen unglaublichen Zufall den Menschen, mit dem ich alt werden wollte. Dieser Mensch wurde zu meinem Retter in der wohl schwierigsten Lebensphase, er half mir auf die Beine; besser: Er brachte mir das Gehen (und Tanzen) erst bei.

Als ich gerade anfing zu Laufen, verlor ich diesen einmaligen Menschen wieder. Ich verlor ihn auch, weil ich nie ganz gesund werde. Weil ich jeden Tag mit inneren Widerständen zu kämpfen habe und dieser Kampf trotz mancher Siege im Grunde nur Verlierer kennt.

Ich kehre nach fast sechs Jahren trotzdem nicht allein zurück. Meine seit zwei Jahren regelmäßige Begleitung im Alltag - und ich kann überhaupt nicht beschreiben, wie dankbar ich für ihren Eintritt in mein Leben bin - ist nämlich eine Australian Shepherd Hündin namens Polly. Ein Tier mit starkem Willen und Führungsanspruch. Diese Zeilen entstehen an der Grenze des Nationalparks Sächsische Schweiz, gute zwei Kilometer östlich des Liliensteins. Das Tier mit starkem Willen und Führungsanspruch hat sich hier gerade unter dem Stuhl in der Küche meiner Ferienwohnung ausgestreckt und träumt sehr wahrscheinlich von erfolgreichen Jagden auf Katzen.

Zahlreiche Exkursionsteilnehmer.
Im Großen Zschand

Wenn es die Zeit zulässt, nehme ich sehr gern an Exkursionen teil, denn nur so kann man sein Halbwissen prüfen, es verwerfen oder bestenfalls dessen Fundament verbreitern. Mit den mir anvertrauten Kids im Job will ich ebenfalls hierher kommen. Wir werden Floßfahrten auf der Elbe unternehmen, mit professioneller Unterstützung Klettern, dem Wald spielerisch ein paar Geheimnisse entlocken, am Lagerfeuer Lieder singen. Okay, ich werde besser nicht singen.

Montag, 11. April 2016

Haftausweis 36

Dieser Samstag, der 9. April ist ein sonniger Tag, allerdings vermisse ich die Wärme des Frühlings hier im Leipziger Süden, 27 km vom Zentrum der größten Stadt Sachsens entfernt. Das große schwere Stahltor öffnet sich langsam nach rechts und wir betreten ein Gebäude, in dem die Selbstbestimmung ein jähes Ende findet. Hier drin haben andere das Sagen.

JSA Regis-Breitingen.
Die Personalien werden aufgenommen, man gibt sein bundesrepublikanisches Identifikationspapier ab, erhält dafür seinen Haftausweis. Meiner trägt die Nummer 36. Der Trakt zur Registrierung der Neuankömmlinge ist sauber und irgendwie steril. Das ganze Gebäude macht auf mich einen sehr kühlen, einen sehr unpersönlichen Eindruck. Wahrscheinlich soll das so sein. Du bist aus einem von vielen möglichen Gründen hier drin, doch die Architektur – innen wie außen – lässt keine Optionen zu. Sie ist streng auf Funktion ausgelegt, auf Vollzug eben.

Freitag, 1. Januar 2016

Neujahrsspaziergang

Im Südwesten des Landkreises Leipzig befindet sich unmittelbar an der Grenze zu Thüringen ein Naturschutzgebiet: Die Eschefelder Teiche. Bereits im 15. Jh. wurden im größten Teich – dem Großteich – im Auftrag des Herrn von Einsiedel Fische gezüchtet. Ende des 18. Jh. entstand das Teichhaus, welches heute eine Naturschutzstation sowie Gaststätte beherbergt. Zu DDR-Zeiten fand man auf dem Gelände außerdem einen Schweine- und Rinderstall, von 1960 bis 1967 wurden hier obendrein jährlich 20.000 Enten gemästet.

