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Donnerstag, 10. Dezember 2015

Türchen 10 | Adventskalender 2015

Aus Großbritannien erreichen uns in diesen Tagen bedrohliche Nachrichten zum Thema Artenvielfalt. Dort hat eine Langzeitstudie über 40 Jahre hinweg an mehr als 4.400 Pflanzen- und Tierarten sowohl Häufigkeit und Verbreitung als auch deren ökosystemare Funktionen untersucht.

Teilergebnis: Es wird ein signifikanter Artenschwund bei bestäubenden Insekten sowie "Nützlingen" (Schädlingsvertilgung etc.) allgemein nachgewiesen.

Diese Entwicklung sollte uns alle beunruhigen, denn die Widerstandskraft von Ökosystemen kann nicht unendlich strapaziert werden. Der Wegfall einiger weniger Arten ist von einem robusten Gesamtsystem häufig kompensierbar. Fallen jedoch Schlüsselarten aus bzw. gehen deren Bestände dramatisch zurück, kann das ganze System kollabieren.

"However, groups providing pest control or pollination functions have shown greater declines of 16, and 27 % of species, respectively (n=1,447 and 720 species). For pest control, these declines have been largely offset by increases in other species (17 %), but this is less so for pollinating species, of which only 23 % of species are increasing."
(T. H. Oliver et al.)

Quelle: Nature Communications.

Meine Schlußfolgerung aus diesen Daten bestärkt mich im Bestreben, einen weiteren kleinen Beitrag zu Erhalt und Steigerung der Biodiversität zu leisten: Ich werde Imker.

Oliver, T. H. et al.: Declining resilience of ecosystem functions under biodiversity loss. Nature Communications (2015)

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Türchen 9 | Adventskalender 2015

Douglas Tompkins ist tot. Mit Bestürzung las ich heute Mittag diese Nachricht – die Welt hat mit ihm einen großen Umweltschützer und Kämpfer für Nachhaltigkeit verloren.

Im Alter von 47 Jahren verkaufte der Gründer so erfolgreicher Marken wie The North Face und Esprit 1990 seine Firmenanteile, um fortan in Argentinien und Chile riesige Landflächen für den Naturschutz und/oder die Rückgewinnung des ursprünglichen (im Wortsinn) Zustandes zu erwerben. Er focht erbitterte Kämpfe mit Regionalregierungen und Unternehmen aus, verhinderte die Zerschneidung unberührter Regenwälder durch Straßen oder Hochspannungstrassen, etablierte u.a. nachhaltigen Tourismus in Öko-Lodges.

Dienstag, 8. Dezember 2015

Türchen 8 | Adventskalender 2015

Für die katholische Kirsche beginnt heute das Heilige Jahr der Barmherzigkeit – zuletzt gab es vor 15 Jahren eines unter Papst Johannes Paul II. (Motto: "Christus gestern, heute und in Ewigkeit."). Solche Jubiläumsjahre erklärt die Römische Kurie traditionell, um den Glauben ihrer Anhänger zu vertiefen, sie erweitert Buße leisten zu lassen.

Papst Franziskus (am 17. Dezember wird er 79) hat in einer Audienz nach seiner Wahl gesagt:

"Ich erzähle Ihnen eine Geschichte. Bei der Wahl saß neben mir der emeritierte Erzbischof von São Paolo und frühere Präfekt der Kongregation für den Klerus Kardinal Claudio Hummes – ein großer Freund, ein großer Freund! Als die Sache sich etwas zuspitzte, hat er mich bestärkt. Und als die Stimmen zwei Drittel erreichten, erscholl der übliche Applaus, da der Papst gewählt war. Und er umarmte, küsste mich und sagte mir: „Vergiss die Armen nicht!“ Und da setzte sich dieses Wort in mir fest: die Armen, die Armen. Dann sofort habe ich in Bezug auf die Armen an Franz von Assisi gedacht. Dann habe ich an die Kriege gedacht, während die Auszählung voranschritt bis zu allen Stimmen. Und Franziskus ist der Mann des Friedens. So ist mir der Name ins Herz gedrungen: Franz von Assisi. Er ist für mich der Mann der Armut, der Mann des Friedens, der Mann, der die Schöpfung liebt und bewahrt. Gegenwärtig haben auch wir eine nicht sehr gute Beziehung zur Schöpfung, oder? Er ist der Mann, der uns diesen Geist des Friedens gibt, der Mann der Armut. … Ach, wie möchte ich eine arme Kirche für die Armen!"
(Papst Franziskus im März 2013)

