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Montag, 19. Januar 2015

UPDATE zur PEGIDA-Studie der TU Dresden + neue Ergebnisse aus Berlin

Beitrag vom 14.01.2015: Je ne suis pas Charlie, mais...

Als Nicht-Soziologe habe ich mich mit einer Kritik am Design dieser Untersuchung bewusst zurückgehalten, zumal hier die Autoren höchstselbst auf die geringe Belastbarkeit ihrer Ergebnisse, oder wie sie es selbst nennen: "gewisse Verzerrungen", hinweisen. Konkret referenziert die Kritik z.B. auf das Phänomen des "non-response bias", also der Tatsache, dass Pegidisten mit extremen Ansichten sich weigern, selbige zu Protokoll zu geben (es stattdessen abgeschwächt tun oder gar nichts sagen).

"Die hohe Anzahl an Verweigerern ist als zentrales Problem für die Aussagekraft der Ergebnisse zu betrachten, da grundsätzlich nicht davon ausgegangen werden kann, dass Personen, die die Teilnahme an einer Erhebung verweigern, ebenso geantwortet hätten, wie Personen, die zur Teilnahme bereit waren – insbesondere bei einem politisch oder persönlich irgendwie sensiblen Befragungsthema, welches hier eindeutig vorlag. Da nicht ausgeschlossen werden kann (und es vielmehr sogar sehr wahrscheinlich ist), dass die fehlenden 65% einen erheblichen Einfluss auf das Befragungsergebnis ausgeübt hätten, hätte man sie zur Teilnahme verpflichten können, ist es in meinen Augen verwegen, von den verbliebenen 35% Rückschlüsse auf die Gesamtheit (nicht nur der Angesprochenen, sondern der Demonstrationsteilnehmer insgesamt) zu ziehen."
(Christian Reinboth)

Dieter Rucht vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin hat mit Kollegen aus ganz Deutschland nun eine neue Untersuchung zum Phänomen "PEGIDA" durchgeführt, deren Ergebnisse sowohl online als auch durch direkte Straßenbefragungen gewonnen worden. Zwar wurde diesmal nur eine Demo (die am 12. Januar in Dresden) untersucht, dafür mit eleganteren Methoden. Die Befragten erhielten Handzettel mit QR-Codes zur Online-Befragung, zusätzlich wurden bei der Verteilung der Zettel weitere Informationen für die Befragten scheinbar beiläufig erfasst (Geschlecht, bisherige PEGIDA-Demo-Teilnahmen). Durch die Online-Befragung kann Gruppeneffekten wie Mitläufertum besser begegnet werden.

Mittwoch, 14. Januar 2015

Je ne suis pas Charlie, mais...

Beitrag vom 19.01.2015: UPDATE zur PEGIDA-Studie der TU Dresden + neue Ergebnisse aus Berlin

Montagabend waren erneut in Dresden und erstmalig auch in Leipzig Tausende auf den Straßen, um ihre Sympathie für die sogenannte "PEGIDA"-Bewegung zu bekunden. Nach dem Anschlag auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" am 7. Januar mit 12 Toten und der tödlich endenden Geiselnahme zwei Tage später in einem Pariser Supermarkt für koschere Lebensmittel erhielt die Gruppierung wie erwartet einen deutlichen Zulauf, zumal sie sich diesmal als Trauermarsch für die Opfer der Pariser Anschläge ausgab. Lutz Bachmann, der Gründer und Kopf der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes", ist juristisch kein unbeschriebenes Blatt. Der mehrfach vorbestrafte 41-jährige Dresdner und ehemalige Bratwurstverkäufer zieht seit Oktober letzten Jahres mehr und mehr Bürger auf die Straßen, um gegen ... den Islam zu protestieren?

Wer das Positionspapier (PDF) liest, findet darin kein Wort zum Islam. Stattdessen Rufe nach:
  • einer "Pflicht zur Integration",
  • einem Zuwanderungsmodell analog zu Ländern wie Australien, Kanada oder der Schweiz,
  • sexueller Selbstbestimmung,
  • der Abschaffung des Gender Mainstreamings,
  • dem "Schutz unserer christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur."

"Zunächst bezeichnete das Abendland die lateinische Christenheit, die sich gegen die orthodoxe Kirche abgrenzte. Rom gegen Konstantinopel. Als dann 1453 Konstantinopel durch die Türken erobert wurde, wurde das christliche Abendland zum Kampfbegriff des christlichen Europa gegen die türkischen, muslimischen Angreifer. In Wirklichkeit hat es so etwas wie ein einheitliches christliches Abendland aber nie gegeben. Man schaue nur darauf, dass die muslimischen Türken im 17. Jahrhundert von den katholischen Franzosen im Kampf gegen die katholischen Habsburger unterstützt wurden. Machtdenken spielte eine viel größere Rolle als die Religion. [...] Das zeigt ja, wie inhaltsleer und dehnbar der Begriff Abendland immer war: Lange richtete er sich auch gegen die Juden, doch in jüngster Zeit wurde – nachdem Millionen Juden ermordet wurden – die jüdische Religion einbezogen, wenn es um die Abgrenzung gegen Muslime geht. Auch heute beschwören viele Demonstranten bei den Pegida-Veranstaltungen die christlich-jüdischen Werte des Abendlandes. Wenn es um Muslime geht, sind Verbündete gerade recht."
(Wolfgang Benz)

Was also wollen diese selbsterklärten Verteidiger des Abendlandes tatsächlich? Haben sie eine konkrete Forderung oder hat sich hier ein Haufen Frustrierter zusammengefunden, dessen Anliegen weit über die plakativen Slogans hinausgeht?

Montag, 26. August 2013

Zwischen Schulanfang und Brückenfest

Der 18 Tage alte Mond wirft das Sonnenlicht auf die abgeernteten Weizenfelder ringsum und sorgt im Duett mit einem unverändert aus südöstlicher Richtung wehenden Wind für die optimale Rahmung des sich seinem Ende zuneigenden Radausflugs. Ich setze die Titelliste des Vormittags fort und lasse mich sowohl von der warmen Stimme in den Ohren als auch von der (kühleren) Luft im Rücken treiben. Die Gedanken gehen auf die Reise, die Kilometer verfliegen, die Müdigkeit spielt keine Hauptrolle mehr. Panta rei.

Die Würfel sind gefallen

Am Vorabend des vergangenen Samstags fällt die Entscheidung. Nachdem mir Wetterbericht und innere Stimme grünes Licht gegeben haben, beginne ich damit, das GPS mit den Streckenkoordinaten und den MP3-Player mit Grimms Märchen zu füllen. Richtig gelesen. Ein kurzer Exkurs als Babysitter hatte mich in die Rolle des Märchenonkels versetzt und dabei intolerable Wissenslücken zu Tage gefördert. Was liegt also näher, als diese Lücken Krater quasi im Vorbeifahren zu füllen? Da ich meinem Autarkiegrundsatz bezüglich fester Nahrung treu bleiben und die Kamera samt Stativ einpacken möchte, ist diesmal obendrein der Rucksack mit an Bord. Außerdem habe ich so Gelegenheit dazu, Beinlinge und Jacke problemlos verstauen zu können.

Freitag, 3. Februar 2012