Spätere Verwalter vergrößerten das Areal auf heute 7 Teiche (152 ha) und schufen ganz nebenbei ein Vogelschutzgebiet mit überregionaler Bedeutung. Leider konnten sich das Land Sachsen und der NABU lange nicht über die Kostenübernahme zur Instandsetzung einer Bewässerungsanlage mittels Druckleitung aus der nahen Wyhra einig werden, sodass aufgrund eines zu niedrigen Wasserstandes und teilweise trockener Teiche weniger Brutvögel als möglich während der Saison anzutreffen sind. An dieser Situation scheint sich im neuen Jahr etwas zum Positiven zu wandeln, denn es wurden Überläufe saniert. Bleibt zu hoffen, dass der Landkreis Leipzig als neuer Eigentümer seinen naturschutzrechtlichen Verpflichtungen schnell nachkommt.

1. Januar 2016.

Grillgut?


Samstag, 7. Februar 2015

Geologische Exkursion zu den Schrammsteinen | 07.02.2015

Mein bislang coolster Besuch auf den Schrammsteinen harrt bis dato seiner Wiederholung. Motivieren könnten mich die Anfertigung besserer Fotos und/oder eine zügigere Reisegeschwindigkeit; allein die pure Neugier, ob es mir heuer besser gelingt als an jenem 14. November 2010, würde schon ausreichen.

"Geologie erleben" nennt sich eine Veranstaltungsreihe des Nationalparkzentrums in Bad Schandau, zu deren Jahresauftakt ich mich sehr kurzfristig angemeldet habe.

Die Touren werden durchgeführt vom Nationalparkführer Rainer Reichstein, seines Zeichens Physiker mit familiärer Vorbelastung für das Fach Geologie (der Vater hatte darin eine Professur inne). Der SEV spuckt seine wenigen Fahrgäste 8.52 Uhr am Nationalparkbahnhof Bad Schandau aus, per pedes will ich den Treffpunkt Wanderparkplatz im Zahnsgrund erreichen. Die Zeit bis 10 Uhr soll genutzt werden, um mich sowohl mit meinem neuen Objektiv vertraut zu machen, als auch den Spaziergang entlang der Elbe bei traumhaft sonnigem Winterwetter zu geniessen. In Matrosenuniformen gekleidete junge Männer halten in Postelwitz bereits das erste Bier des Tages in Händen, kurz darauf lugt der Meeresgott Poseidon persönlich von Bord eines auf dem Trockenen liegenden Schiffes herüber. Klarer Fall von "Postelwitzer Schifferfastnacht", einer im Ort seit 400 Jahren gelebten Tradition.

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Rückblick: Herbstexkursion in die Sächsische Schweiz

Bevor neue Fotos aus dem Elbsandsteingebirge veröffentlicht werden, erinnere ich hier zum dritten Jahrestag an eine meiner bis dato schönsten Herbstwanderungen durch den sächsisch-böhmischen Nationalpark.



Der Artikel zum Video mit zahlreichen Panoramen

Ergänzende Beiträge:

Beuthenfall - Häntzschelstiege - Carolafelsen - Affensteinweg
Mit dem Fahrrad den Nationalpark erkunden | Sächsische Schweiz

Sonntag, 13. Juli 2014

Eine Weinbergwanderung am Schloß Wackerbarth

Sollte Karl May im frühen 20. Jh. durch die Elbhänge seiner späten Radebeuler Heimat gestreift sein - es bot sich ihm ein trauriger Anblick. Denn ab 1885 sorgte ein nur circa 1 mm großer Schädling für Panik unter den sächsischen Winzern. Hinter der "Reblauskatastrophe" verbirgt sich die klassische Geschichte einer durch Neozoen ausgelösten massiven Gefährdung einheimischer Arten. Über Rebstöcke von der Ostküste Nordamerikas gelangte der Pflanzenlaus-Vertreter in den 1860er Jahren nach Europa, wo er sich in den Monokulturen aufgrund fehlender Fressfeinde massenhaft vermehren konnte.
Stichwort Reblaus

Daktulosphaira vitifoliae ist eine Art der Zwergläuse, die 1854 in Nordamerika erstmalig an Wildreben entdeckt wurde. Die Entwicklung vollzieht sich als Generationswechsel mit Befallsstadien an ober- und unterirdischen Teilen des Rebstocks. Das am Stamm abgelegte Ei liefert im Frühjahr die Stammmutter (Fundatrix), die durch ihre Saugtätigkeit an Blättern bestimmter Sorten erbsengroße Gallen verursacht. Ihre parthenogenetisch (ohne Befruchtung) erzeugten Nachkommen bleiben in der Mehrzahl zunächst oberirdisch und erzeugen selber Blattgallen, während die der nachfolgenden Generationen vermehrt in die Erde an die Wurzeln wandern (Wurzelläuse).