Nun also Barmherzigkeit. Mir fallen die Synonyme Nachsichtigkeit, Herzensgüte, Wohltätigkeit, Humanität ein. Ich denke an die weltweiten Krisen, ich denke an unseren Umgang mit der "Schöpfung", ich denke an Verschwendung und Ausbeutung. Ich denke an unsere moderne westliche Hyperkonsumgesellschaft, die sich auf den ersten Blick so weit von Mangelgesellschaften entfernt wähnt. Dabei stehen die scheinbaren Segnungen der Konsumgesellschaft längst nicht all ihren Mitgliedern offen. Ja, Hyperkonsum und Mangel gehen notwendigerweise Hand in Hand, bedingen einander. Die Ungleichheit ist die Hauptursache für Flucht und Vertreibung. Die Ungleichheit und die Sehnsucht einiger nach Überlegenheit, nach Dominanz, lassen Probleme entstehen, die dem Gedanken der Barmherzigkeit diametral entgegenstehen.

Menschen werden getötet, weil sie an einen anderen Gott glauben. Menschen werden getötet, weil sie billige Kleidung herstellen. Menschen werden getötet, weil fossile Energie zum Wirtschaftswachstum beiträgt.

Menschen verlieren ihre Heimat auch, weil Millionen Privilegierte alljährlich und alltäglich Pkw und Flugzeug nutzen. Menschen sind denkende Wesen. Omnipräsente Werbebanner wollen uns Dinge in den Warenkorb legen, von deren Existenz wir bisweilen nicht einmal wussten. Aber Dritte wissen davon, weil wir es ihnen klickweise verraten. Wir leben im Jetzt und nicht selten egoistisch. Wir sollten als Gemeinschaft leben – vorausschauend, planend, bisweilen verzichtend, barmherzig.

NASA Blue Marble 2007 West.

Montag, 7. Dezember 2015

Türchen 7 | Adventskalender 2015

Betreibt Deutschland eine nachhaltige Außenpolitik? Entscheidet der Bundestag wirklich fundiert über den Einsatz von bis zu 1.200 Soldaten binnen drei Tagen? Hat man aus dem Afghanistan-Fiasko nichts gelernt? Wozu die sinnlose Beteiligung am mit Waffen niemals zu gewinnenden "Kampf gegen den Terror" im Nahen Osten? Erdgas?

Vor sechs Jahren schrieb ich diese Zeilen:

"Nach der Entführung zweier Tanklastzüge hat ein deutscher Oberst die Bombardierung des Konvois durch NATO-Jets angefordert. Immerhin wurde diese Aktion vorgestern in Stockholm als "großer Fehler", der sich "nicht wiederholen" dürfe tituliert. Warum um alles in der Welt wurde gleich nach Bekanntwerden des Massakers das Argument des möglichen Einsatzes dieser Tanklaster als Waffe gegen deutsche Soldaten in die Welt gesetzt? Weil es die einzige plausible Rechtfertigung war. Nach dem Motto: "Wir haben die Lastzüge nicht mehr, also sollt ihr sie auch nicht haben" – das klingt zugegebenermaßen eher nach Kindergarten ... trifft wohl aber deutlicher in die Nähe der 10 als jeder andere Erklärungsversuch.

Und nun? Was ist mit dem 10-Jährigen, der am Grab seiner ganzen Familie in den Abendnachrichten weinte, weil er nun niemanden mehr habe? Was ist nun mit ihm?? Wir befinden uns im Stabilisierungseinsatz. Herr Jung, machen Sie in den letzten paar Wochen ihrer Amtszeit wenigstens eine einzige Sache richtig! Sagen Sie den Menschen die Wahrheit! Danke."

Mittlerweile ist aus Oberst Klein Brigadegeneral Klein geworden, auch weil er sich in Kunduz "der Verpflichtung bewusst" gewesen sei, "zivile Opfer soweit irgend möglich zu vermeiden", und "hierbei keine ihm gebotene und praktikable Aufklärung unterlassen" hat.

"Die Nato hatte das Bombardement intensiv untersucht und schwerwiegende Fehler bei der Erteilung des Abwurfbefehls identifiziert. Zentral dabei war, dass Klein als ranghöchster Kommandeur gegenüber den Bomberpiloten einen aktuellen Angriff auf Nato-Truppen ("troops in contact") meldete, obwohl dieser nicht vorlag. Ebenso meldete Klein – seinen Aussagen nach unter Berufung auf eine Geheimdienstquelle – dass sich rund um die Tanker hauptsächlich bewaffnete Taliban befänden. Auch dies stellte sich später als falsch heraus."
(Spiegel Online)

Vorermittlungen zu einem Disziplinarverfahren wurden eingestellt.

