Als Nicht-Soziologe habe ich mich mit einer Kritik am Design dieser Untersuchung bewusst zurückgehalten, zumal hier die Autoren höchstselbst auf die geringe Belastbarkeit ihrer Ergebnisse, oder wie sie es selbst nennen: "gewisse Verzerrungen", hinweisen. Konkret referenziert die Kritik z.B. auf das Phänomen des "non-response bias", also der Tatsache, dass Pegidisten mit extremen Ansichten sich weigern, selbige zu Protokoll zu geben (es stattdessen abgeschwächt tun oder gar nichts sagen).
"Die hohe Anzahl an Verweigerern ist als zentrales Problem für die Aussagekraft der Ergebnisse zu betrachten, da grundsätzlich nicht davon ausgegangen werden kann, dass Personen, die die Teilnahme an einer Erhebung verweigern, ebenso geantwortet hätten, wie Personen, die zur Teilnahme bereit waren – insbesondere bei einem politisch oder persönlich irgendwie sensiblen Befragungsthema, welches hier eindeutig vorlag. Da nicht ausgeschlossen werden kann (und es vielmehr sogar sehr wahrscheinlich ist), dass die fehlenden 65% einen erheblichen Einfluss auf das Befragungsergebnis ausgeübt hätten, hätte man sie zur Teilnahme verpflichten können, ist es in meinen Augen verwegen, von den verbliebenen 35% Rückschlüsse auf die Gesamtheit (nicht nur der Angesprochenen, sondern der Demonstrationsteilnehmer insgesamt) zu ziehen."
(Christian Reinboth)
Dieter Rucht vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin hat mit Kollegen aus ganz Deutschland nun eine neue Untersuchung zum Phänomen "PEGIDA" durchgeführt, deren Ergebnisse sowohl online als auch durch direkte Straßenbefragungen gewonnen worden. Zwar wurde diesmal nur eine Demo (die am 12. Januar in Dresden) untersucht, dafür mit eleganteren Methoden. Die Befragten erhielten Handzettel mit QR-Codes zur Online-Befragung, zusätzlich wurden bei der Verteilung der Zettel weitere Informationen für die Befragten scheinbar beiläufig erfasst (Geschlecht, bisherige PEGIDA-Demo-Teilnahmen). Durch die Online-Befragung kann Gruppeneffekten wie Mitläufertum besser begegnet werden.