Letztere stellen die größte Gefahr für die Rebstöcke dar, da durch ihre Saugtätigkeit die Leitgewebe der Wurzeln geschädigt werden, was für die Pflanze Wasser- und Nährstoffmangel zur Folge hat und bei starkem Befall zum Absterben der Rebe führt. Außerdem können sich Bakterien, Pilze und Viren in der geschwächten Pflanze schneller ausbreiten. Die Wurzelläuse erzeugen im Spätherbst geflügelte Formen, die auf oberirdische Pflanzenteile wandern und dort Eier ablegen, aus denen ungeflügelte Männchen und Weibchen hervorgehen. Nach der Paarung dieser Geschlechtstiere legt jedes Weibchen ein Ei am Stamm ab und der Kreislauf beginnt von vorn.

Die direkte Bekämpfung der Reblaus ist durch Begasung der befallenen Weinberge mit Schwefelkohlenstoff möglich, bringt jedoch wenig Erfolg. Wirksamer und biologisch sinnvoller ist die Verwendung von Pfropfreben mit amerikanischen Wildreben als Unterlage. Deren Wurzeln sind zwar resistent gegen die Reblaus, eignen sich aber nicht zur Weinbereitung. Deshalb pfropft man europäische Vinifera-Sorten auf die Wildreben und erhält so weitestgehend reblausresistente Stöcke.
Zwei Jahre vor Karl Mays Tod war die Weinanbaufläche in der Großlage "Radebeuler Lößnitz" von 150 ha auf 10 ha geschrumpft, nachdem man vorrangig durch die Vernichtung der Vegetation ganzer Weinberge und eine Vergiftung des Bodens mit Schwefelkohlenstoff und Petroleum den eingewanderten Schädling zu bekämpfen wusste. Man bemerkte die schrecklichen Folgen dieser Radikalkur wie so oft erst, nachdem es zu spät war. In ganz Sachsen schrumpfte die Weinanbaufläche von 6000 ha vor der Reblaus auf 450 ha nach ihr.

Samstag, 7. September 2013

Mit dem Fahrrad den Nationalpark erkunden | Sächsische Schweiz

Vor ein paar Wochen hatte ich mir den Veranstaltungsplan der Nationalparkverwaltung in Bad Schandau zu Gemüte geführt. Zielstellung damals: Ein paar interessante (Herbst)touren finden. Sofort ins Auge stach der 7. September mit dem Angebot einer geführten Radtour durch den NP, geleitet vom Chef des Referats Öffentlichkeitsarbeit & naturkundliche Bildung, Hanspeter Mayr. 10 Uhr sollte es am "Nationalparkbahnhof" in Bad Schandau losgehen,  äh, wo bitte? Im Jahr 2011 nannten der Verkehrsverbund Oberelbe und die Stadt Bad Schandau den Bahnhof in "Nationalparkbahnhof" um, damit neben einem stärkeren Bezug zum touristischen Hauptziel der Region auch ein (überregionales) Bewusstsein für die Möglichkeiten der Anreise mit den Öffentlichen geschaffen werden kann. Sympathisch klingt es allemal.


Zu zweit - perfekt

Um einen kleinen Zeitpuffer entlang der Elbe ab Dresden zu haben, plane ich die Passage der Altstadt für spätestens 8 Uhr. Jogger und Gassigänger, Inlineskater und Radfahrer bevölkern zögerlich den Radweg; immerhin sollten mich jetzt keine Rehe mehr fast um den Haufen rennen wie noch 3 Stunden zuvor. Einige Radler - speziell Mountainbiker - sind an diesem Samstagmorgen schon durchaus ambitioniert unterwegs und verlangen nicht nur einmal das Verlassen der Komfortzone. In solchen Momenten darf das "Dresdner Hauspflaster" schlicht keine Rolle spielen...