Betreibt Deutschland eine nachhaltige Außenpolitik? "Beschützt" dieser Staat die richtigen Menschen?!

Sonntag, 6. Dezember 2015

Türchen 6 | Adventskalender 2015

Sankt Nikolaus
spült die Ufer aus.

Fließt Nikolaus noch der Birkensaft,
dann kriegt der Winter keine Kraft.

(Bauernregeln)
Das Nikolausfahrrad neben Winter-Jasmin.




PS: Denken Sie an die Barbarazweige...

Samstag, 5. Dezember 2015

Türchen 5 | Adventskalender 2015

10 Gründe, warum ich nachhaltig lebe:

1) Weil ich auf dem Land aufgewachsen bin.
2) Weil mich Verschwendung und Übermaß schon immer abstießen.
3) Weil mein Fahrrad 12.000 km im Jahr fährt.
4) Weil ich die Fortbewegung aus eigener Kraft liebe.
5) Weil Produkte der ökologischen Landwirtschaft qualitativ unübertroffen sind.
6) Weil mein Garten eine Oase für Singvögel und Insekten ist.
7) Weil sie das beste Brot der Welt backen kann. Und den besten Kuchen. Und...
8) Weil Tauschen, Teilen, Reparieren wirklich Spaß machen.
9) Weil das gegenwärtige Wachstums-Mantra u.a. ökologische Kosten externalisiert.
10) Weil mich die "Kommt-doch-hinten-raus"-Mentalität ankotzt!


Freitag, 4. Dezember 2015

Türchen 4 | Adventskalender 2015

"Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich."
– Dietrich Bonhoeffer

"Wie nahe sind uns manche, die tot sind, und wie tot sind uns manche, die leben."
– Wolf Biermann

"Wäre der Tod nicht, es würde keiner das Leben schätzen; man hätte vielleicht nicht einmal einen Namen dafür."
– Jakob Boßhart

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Türchen 3 | Adventskalender 2015

Wenn wir heute über Nachhaltigkeit sprechen, dann geschieht das nicht selten mit dem Duktus des Neuen, des Revolutionären, des Fortschrittlichen. Dabei ist Nachhaltigkeit weder neu noch revolutionär - sie ist schlicht das eherne Grundprinzip des Wirtschaftens mit begrenzten Ressourcen.

Naturliebhaber wissen, wovon die Rede ist. Sie kennen das Prinzip der Räuber-Beute-Beziehungen, sie kennen das Prinzip der Kreislaufwirtschaft, sie kennen die Regeln funktionierender Ökosysteme, weil sie mit offenen Augen ihre Umwelt wahrnehmen. Einer, der erfolgreich die Eigenschaften des Naturliebhabers mit den Gaben eines Dokumentarfilmers, Fotografen und unaufdringlich ehrlichen Advokaten der globalen Ökosphäre zum Zwecke der Umweltbildung breiter Massen einsetzt ist Andreas Kieling.

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Türchen 2 | Adventskalender 2015

"Wirklich etwas erreichen können wir aber erst, wenn wir die Zusammenhänge, das große Ganze verstehen. Wenn alle Betroffenen zusammenarbeiten, können wir das lineare System in ein neues umwandeln, das keine Ausbeutung von Ressourcen und Menschen mehr zulässt."
– Annie Leonard

Dienstag, 1. Dezember 2015

Türchen 1 | Adventskalender 2015

"O heilige Natur! Wie oft musst du der Mode weichen und Menschensatzungen Platz machen."
– Caspar David Friedrich

Der schwedische Chemiker Svante August Arrhenius erkannte bereits im späten 19. Jh. die Bedeutung des Kohlendioxids für das Klima der Erde, 1895 präsentierte er seine Theorie zum Treibhausgaseffekt. Einen wissenschaftlich fundierten Nachweis der positiven Korrelation zwischen veränderter Landnutzung sowie dem Verbrennen fossiler Energieträger und steigender atmosphärischer CO2-Gehalte lieferte erstmals Charles David Keeling Ende der 1950er-Jahre. Die Keeling-Kurve gilt seitdem als Beleg der vom Menschen verursachten Klimaerwärmung; seit 1988 werden die globalen Erkenntnisse zum menschengemachten Klimawandel vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) zusammengefasst und im 6-Jahres-Rhythmus publiziert.

Wie oben erwähnt, darf man nicht nur die reinen Emissionen im Blick haben, sondern muss gleichsam auf die Landnutzung achten. Mehr als zwei Drittel des globalen Kohlenstoffs sind in den Wäldern und Graslandschaften gespeichert - schwinden sie (unter anderem deswegen!), verlieren wir wertvolle Speicher, die Jahrzehnte zur Wiederherstellung benötigen.